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Fasching

10.02.2018

Freitag statt Montag: So lief die „neue“ Burgauer Kinderbrotspeisung

Der Trommler-Albert verteilt Süßigkeiten, die er bei den Bürgern, Geschäftsleuten und Gastronomen eintreibt, an die Kinder.
Bild: Bernhard Weizenegger

Die einen sehen den neuen Termin schon als Erfolg, die anderen hingegen nicht. Die Grundschüler aber haben bei dem Umzug durchaus ihren Spaß.

Am Anfang sind sie noch etwas zaghaft beim Rufen der Faschings-Sprüche. Aber je öfter sie diese vom Trommler-Albert hören, desto begeisterter machen die Burgauer Grundschüler mit. Kurz nach 8.30 Uhr holt er sie mit lauten Schlägen auf seiner Trommel aus ihren Klassenzimmern, bevor der Umzug durch das Zentrum beginnt. In der Stadt wird nach wie vor kontrovers darüber diskutiert, ob die Verlegung vom Rosenmontag auf den Rußigen Freitag richtig ist. Aber die Buben und Mädchen haben sichtlich großen Spaß.

Auch für Alexander Gistel, dessen Tochter in der Ersten Klasse ist und der als Ordner mitgeht, ist das ein „Riesenerlebnis“, sagt er. „Es ist ein tolles Bild.“ Kathrin Hausner aus Augsburg kennt diesen „super schönen“ Brauch von ihrer Tante, die in Burgau lebt. Ihn zu erhalten findet sie wichtig.

Nach offiziellen Angaben der Schule sind 330 Kinder dabei, Leiterin Angelika Rogg-Bigelmaier sagt zur Diskussion: „Wenn es den Kindern Spaß macht, ist uns das recht.“ Sie ziehen mit Trommler-Albert Bernd Burkhardt von Geschäft zu Geschäft, wo es Bonbons, Brezen oder auch Bälle gibt. Mal wird aus den Fenstern im Obergeschoss geworfen, mal kommen die Leute auf die Straße.

Vorsitzende des Historischen Vereins findet die Kritik unangebracht

Margarete Mühlbauer ist persönlich nicht begeistert von der Termin-Verlegung, „früher war das ungezwungener“. Aber sie hofft, dass die Kinder nun wieder auf den Geschmack kommen und künftig auch abseits der schulischen Veranstaltung mehr dabei sind. Marc und Steffen Müller aus Burgau sehen das als einen Versuch, sie wünschen sich aber die Rückbesinnung auf den Rosenmontag – wobei da die Eltern gefragt seien, mit ihren Kindern an diesem Tag nicht in Urlaub zu fahren. So oder so hätte es einen breiteren Diskurs gebraucht, finden sie. Sabrina Bissinger aus Oberknöringen ist hin- und hergerissen. Ein Kind läuft im Umzug mit, Tochter Madlen ist bei der Mama. Mit der Tradition werde gebrochen, sagt sie.

Irmgard Gruber-Egle, Vorsitzende des Historischen Vereins und Befürworterin der Verlegung, sieht das ganz anders. Zum Beweis hat sie Kopien alter Dokumente dabei, beispielsweise aus dem Faschingsprogramm 1898. Da ist von der Kinderbrotspeisung nichts zu lesen. Und in der Burgauer Faschings-Zeitung aus dem Jahr 1939 ist in der Rubrik „Wie sieht der Burgauer Faschingsmontag aus?“ ebenfalls die Kinderbrotspeisung nicht erwähnt. Dass in der jüngsten Stadtratssitzung Kritik an den Modalitäten der Fahrt zur Heimatpreis-Verleihung geäußert wurde und sich einige Ratsmitglieder übergangen fühlten, findet sie „beschämend. Geht es ihnen um das Brauchtum oder um sich?“

Die Kinder haben ihre Freude

Der Vorsitzende der Stadtwache, Kris Dalm, legt übrigens Wert auf eine Feststellung. Zwar sind ein paar Stadtsoldaten beim Umzug dabei, „dabei handelt es sich jedoch um Privatpersonen, welche nicht im Auftrag des Vereins teilnehmen“. Dass sie die bekannten rot-weißen Kostüme tragen, liege daran, dass sie nicht dem Verein, sondern der Stadt gehören. Die Stadtwache habe sich in einer demokratischen Abstimmung entschieden, dieses Jahr nicht bei der Kinderbrotspeisung mitzulaufen, und diese Aussage habe nach wie vor Gültigkeit.

So oder so, die Kinder haben Freude. Jonathan, Lukas und Nina aus der Klasse 4a etwa erzählen, dass es „echt cool“ sei, nun hätten sie auch mal eine Chance, Gummibärchen und andere Leckereien zu bekommen. Kein Erwachsener schnappe sie ihnen weg. Und auch Antonia Kubiak von der Metzgerei Schwarz, die Wurst und Wurstsemmeln spendiert hat, gefällt die Stimmung. Es seien klar mehr Kinder dabei als in den vergangenen Jahren. Waltraud Pfob von der Buchhandlung findet den Anblick der Buben und Mädchen gar „gigantisch“. Sie freue sich sehr. Die Verlegung habe sich gelohnt. Erwachsene hätten am Rosenmontag ihren Spaß, und nun gebe es einen Tag für die Kinder.

An Haus hängt Banner: „Es gibt keinen Rosen-Freitag“

Wie entzweit Burgau in dieser Frage ist, zeigt sich bei Gesprächen mit weiteren Passanten, von denen es an diesem Arbeitstag aber nur wenige gibt. So wird auch bedauert, dass der weitere Brauch des Bettelns am Gumpigen Donnerstag in den Läden nun nur von wenigen Kindern mit Leben gefüllt worden sei, da sie einen Tag später etwas bekommen. Auch Helmut Findler, 80 Jahre alt, ist unglücklich über die Verlegung. „Jetzt ist es eine Pflicht für die Kinder, da mitzumachen.“ Er habe das früher anders erlebt, er ist für die „Tradition des Rosenmontags“, er hätte sich gewünscht, dass die Bürger in die Entscheidung eingebunden worden wären.

An einem Haus an der Stadtstraße hängt sogar ein Banner mit der Aufschrift „Es gibt keinen Rosen-Freitag“, das Wort „keinen“ ist unterstrichen. Dafür hängen an anderen Gebäuden Fahnen mit Burgaus Ruf „Hio!“ und die Geschäftsleute lassen sich bei dem, was sie für die Kinder geben, nicht lumpen. Besonders groß ist der Jubel, als beim Eiscafé am Stadttor Frisbee-Scheiben in die Menge fliegen. Der Trommler-Albert ist begeistert, „es ist etwas Besonderes, so viele Kinder durch die Stadt zu führen“. Die Buben und Mädchen haben Spaß, Händler und Gastronomen machen mit, für ihn war die Entscheidung richtig.

Und auch Bürgermeister Konrad Barm sowie seine Frau Jutta, die dem Faschingszugkomitee angehören, sind froh. Sie ist seit dem Jahr 2010 dabei. So viele Kinder wie bei diesem Umzug habe sie dabei seither noch nicht gesehen, sagt Jutta Barm, die auch die Funktion der Zugleiterin innehat. „Das ist heute ein ganz anderes, ein richtig schönes Bild.“ Um 11.30 Uhr kommt der Umzug schließlich am Rathaus an, wo auch der Bürgermeister zusammen mit dem Trommler-Albert allerhand an die Kinder verteilt.

Mehr Bilder zur diesjährigen Burgauer Kinderbrotspeisung finden Sie hier.

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