Newsticker

Massive Kontaktbeschränkungen ab 2. November
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Fünf Tage krank zu Hause ohne Attest?

Landkreis Günzburg

26.02.2015

Fünf Tage krank zu Hause ohne Attest?

Dürfen Arbeitnehmer künftig länger ohne Krankschreibung vom Arzt daheim bleiben?
Bild: M. Schuppich/Fotolia

Es ist bislang nur ein Vorschlag. Doch Ärzte und Personalchefs aus dem Kreis sind von dem Vorschlag nicht gerade begeistert.

Die Grippewelle ist auf dem Höhepunkt, die Arztpraxen sind übervoll. Kommt da ein Vorschlag von Magdeburgern Medizinern gerade richtig? Sie fordern, dass Arbeitnehmer für die Dauer von bis zu fünf Tagen ohne ärztliches Attest zu Hause bleiben können.

„Da bin ich im Zwiespalt“, meint Dr. Max Drexel aus Krumbach. Gegenwärtig werde in vielen Betrieben die Drei-Tage-Frist akzeptiert, einige Arbeitgeber verlangten eine Krankmeldung schon vom ersten Tag an. Der Arzt äußert Bedenken, dass bei einer Ausweitung auf fünf Tage Missbrauch betrieben werden könnte. Zudem befürchtet er, dass Krankheiten verschleppt werden könnten. Wer hohes Fieber oder Atemnot habe, der solle auf jeden Fall den Arzt aufsuchen.

„Von uns wäre so ein Vorschlag nicht gekommen“, meint Wilhelm Preißinger, Personalleiter am Amt für Ländliche Entwicklung in Krumbach. Wer länger als drei Tage krank ist, sollte seiner Meinung nach einen Arzt aufsuchen. Dass eine Ausweitung auf fünf Tage attestfrei ausgenutzt werden könnte, glaubt der Personalchef zwar nicht. Dennoch sieht er keinen Handlungsbedarf zur Änderung.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

„Ob drei oder fünf Tage, ich sehe da kein großes Problem“, meintdagegen Hermann Keller vom Klinikmanagement der Krumbacher Kreisklinik. Er habe zu seinen Mitarbeitern das Vertrauen, dass es nicht ausgenutzt werden würde. Doch ob eine Änderung volkswirtschaftlich etwas bringen würde, da ist er skeptisch: „Das wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Ganz zufrieden mit der aktuellen gesetzlichen Regelung ist Achim Schulz, Personaldirektor bei der Alko Kober SE. Bei dem Unternehmen mit Stammsitz in Kötz wird die Sache mit Attesten variabel gehandhabt: Bei den Führungskräften gelten andere Regeln als beispielsweise in der Produktion. Dort erbittet das Unternehmen teilweise schon ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung. Damit wolle man nicht nur unvorhergesehene Lücken durch fehlendes Personal gering halten, sagt Schulz, sondern den Beschäftigten auch signalisieren: „Jeder Mitarbeiter ist wichtig.“ Der verantwortungsbewusste Umgang mit Krankmeldungen ist nach Einschätzung des Personaldirektors auch „eine Frage der Identifikation“ mit der Firma.

„Größtes Verständnis“ für Krankheit auch über einen längeren Zeitraum hinweg äußert Artur Kehrle, Geschäftsführer von KLB Kötztal Lacke und Beschichtungen in Ichenhausen. Dennoch würde er nicht gern blindlings auf die Selbstverantwortlichkeit aller Mitarbeiter setzen. Den Vorstoß der Wissenschaftler hält Kehrle für „sehr bedenklich“: „Ich würde eine Veränderung nicht begrüßen.“ Das Unternehmen mit etwa 100 Mitarbeitern verlangt ab dem zweiten Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung, denn: „Wir müssen ja planen.“

Ob eine Lockerung der Regeln für Krankschreibungen gut wäre, kann und will Dr. Wolfram Bock momentan nicht beurteilen. Viele Patienten könnten selber gut einschätzen, ob sie arbeitsfähig sind oder nicht, sagt der Internist, der in einer Kötzer Gemeinschaftspraxis arbeitet. In den vergangenen Tagen waren auch dort viele Patienten mit grippeähnlichen Symptomen. Oft sei es nur eine starke Erkältung, die sich mit Bettruhe und genügend Trinken kurieren lasse, in manchen Fällen habe er aber auch eine Lungenentzündung oder vereiterte Mandeln diagnostizieren müssen, die ärztliche Behandlung unabdingbar machen. Als Hausarztpraxis „ist es unsere Aufgabe, die Spreu vom Weizen zu trennen“, sagt Bock und denkt daran, wie unterschiedlich die Patienten sind: Manche kämen schon mit einem leichten Ziehen im Bauch in höchster Besorgnis, andere gingen erst zum Arzt, wenn ein durchgebrochenes Magengeschwür sie plagt. Ob womöglich ernste Krankheiten zu spät erkannt würden, wenn Arbeitnehmer sich nicht nur drei, sondern fünf Tage ohne Attest krankmelden könnten? „Das allgemein zu sagen ist ein bisschen schwierig.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren