Newsticker

Corona-Zahlen in Deutschland: Rund 11.000 Neuinfektionen gemeldet
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Feuerwehrleute lernen den Rauch zu lesen

Simulation

01.04.2015

Feuerwehrleute lernen den Rauch zu lesen

Leipheimer und Riedheimer Retter üben im Brandcontainer

Wie geht man bei einem Brand richtig vor? Wie gehe ich mit dem Hohlstrahlrohr um? Und wie kann ich den Rauch richtig lesen? Das haben die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren Leipheim und Riedheim kürzlich gelernt – auf dem ehemaligen Fliegerhorst in einem holzbefeuertem Brandcontainer einer Firma aus Sulingen bei Bremen.

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Ein Angriffstrupp, bestehend aus zwei Feuerwehrkräften, muss mit voller Schutzkleidung, Press-luftatmer, einem C-Schlauch mit Hohlstrahlrohr und weiteren Gerätschaften in die verrauchte Wohnung, um sich zum brennenden Zimmer voran zu tasten. Sehen ist fast unmöglich. Es wird immer heißer, was die in der Hocke und auf den Knien vorangehenden Kräfte aber wegen ihrer Schutzkleidung nur verzögert spüren. Die Aufregung ist groß, der Puls schlägt kräftig bis zum Hals. Die Zimmertüre ist zu.

Eigentlich alles bekannt und doch fremd. Wenn der Feuerwehrmann oder -frau nun den Rauch falsch deutet und daher falsch reagiert, kann dies schlimme Folgen haben. Im Zimmer sind Flammen, Verbrennungsgase und Pyrolysegase hoch konzentriert und sehr giftig. Wird die Türe nun geöffnet, kommt Sauerstoff dazu, was unkontrolliert zu einer Durchzündung, einem sogenannten Flash-Over, führen kann. An der Zimmerdecke herrschen 650 bis 800 Grad, am Boden sind es noch etwa 50 Grad.

Nun heißt es gezielt zu reagieren. Der Trupp muss ständig miteinander kommunizieren, eine Einheit bilden. Einer der beiden macht die Zimmertüre einen kleinen Spalt auf, sieht dunklen dicken Rauch, der auf etwa 50 Zentimeter über dem Zimmerboden bis an die Decke reicht. Kommt nun Sauerstoff in ausreichender Menge dazu, sind alle Parameter für einen Flash-Over vorhanden. Sauerstoff kann nur bedingt abgehalten werden, also müssen die Rauchgase an der Decke abgekühlt werden. Zimmertüre wieder einen Spalt auf, Hohlstrahlrohr in kurzen Stößen Richtung Zimmerdecke geöffnet, Türe wieder zu. Dabei gilt zu beachten, dass ein Liter Wasser 1700 Liter heißen Wasserdampf bildet. Gezielter Einsatz von Wasser ist also dringend nötig. Zudem erhöht der heiße Wasserdampf die Temperatur enorm, was auch die moderne Schutzkleidung nicht lange abhalten kann und die sowieso schon schlechte Sicht gänzlich unmöglich macht. Nun nochmals die Türe öffnen und weitere zwölf kurze Wasserstöße abgeben. Die heißen Rauchgase sind nun so weit abgekühlt, dass die eigentliche Brandbekämpfung beginnen kann. Alles gut gegangen: Das Feuer konnte zurückgedrängt werden und ist aus.

Im Gerätehaus der Feuerwehr Leipheim lehrten Uwe Rohlfs und sein Team von der Sulinger Firma den 24 Feuerwehrleuten die Sicherheitsausbildung in der Theorie. Dann wurden im Brandcontainer drei verschiedenen Szenarien geübt.

Der Leipheimer Kommandant Martin Schmitz betonte, es sei ihm wichtig, dass seine Mannschaft unter realistischen Einsatzbedingungen üben könne. Von den schweißtreibenden Übungsszenarien waren die Teilnehmer begeistert. Einer meinte: „Es ist etwas ganz anderes, als wenn man sonst so übt. Hier kommen die Hitze des echten Feuers, der starke Rauch, die Dunkelheit und der Stress dazu, wodurch eigentlich vieles anders ist als gedacht.“ (obes)

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren