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Tastentage

17.10.2017

Freude und Trauer Kubas an einem Konzertabend

Das Jorge Luis Pacheco-Trio mit dem Namensgeber am Klavier, Helmut Reuter am Bass und Thomas Hempel am Schlagzeug konzertierte in Leipheim.
Bild: Gah

Jorge Luis Pacheco entlockt dem Flügel Töne wie aus einem Percussion-Instrument. Und singen kann der begnadete Pianist und Komponist auch noch

Das zweite Konzert beim Klavier-Festival Tastentage im Leipheimer Zehntstadel wurde von einem Interpreten bestritten, der zwar eine klassische Ausbildung genoss, sich aber dann dem Jazz verschrieben hat. Und das mit Erfolg. Jorge Luis Pacheco gewann 2007 den ersten Preis beim International Contest for Young Jazz Musicians („Jojazz“) und stand bei vielen Festivals (unter anderem in New York und Montreux) auf der Bühne, mit Größen wie dem Trompeter Wynton Marsalis und mit Mitgliedern der Gruppe Buena Vista Social Club.

Der Kubaner Pacheco wohnt seit kurzer Zeit in Deutschland, da seine Frau aus Wilhelmshaven stammt. Auch die Mitglieder seines Trios – Helmut Reuter am Bass und Thomas Hempel am Schlagzeug – sind deutsche Musiker. Mal versehen sie seine Melodien mit einem soliden Groove, mal sind sie seine Dialogpartner.

Das Programm in Leipheim bestand aus Werken lateinamerikanischer Komponisten und Stücken aus Pachecos eigener Feder. Ein Titel dieser Eigenkompositionen spielt auf den Spitznamen des Komponisten an, nämlich „Con El Pache me voy“ (zu Deutsch: Ich gehe mit Pache). Das Stück entstand in Erinnerung an den karibischen Karneval. Nach einem Beginn mit bluesigen Abwärtsdreiklängen folgt eine Melodie im tiefen Tonbereich, die auf und ab hüpft wie die Narren beim Faschingszug.

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Allmählich wächst die Melodie in den hohen Tonbereich und steigert sich mehr und mehr im Tempo. Bei diesem Stück ist wie bei vielen anderen Titeln des Abends zu bemerken, dass Pacheco neben dem Klavier am Konservatorium in Havanna neben Klavier auch noch Percussion studiert hat.

Die percussive Spielweise des Pianos reizt er aus, indem er die Akkorde mal mit der ganzen Hand schlägt, mal mit dem Ellenbogen. Dann folgen melodiöse Passagen, bei denen er die Finger so rasant über die Tastatur flitzen lässt, dass einem schwindlig wird. So erntet er immer wieder tosenden Applaus, der von begeistertem Pfeifen und Johlen begleitet wird. Pachecos Gesangsstimme ist impulsiv und doch klar. Dies zeigt sich bei Duetten mit seiner Frau Anna, die in Leipheim als Special Guest zu erleben war. Zum Beispiel bei der Ballade „Silencio“ aus dem Film „Buena Vista Social Club“. Hier ergänzt sie den Gesang ihres Mannes mit einer perfekt abgestimmten Unterstimme. Die Todessehnsucht dieses Stückes ist bei den beiden Stimmen in jedem Ton spürbar. Das Lied handelt von einem Gärtner, der seinen Blumen beim Verwelken zusieht. Wie die Blumen möchte auch der Gärtner sterben, da er unglücklich verliebt ist.

Auch die dunklen Seiten der Geschichte Kubas finden Platz in dem Konzertabend. Für einen Film komponierte Pacheco ein Stück im Gedenken an 3000 Menschen, die im Jahr 1912 von der damaligen kubanischen Regierung umgebracht wurden. Bei diesem Stück erhebt er sich, greift direkt in die Saiten des Flügels und erzeugt damit dissonante Töne. So lässt sich der Todeskampf der Gemeuchelten eindrucksvoll nachvollziehen.

Neben dem Flügel spielt Pacheco an diesem Konzertabend in Leipheim noch ein weiteres Tasteninstrument: Seine Soli, die er der Melodica entlockt, erinnern an Stevie Wonders Mundharmonika-Spielweise.

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