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Flucht aus der Forensik: Jetzt ist das BKH gefragt

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Kommentar Von Rebekka Jakob
28.09.2019

Der Ausbruch zweier Männer aus der forensischen Klinik des Bezirkskrankenhauses in Günzburg hat für Unruhe in der Region gesorgt. Die Klinik muss jetzt auf die Sorgen der Menschen im Landkreis reagieren.

Seit Montagmorgen herrscht Unruhe in der Region. Die beiden Männer, die aus der Forensischen Klinik des Bezirkskrankenhauses Günzburg geflohen sind, haben nicht nur die Polizei in Alarmbereitschaft versetzt, sondern auch viele Familien. Eltern warnten sich gegenseitig in Sozialen Netzwerken und über Whatsapp vor der möglichen Gefahr. Schulleiter und Lehrer mussten beruhigend auf Mütter, Väter und Kinder einwirken. Auch im Günzburger Stadtrat kam das Thema am Montagabend auf.

Die alte Frage nach der Sicherheit des BKH und seiner Einrichtungen, viele Jahre eigentlich kein großes Thema mehr, war plötzlich wieder aktuell. Und die Versicherung der Klinikverantwortlichen vor einigen Jahren, der Forensik-Neubau sei im Gegensatz zu der früheren Unterbringung von psychisch kranken Straftätern auf dem Reisensburger Klinikgelände um ein Vielfaches sicherer geworden, war auf einmal nichts mehr wert.

Vor dem Neubau flüchteten häufiger Menschen aus der Forensik

Das hilft es auch nichts, wenn daran erinnert wird, dass vor dem Neubau deutlich mehr Menschen die Flucht aus den alten Gebäuden der Forensischen Klinik gelang. Heiligabend 2000 zum Beispiel, als zwei Männer sich wie Artisten durch die Fenstergitterstäbe des damaligen Haus 44 in die Freiheit zwängten. Oder im Januar 2010, als zwei andere Patienten sich während eines Volleyball-Spiels aus dem Staub machten. Die beiden Männer, die am Montag geflohen sind und von denen bis Freitagabend jede Spur fehlte, sind hingegen die ersten, denen seit der Eröffnung des 22 Millionen Euro teuren Klinikneubaus im Jahr 2013 eine Flucht gelang.

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BKH wird die Sicherheitslücke schnell schließen

Kurz vor der Inbetriebnahme des neuen Hauses übte ein Sondereinsatzkommando dort unter anderem, wie bei einer Geiselnahme vorzugehen ist. Sechs Jahre später haben es nun tatsächlich die zwei Männer geschafft, durch die Bedrohung einer Mitarbeiterin ihren Weg nach draußen zu erpressen. Die Frage, wie das passieren kann, ist erlaubt, sie wird gestellt und sie muss auch gestellt werden. Eines ist klar: Ein Grund zur Panik besteht sicher nicht. Es ist davon auszugehen, dass das Bezirkskrankenhaus sehr schnell reagiert, um eine mögliche Sicherheitslücke auszuschließen. Immerhin ist es zuvorderst im Interesse der Klinik, dass sich ein solcher Fall nicht wiederholt. Und dass es den beiden Flüchtigen auf Dauer gelingt, sich versteckt zu halten, ist doch eher unwahrscheinlich.

Die Bezirkskliniken tun jedoch gut daran, nicht nur im eigenen Haus die Sicherheit wiederherzustellen. Sie müssen auch auf die Menschen zugehen, die sich Sorgen machen. Das BKH hat in den vergangenen Jahren immer wieder Anstrengungen unternommen, sein Bild in der Öffentlichkeit gerade zu rücken. Der aktuelle Fall und die Reaktionen der Menschen in und um Günzburg darauf machen deutlich, dass diese Bemühungen mehr als notwendig sind.

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