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Landkreis Günzburg

04.11.2018

Feuerwehren haben viele „Schätzchen“ in der Garage

Der große Magirus ist ein ehemaliges Flugplatzlöschfahrzeug, der Mercedes stammt vom Technischen Hilfswerk. Beide Fahrzeuge in Hagenried sind geländegängig.
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Der große Magirus ist ein ehemaliges Flugplatzlöschfahrzeug, der Mercedes stammt vom Technischen Hilfswerk. Beide Fahrzeuge in Hagenried sind geländegängig.
Bild: Peter Wieser

Bei den freiwilligen Wehren im Landkreis Günzburg sind einige ganz besondere Fahrzeuge im Einsatz – manche allerdings nicht ganz so offiziell. Eine Rundfahrt.

Im Landkreis Günzburg gibt es rund 120 Feuerwehren, inklusive der Löschgruppen, Werks- und Betriebsfeuerwehren, und etwa 4000 aktive Feuerwehrmänner und -frauen. Hinzu kommen circa 250 motorisierte Fahrzeuge. Und dazu zählen auch einige für heutige Verhältnisse doch eher ungewöhnliche Exemplare – manch historisches „Schätzchen“ ist zu finden. Hergeben möchte diese keiner, denn jedes erzählt seine eigene Geschichte.

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Die Landkreisrunde beginnt in Haupeltshofen. Dort steht nämlich das beste Fahrzeug, das es überhaupt gibt. So sehen das jedenfalls Hannah, 15, und Simone, 12, von der Jugendfeuerwehr. Das Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF), der Florian Haupeltshofen 44/1, ein Ford Transit, Baujahr 1966, mit 65 PS, sei „einfach cool“ und etwas, was nicht jeder hat. „Der läuft tadellos“, erklärt Zweiter Kommandant Josef Guggenmos. „Der Tüv ist neu, es hat keinen Rost und ist einfach unkaputtbar“, fügt Kommandant Josef Rampp hinzu. „Wir sind voll einsatzbereit, wenn im Ort etwas ist.“

Allerdings sitzt die Löschgruppe hinten noch auf der „Holzklasse“, also auf Holzbänken. Dem Monteur soll es übrigens richtig leidgetan haben, als er in das Dach ein Loch für die Digitalfunkantenne schneiden musste. Das Fahrzeug haben die Haupeltshofer 1999 für 300 Mark von der Feuerwehr Günzburg übernommen und es trägt mit „GZ - 250“ sogar noch das Original-Kennzeichen. Nur: Den Berg hinauf dürfe es halt nicht ganz so pressieren, fügt Rampp hinzu.

Feuerwehren haben viele „Schätzchen“ in der Garage

Der Oldie war seinerzeit ein Geschenk

Das älteste noch einsatzfähige Feuerwehrfahrzeug befindet sich in Eichenhofen, ein Mercedes Benz L 1500 S, Baujahr 1942. Der Oldie war seinerzeit ein Geschenk: Karl Lehner aus Winterbach, Inhaber einer Gleisbaufirma, hatte es 1973 als ausgemustertes Löschfahrzeug von der Deutschen Bundesbahn für 2000 Mark erworben und der Eichenhofer Wehr gespendet. Man habe es halt von Grün auf Rot umspritzen müssen, erzählt Karl Baumeister, der damals Zweiter Kommandant war. Hergeben würden die Eichenhofer ihren Florian Eichenhofen 44/1 ebenfalls nicht so ohne Weiteres. „Der hat halt no a Blech“, erklärt Baumeister. Das Fahrzeug kommt regelmäßig problemlos durch den Tüv, hat sich in den vergangenen 45 Jahren stets bewährt und ist natürlich auch ein Blickfang bei Fahnen- und Fahrzeugweihen. Sogar die Ledersitze habe man kürzlich frisch bezogen, sagt Kommandant Karl Brenner.

Ein bisschen jünger ist die Jettinger Drehleiter, die DL 18 + 2, ein Opel Blitz aus dem Jahr 1959. Der 79 PS starke Motor ist übrigens der gleiche, wie ihn der Opel Kapitän hatte. „Wenn die mal weg kommt, dann gehen mir au“, sagen die Jettinger, die bereits seit 1968 im Besitz der von der Günzburger Wehr stammenden 20-Meter-Drehleiter sind. Alois Gilg hatte sie von dort geholt und hält sie mit Gerätewart Martin Müller in Schuss. Eigentlich hätte Jettingen ja eine neue bekommen sollen, mangels Unterbringungsmöglichkeiten hatte man sich damals für die kleinere entschieden. Die hat sich seitdem und auch bei größeren Einsätzen als unverzichtbar bewährt. Nur die Sechs-Volt-Anlage sei etwas klein dimensioniert. Zur Not helfe auch mal Anschieben, verrät Gilg schmunzelnd.

Das frühere Bundeswehrfahrzeug wurde komplett umgebaut

Ungewöhnlich ist auch das Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Hagenried, ein Magirus 6 x 6 Allrad, Baujahr 1961, mit einem 4000-Liter-Wassertank, 400 Litern an Schaummitteln, Wasserwerfer und Schaumrohr und einer Pumpe mit einer Leistung von 2400 Litern pro Minute. Zuvor war das ursprünglich graue Fahrzeug auf Bundeswehrflugplätzen im Einsatz und wurde von den Mitgliedern der Wehr komplett umgebaut.

Die Hagenrieder hatten sich zuvor für ein solches Fahrzeug aus Bundeswehrbeständen beworben und warteten noch auf eine Zusage. Die kam zwar, allerdings erst Jahre später. Zwischenzeitlich stand dann das große LF 8, ein Mercedes, Baujahr 1982, und ebenfalls geländegängig, im Gerätehaus. Dieser wiederum stammt aus Beständen des Technischen Hilfswerks und wurde ebenfalls in Eigenleistung hergerichtet. Seitdem ist die Hagenrieder Wehr im Besitz von gleich zwei großen Fahrzeugen, die sie erhalten will und sich damit größtenteils selbst um deren Unterhalt kümmert.

Ein Bulldog zieht den Spritzenanhänger

In Weiler, dem am südlichsten gelegenen Ort im Landkreis, steht ein TSA – ein Tragkraftspritzenanhänger, Baujahr 1970, der Florian Weiler 45/1. Ganz so ungewöhnlich ist ein Feuerwehranhänger zwar nicht, ein solches „Fahrzeug“ wird nämlich auch noch von neun weiteren Wehren und Löschgruppen im Landkreis genutzt. Mit Tragkraftspritze und entsprechendem Schlauchmaterial ist er mit allem ausgestattet, was eine Löschgruppe für einen schnellen Außenangriff benötigt. Gezogen wird der Anhänger aber mit einem der Bulldogs der beiden Maschinisten, Georg Ganser oder Christian Würstle.

Er leistete schon bei zwei Großbränden, einem landwirtschaftlichen Anwesen sowie bei der Unterstützung der Kameraden in Haupeltshofen, seine Dienste. Erst am Donnerstag hatte es in einem Einfamilienhaus in Weiler gebrannt. Wie lange sich der TSA schon im Besitz der Wehr befindet, das weiß keiner mehr so genau. Lediglich der Schriftzug „Harthausen“ weist darauf hin, dass er irgendwann Anfang der 80er-Jahre von dort nach Weiler umgezogen ist. Ob sie sich die Weilerer denn von ihrem Anhänger trennen würden? „Es wär’ scho schön, wenn’s a mal a Auto gäb’“, meint Michael, 11, von der Jugendfeuerwehr dazu.

Das „Martinshorn“ ersetzt die Fahrradklingel

Ein ganz anderes Gefährt steht in Bubesheim. Neben dem LF 10/6 gibt es dort nämlich ein Feuerwehrfahrrad. Achim Schrecker hat es vor dem Entsorgen gerettet und rot angemalt. Es hat sogar ein Blaulicht und ein etwas amerikanisch klingendes Martinshorn, das gegebenenfalls auch eine Fahrradklingel ersetzt. Die rote Box auf dem Gepäckträger bietet zudem eine ganze Menge an Stauraum. Angeblich soll das Fahrrad schon gute Dienste geleistet haben, wenn der eine oder andere Aktive zu spät zur Übung kam und somit seinen Kameraden hinterherfahren konnte. Lediglich der Aufkleber „Bei Stau – Rettungsgasse bilden“ irritiert etwas: Auf der A8 kam das Fahrrad nämlich noch nicht zum Einsatz.

Ein Feuerwehr-Mofa gibt es im Landkreis übrigens auch. Dieses steht bei Kommandant Christoph Gröner-Weikert in Mindelaltheim – eine Piaggio Bravo, rot-weiß, mit Blaulichtattrappe und Tröte. Auf dem Tank stehen sogar die Zahlen Acht und Eins, also 8/1, der Funkname für den Kommandanten. Sogar Herr Braun vom Fernsehsender a.tv soll schon auf dem Gepäckträger mitgefahren sein. Ärgerlich war allerdings, dass das Mofa vor zwei Jahren direkt aus der Garage von Christoph Gröner-Weikert gestohlen wurde (wir berichteten damals). In Windeseile wurde die Nachricht über Facebook verbreitet. Mit fehlendem Blaulicht und kaputtem Gashebel wurde das Mofa schließlich bei Offingen aufgefunden.

Einmalig in ganz Deutschland ist der VW Caddy von Moritz Götzl aus Günzburg. Mit dem ehemaligen Brandschutzerziehungsfahrzeug war die Berufsfeuerwehr Wiesbaden an Schulen und Kindergärten unterwegs, bis es ausgemustert wurde. Götzl, selbst aktives Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Günzburg, hat den Caddy von seinem Vater, der diesen über das Internet erworben hat, zu seinem 18. Geburtstag geschenkt bekommen. Blaulicht und Martinshorn sind allerdings außer Betrieb, nachdem es kein offizielles Feuerwehrfahrzeug mehr ist. Dafür hat der Caddy nun einen Namen: „Spritzi“– wegen des aus seinem Rüssel spritzenden Elefanten an der Seite. Und auch Moritz Götzl betont: „Ich mag mein Auto und tät’ es niemals hergeben.“

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