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Landkreis Günzburg

10.12.2020

Für Krippenvereine im Kreis Günzburg war es "ein totes Jahr"

Im Kloster Wettenhausen war jedes Jahr eine weit über die Region hinaus bekannte Simultankrippe zu sehen, eine der größten Krippen dieser Art in Bayern. Heuer wird sie wegen der Corona-Krise nicht aufgebaut.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbol)

Plus Um die Krippenvereine im Landkreis ist es still geworden. Schnitzkurse und Ausstellungen mussten gestrichen werden. Was aus dem Krippenschauen in Krumbach wird.

Bis zuletzt hatte man im Kloster Wettenhausen gehofft, die große und beliebte Krippe noch rechtzeitig vor Weihnachten aufbauen zu können. Doch am Montag hat sich diese Hoffnung endgültig zerschlagen. „Wir haben final entschieden, dass es angesichts von Corona-Verschärfungen und Ausgangsbeschränkungen keinen Sinn macht, die Klosterkrippe aufzubauen“, bedauert Hubert Hafner, Geschäftsführer der Kloster Wettenhausen Entwicklungs gGmbH. Auch das Krippenschauen im Krumbacher Heimatmuseum fällt heuer wegen der Corona-Pandemie flach – zumindest in der gewohnten Form. Michael Metz, Vorsitzender der Krippenfreunde Ichenhausen, zieht am Ende des Jahres eine ernüchternde Bilanz: „Für die Krippenvereine war es ein totes Jahr.“

Corona-Krise hat Krippenvereine im Landkreis Günzburg in die Krise gestürzt

Keine Krippen-Ausstellungen, keine Fortbildungen, keine Schnitzkurse – die Corona-Krise hat die Krippenvereine mehr oder weniger in die Krise gestürzt. 125 Mitglieder hat der Burgauer Krippenverein, etwa 25 sind aktiv. Gesehen haben sie sich heuer so gut wie gar nicht, lediglich zwei Vorstandssitzungen fanden unter strengen Corona-Auflagen statt. „Alle anderen Treffen wurden abgesagt, in diesem Jahr ging gar nichts“, sagt der Vorsitzende Roland Hörwig. Sämtliche geplanten Kurse, auch ein Krippenstall-Baukurs, und alle Krippenfahrten mussten gestrichen werden. Krippen in geballter Form auf Ausstellungen gibt es heuer nicht zu bewundern. Hörwig sieht darin immerhin einen Vorteil: „Man sieht die wenigen Krippen, die gezeigt werden, ganz anders an und denkt nicht schon an den Kaffee danach, der jetzt ja nicht angeboten werden darf.“

Mit der Zeit gehen und Kurse online vor dem Computer anbieten? Hörwig winkt sofort ab, „wie soll man denn vor dem Bildschirm nachschnitzen können?“ Bei dieser Kunst brauche man keinen virtuellen Lehrer, sondern jemanden, „der einen an die Hand nimmt.“ Da die Mitglieder im Schnitt deutlich über 60 Jahre alt seien, seien sie zudem am Computer nicht so firm.

Der traditionelle Krippenweg in Burgau wurde aufgestellt

Derzeit schnitzen die Mitglieder nur noch im eigenen Keller, jeder für sich. Auch Hörwig hat die Schnitzmesser nicht in die Schubladen verbannt, er arbeitet an Krippenfiguren und an allem, „was halt so anliegt und anfällt“. Für seine Tochter gestaltet er derzeit einen Christus am Kreuz. Krippen haben für den 56-Jährigen eine ganz besondere Bedeutung, erst recht in der Corona-Krise. „Das gibt Halt. In dieser Zeit braucht man Gottvertrauen.“ Auf den traditionellen Krippenweg in Burgau wollte der Verein trotz oder gerade wegen Corona nicht verzichten. An neun Stationen haben die Mitglieder Kirchenkrippen aufgestellt.

Die Ichenhauser Krippenfreunde haben sich auf ein Ausstellungsstück beschränkt, das im Schaukasten am Schulmuseum zu sehen ist. Das Angebot, dass Vereinsmitglieder ihre Privathäuser mit selbst geschnitzten Krippen dekorieren und fürs Publikum öffnen, fällt heuer natürlich flach. Und auch die traditionell am dritten Adventssonntag stattfindende Werkausstellung, bei der die Ichenhauser ihre Kunstwerke des gesamten Jahres präsentieren, ist gestrichen.

Einnahmen generieren Krippenvereine nur über Ausstellungen

„Normalerweise kommen an einem solchen Tag ein paar Spenden in die Vereinskasse, und wir können Werbung für uns machen und vielleicht Nachwuchs begeistern“, sagt der Vorsitzende Michael Metz. Nur über Ausstellungen, Basare und Kurse könne ein Krippenverein Einnahmen generieren. Die fielen heuer aber komplett weg. Den Ichenhauser Krippenfreunden gehe es noch ganz gut, andere Vereine hätten schon Zahlungsprobleme. Es sei ein Glück, dass die Ichenhauser heuer keine Ausstellung geplant hatten. Man verfolge den „Vierer und Neuner-Jahres-Rhythmus“, sodass die nächste große Ausstellung erst wieder für 2014 vorgesehen sei.

Für Schnitzkurse hätte Metz genügend Anmeldungen gehabt, einen Erwachsenen- und zwei Kinderkurse hätte er locker füllen können. „Aber da wären sich die Leute in unserer Werkstatt mehr oder weniger auf den Füßen gestanden, das war unmöglich.“ Über ein Online-Angebot hat er gar nicht erst nachgedacht, „das bringt nichts“. Am besten sei es einfach, direkt am Objekt zu zeigen.

Es gibt genug Arbeit, aber die Treffen der Vereinsmitglieder fehlen

Über mangelnde Arbeit kann er sich selbst zwar nicht beklagen – erst hat er einen Krippenberg für den Landkreis Günzburg gebaut, jetzt arbeitet er an einer Krippe für die Pfaffenhofer Kirche, danach muss er noch einen Stall für einen Kollegen bauen.

Und trotzdem fehle ihm etwas. Die Kurse und sonst regelmäßige Treffen mit Mitgliedern gingen ihm ab, ein paar „Hoigarta“ hätten im Herbst zwar noch stattgefunden, aber nur mit großem Abstand. Metz hofft jetzt auf das nächste Jahr, eine grobe Planung hat er schon im Kopf. Vielleicht sei es ja möglich, im Frühjahr den ersten Kurs abzuhalten. Er ist überzeugt, dass das Interesse an Krippen nicht nachlassen wird. Der ehemalige Vereinsvorsitzende habe ihm immer eingebläut: „Wenn es den Leuten schlecht geht, wissen sie, was a Kripple ist.“

Krumbacher Heimatmuseum stellt am 26. Dezember Krippen auf der Homepage aus

Ein Konzept, wie das Krippenschauen 2020 im Krumbacher Heimatmuseum trotz Corona hätte stattfinden können, hatte Museumsleiterin Anita Roth bereits erarbeitet. Doch die im Herbst steigenden Infektionszahlen und die sich immer weiter verschärfenden Gegenmaßnahmen machten alle noch vor ein paar Wochen überzeugenden Konzepte hinfällig.

Das traditionelle Krippenschauen im Heimatmuseum kann nicht stattfinden. Anita Roth versteht die Enttäuschung der Krippenfreunde, und der Wunsch, das Krippenschauen 2020 doch noch irgendwie zu retten, ließ sie nicht mehr los. Sie wird ab dem 26. Dezember Tag für Tag bis Maria Lichtmess eine Krippe, die bei einem früheren Krippenschauen ausgestellt war, auf der Homepage des Museums vorstellen. Nach und nach werden Interessierte dort also eine Fülle von Krippen, versehen jeweils mit Erläuterungen, betrachten können. Die für die diesjährige Weihnachtszeit geplante Ausstellung unter dem Motto „Krippen in ihrer Vielfalt - Gestern und Heute“ wird im nächsten Jahr stattfinden. (mit hli)

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