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Krumbach

28.01.2018

Freistaat, „Sowjetbayern“, Krumbacher Spuren

100 Jahre Freistaat Bayern: Über dieses Thema referierte Professor Dr. Hans Maier (Mitte, mit den Folien für seinen Vortrag) beim Neujahrsempfang der Kreis-CSU im Krumbacher Stadtsaal. Ferner auf dem Bild von links Landrat Hubert Hafner, CSU-Landtagsabgeordneter und CSU-Kreisvorsitzender Alfred Sauter, Bezirksrätin Stephanie Denzler und der CSU-Landtagsabgeordnete Dr. Hans Reichhart. Hans Maier war von 1970 bis 1986 bayerischer Kultusminister und von 1978 bis 1987 Stimmkreisabgeordneter im Kreis Günzburg. Umrahmt wurde die Veranstaltung im Stadtsaal von der Band „Stolz ohne Holz“.
Bild: Peter Bauer

Zeitreise durch „100 Jahre Freistaat Bayern“ mit Professor Hans Maier beim CSU-Neujahrsempfang im Krumbacher Stadtsaal.

Der Overheadprojektor. Seine „beste Zeit“ hat er wohl irgendwann in den 70er bis 90er Jahren gehabt. So fühlt sich so mancher Besucher beim Blick auf den Overheadprojektor vor der Bühne des Krumbacher Stadtsaals wohl an seine eigene Schüler- oder Studentenzeit erinnert. Und dann der sich selbst zurücknehmende, geradezu klassisch referierende Professor Dr. Hans Maier mit seinem Vortrag – es ist in mancherlei Hinsicht wie eine klassische Vorlesung. Hörsaalatmosphäre im Krumbacher Stadtsaal sozusagen. Folien, die ein Helfer auf den Projektor legt, inklusive. 

Für den 1931 in Freiburg geborenen Hans Maier ist diese Hörsaalatmosphäre elementarer Bestandteil seines Lebens. Jahrzehntelang war Maier vor allem in den Bereichen Politische Wissenschaft und Philosophie wissenschaftlich tätig. Abseits weltbeglückender Talkshowphilosophen sehen nicht wenige in ihm einen der letzten wirklichen Universalgelehrten. Und einen liberal-konservativen Katholiken, wie es ihn nicht mehr oft gibt. Maier ist inzwischen 86 Jahre alt. Aber da ist immer noch seine ruhige, freundliche Art zu sprechen. Sein hintersinniges Lächeln und sein feiner Humor, der auf eine angenehme Weise auffällt in dieser lauten Zeit.

Hans Maier beim Neujahresempfang der Kreis CSU im Krumbacher Stadtsaal: Eine bemerkenswert gelungene, auch mutige Wahl, war im Vorfeld der Veranstaltung von vielen zu hören. Denn Maier hat es „seiner“ CSU nicht immer leicht gemacht. 1970 wurde der damalige Münchner Politik-Professor bayerischer Kultusminister. 1986 verließ er das Kabinett, nachdem Ministerpräsident Strauß sein Ministerium aufgeteilt hatte. Auch Maiers politische Arbeit ist im Hintergrund präsent, als er im Stadtsaal über den 100 Jahre alten „eigensinnigen Freistaat“ referiert. Als er über die revolutionären Anfänge spricht, in denen auch Krumbach eine Rolle spielte. Der in Krumbach wohnende Gustav Landauer war ein enger Freund des Freistaat-Begründers Kurt Eisner.

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Landauer war 1919 einige Tage eine Art Kulturminister, bevor er von Freikorps-Soldaten ermordet wurde. Bayerische Geschichte im Zeitraffer. Revolution (Lenin schickte seinerzeit einen Gruß nach „Sowjetbayern“), Hitler-Putsch, die Niederlage 1945 und die erstaunliche Entwicklung Bayerns zum deutschen Musterland in der Nachkriegszeit. Bayern – das ist nach 1945 auch die spannende Geschichte seiner Ministerpräsidenten, die unterschiedlicher kaum sein können. „Landesvater“ Goppel steht neben „Weltpolitiker“ Strauß, dem die bayerische Bühne mitunter zu klein war – oder, wie dies Maier umschreibt: „Ein Hauch von Vergeblichkeit umgibt den hochbegabten, vitalen, vor Energie fast berstenden Mann.“ Goppel, Strauß, das waren die Zeiten in den 70ern, als die CSU über 62 Prozent der Stimmen erhielt.

Das wirkt entrückt mit Blick auf den Rückschlag bei der jüngsten Bundestagswahl. Was wird kommen? Abseits der Suche des schnellen Vorteils, die Politik heute oft präge, sei das „Ringen um Ideen“ wichtig, sagt der CSU-Landtagsabgeordnete Dr. Hans Reichhart. Wird es für diese politische Debatte heuer gleich zwei Wahlkämpfe geben? Mit Blick auf die letzte Bundestagswahl würden die meisten schon gar nicht mehr wissen, wann sie zuletzt gewählt haben, kommentierte Landtagsabgeordneter und CSU-Kreisvorsitzender Alfred Sauter nicht ohne Ironie die derzeit unklare Situation. Es sei davon auszugehen, dass durch eine Bundestagsneuwahl gemäßigte Kräfte nicht gestärkt würden.

Es gab in der Tat schon übersichtlichere politische Zeiten. Aber wenn man an die turbulenten Anfänge des Freistaats 1918/19 zurückdenkt, lässt es sich heute gut leben. Nicht zuletzt dieser Eindruck bleibt nach Hans Maiers Zeitreise ins Jahr 1918.

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