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Leipheim

31.07.2020

Fotoausstellung gibt Einblicke in ein vergangenes Leipheim

Karl Hofmann hat vor Jahren mehr als 12000 Fotos des Leipheimer Fotografen der Nachkriegszeit, Leopold Egger, digitalisiert.
Bild: Sandra Kraus

Plus Das Museum Blaue Ente öffnet wieder. Zum Auftakt gibt es Aufnahmen von Leopold Egger, der das Leben in der Stadt Leipheim über viele Jahre dokumentierte.

Das Museum Blaue Ente hat sich gemausert und zeigt sich nun nach monatelanger Zwangspause wegen des Coronavirus mit Hygienekonzept und einer neuen Ausstellung in neuem Gewand. Anstatt wie geplant schrille und interessante Objekte aus den Depots zum Anfassen und Ausprobieren zu zeigen –eine Schau, die zurzeit nicht zu machen ist –, entstand in den vergangenen drei Wochen eine fotografische Zeitreise durch Leipheim. Sie heißt „Momentaufnahmen in Schwarz-Weiß. Leopold Egger fotografiert Leipheim“, mit der die Blaue Ente wieder zurückkommt ins kulturelle Leben. Alle Fotos stammen aus dem Nachlass des Leipheimer Fotografen Leopold Egger.

Er war während des Zweiten Weltkriegs in der Bildstelle des Fliegerhorsts stationiert, nach dem Krieg blieb er als Fotograf in der Stadt. Über Jahrzehnte hinweg fotografierte er die Leipheimer und ihre Stadt, war jedes Jahr beim Kinderfest mit seiner Kamera dabei, hielt die Absolventen des Melkkurses und die Damen des Nähkurses fest. Er hatte ein Gespür für den richtigen Augenblick und war fasziniert von den Gebäuden der Güssenstadt. Tausende von Momentaufnahmen kamen so zustande, 12000 sind im städtischen Archiv gesichert.

Negative aus dem Archiv abfotografiert

Und dank Karl Hofmann sind es nicht nur die Negativstreifen im Kleinbildformat, sondern alles ist digitalisiert. 2003 hat sich Hofmann, der als Hobbyfotograf und junger Wehrpflichtiger ab 1963 seine dienstfreie Zeit gerne bei Leopold Egger verbrachte, ihm bald assistierte und gerade beim Kinderfest auch fotografierte, die Zeit genommen und die Negative digitalisiert. „Sobald der Himmel mit weißen Wolken bedeckt war und damit das richtige Licht vorhanden war, setzte ich mich hin und fotografierte mit meiner Kamera die Negative ab“, erzählt er.

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Rund ein halbes Jahr verging, bis alles abfotografiert, am Bildschirm der eine oder andere Kratzer retuschiert und schließlich alles in Dateiordnern mit Jahreszahl, Ort und Anlass versehen und abgelegt war. Ein fotografischer Schatz, der Leipheim und seine Einwohner zeigte, war damit geschaffen. Und bestens geeignet für eine Ausstellung, die die kürzeste Vorlaufzeit im Museum Blaue Ente hat.

Auch vom Kinderfest 1949 sind Fotos in der neuen Ausstellung in der Blauen Ente ausgestellt.
Bild: Leopold Egger

Drei Wochen reichten dank der Zusammenarbeit von Nicole Schneider und Susanne Anwander aus dem Rathaus und dem Historischen Arbeitskreis der Stadt. 90 Bilder sind ab 2. August jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr im Museum Blaue Ente zu sehen. Gezeigt werden Aufnahmen vom Kinderfest ab dem Jahr 1949, ein imaginärer Stadtrundgang durch das Leipheim der 1950er und 60er kann gemacht werden.

Schnappschüsse und Porträts von Leipheimern bei Festen und im Alltag sind zu sehen. „Das ist interessant für die Bürger der Stadt, aber auch für Touristen“, ist sich Nicole Schneider sicher. Die meisten Bilder sind zum ersten Mal ausgestellt. Ganz besonders stolz ist Susanne Anwander zum Ausstellungsbeginn auf die Blaue Ente: „Wir haben ein 400 Jahre altes Gebäude mit einem Hygienekonzept des 21. Jahrhunderts ausgestattet. Unsere Ente ist unglaublich.“

Corona-Hygienekonzept im Museum

Die Besucher erwartet am Eingang ein Spender mit Desinfektionsspray, Pfeile am Boden markieren eine Art Einbahnstraße entlang der Fotografien, Hinweisschilder erinnern an das Abstandhalten. Es herrscht Maskenpflicht im Museum. Geschlossen bleiben muss die Gaststube. Die Verantwortung für die vielen ehrenamtlichen Helfer, viele davon im Alter der Corona-Risikogruppe, wird sehr ernst genommen.

Der wöchentliche Arbeitstag wurde bis Ende Juni ausgesetzt, auf die gemeinsame Vesper nach getaner Arbeit und auf das Bierbrauen verzichtet der Historische Arbeitskreis noch immer. Auch beim Aufbau der Fotoausstellung wurde auf Abstand geachtet. Jetzt ist alles fertig und die Besucher können beim Betrachten der Eggerschen Fotos in Erinnerungen schwelgen – oder sich gar vom Leipheim vergangener Zeiten verzaubern lassen.

Eine Vernissage oder Bewirtung wird es wegen Corona nicht geben. Da die Ausstellung bis 25. Oktober läuft, ist keine Eile geboten. „Die Momentaufnahmen in Schwarz-Weiß sind der erste Schritt in die neue Normalität“, freuen sich Susanne Anwander und Nicole Schneider. Und vielleicht findet sich, angeregt durch die Ausstellung, ein Porträt von Egger. Vom Fotografen selbst hat die Stadt nämlich nur ein einziges Bild und das nur in mäßiger Qualität. Karl Hofmann bestätigt: „Uns selbst haben wir damals nie fotografiert.“ Wer ein Foto von Leopold Egger hat, kann sich im Rathaus melden oder es zur Ausstellung in die Blaue Ente mitbringen.

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