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Günzburg

22.01.2020

Für sie kommt Frankreichs Generalkonsul nach Günzburg

Die 17-jährige Jana Hitzler aus Mönstetten ist ein echtes Sprachentalent. Nach dem Abi im Sommer, das sie unter anderem in Französisch schreibt, geht sie für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Peru, um dort Englisch zu unterrichten.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Die 17-jährige Jana Hitzler aus Mönstetten erhält für ihre Noten und ihr Engagement über den Unterricht hinaus einen besonderen Preis der französischen Republik.

Mousse au chocolat, Petits fours oder Crème brûlée – wenn Jana Hitzler von den süßen Sünden der französischen Küche erzählt, leuchten ihre Augen auf. „Das Essen in Frankreich ist toll“, schwärmt die 17-Jährige aus Mönstetten, die die zwölfte Klasse des Maria-Ward-Gymnasiums in Günzburg besucht. Aber nicht für französische Leckereien, sondern für ihre sehr guten Noten in dem Schulfach und ihren Einsatz für die Verbreitung der Sprache und Kultur Frankreichs über den Unterricht hinaus erhält die Schülerin nun zwei Auszeichnungen: den Französisch-Preis des Katholischen Schulwerks in Bayern und den Besonderen Preis des französischen Generalkonsuls.

Damit gerechnet habe sie allerdings nicht, da sie für die Bewerbung nicht viel machen musste. Neben ihren Zeugnissen der letzten beiden Schuljahre reichte Jana nur einen kurzen Bericht über das Projekt des P-Seminars Französisch im letzten Schuljahr ein: Fünf Schüler haben drei Unterrichtsstunden für Grundschüler gestaltet, die so Kenntnisse über Frankreich und die Sprache spielerisch lernten.

Französisch-Vokabeln lernen ist für Jana ein Hobby

„Das haben wir für je zwölf Klassen gemacht. Ich war für die Farben zuständig“, sagt die Abiturientin. Ihre Französischlehrerin Ortrud Herold-Lurz hat davon ein Minivideo sowie Fotos gemacht und diese miteingeschickt. „Jana hat eine Begabung für Sprachen, sie ist ein Glückskind“, erklärt Herold-Lurz, die die Initiatorin für die Bewerbung war.

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Was für andere eine Qual ist, ist für Jana eine Art Hobby: „Vokabeln lernen ist entspannend.“ Ansonsten mache sie für die Schule wenig, sei eher faul. „Im Unterricht aufpassen, mitmachen und zu Hause kurz durchlesen reicht.“ Das scheint zu klappen, denn auch in anderen Fächern sei die Gymnasiastin eine sehr gute Schülerin, weiß Direktor Christian Hörtrich, der Jana in der sechsten Klasse in Deutsch hatte. Er sei sehr stolz, dass sie die beiden Preise erhält. Als neusprachliches Gymnasium sei es schön, so eine Rückmeldung zu bekommen.

Jana will Jura auf Deutsch und Französisch studieren

Neben der 17-Jährigen bekommt noch eine Schülerin der Maria-Ward-Realschule Traunstein-Sparz den Französisch-Preis des Katholischen Schulwerks in Bayern, der bereits zum siebten Mal verliehen wird – der Zusatzpreis des Generalkonsuls hingegen erst zum dritten Mal. „112 Realschulen und Gymnasien konnten bayernweit Bewerber der neunten beziehungsweise elften Klasse vorschlagen“, sagt Hörtrich. Mit Jana als Schülerin habe sich das Maria-Ward-Gymnasium erstmalig getraut. „Schüler mit sehr guten Leistungen gibt es häufiger. Aber das zusätzliche Engagement ist die Crux“, erklärt Herold-Lurz.

Nach ihrem Abitur im Sommer geht Jana für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Peru, um dort Kindern Englisch beizubringen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Nach ihrem Abitur diesen Sommer, das sie schriftlich auch in Französisch ablegen wird, bleibt die 17-Jährige den Sprachen treu. Für ein Freiwilliges Soziales Jahr geht sie nach Peru, um dort Kindern Englisch beizubringen. Danach will Jana Jura studieren, einen Doppelstudiengang auf Deutsch und Französisch mit zwei Abschlüssen.

Jana ist Mitinitiatorin der Fridays for Future-Regionalgruppe in Günzburg

Dadurch wäre sie auch öfter in Frankreich und könnte die Kultur (vor allem der 1920er Jahre), die Geschichte (Revolution) und Musik (Edith Piaf) besser kennenlernen. Bisher kennt Jana das Nachbarland nämlich nur von einem zehntägigen Schüleraustausch nach Paris, zwei Besuchen des EU-Parlaments in Straßburg und der Abifahrt in die Provence. Und nach dem Studium? „Der diplomatisch Dienst reizt mich.“

Jana Hitzler, 17, führte 2019 öfters Kundgebungen der Fridays for Future-Regionalgruppe in der Günzburger Altstadt an.
Bild: Oliver Wolff

In ihrer Freizeit spielt die 17-Jährige Klavier, liest gerne – auch französische, historische und politische Bücher – oder geht demonstrieren. Denn als Mitinitiatorin der Fridays for Future-Regionalgruppe in Günzburg steht sie aktiv für den Klimaschutz ein. „Seit zweieinhalb Jahren bin ich Vegetarierin. Auf Palmöl verzichte ich auch und Milch und Joghurt kaufe ich im Glas.“

Die Franzosen gehen auf die Straße - das imponiert Jana

Nur das Auto sei so eine Sache: „Ich komme vom Dorf. Nachmittags ohne Auto wohin zu kommen, ist schwierig.“ Deshalb fordert die 17-Jährige einen besseren öffentlichen Personennahverkehr. Derzeit plant sie die nächste Demo am Freitag, 7. Februar, in Günzburg. Auch ihre jüngere Schwester, die in die neunte Klasse des Maria-Ward-Gymnasiums geht, kommt regelmäßig zu den Demos.

Auch in Günzburg formierten sich Schüler, um gegen die Klimaverschmutzung zu protestieren.
Bild: Bernhard Weizenegger

Sich politisch engagieren, will Jana auch in Zukunft. Gerade die Franzosen imponieren ihr. „Wenn ihnen was nicht passt, gehen sie auf die Straße. Das ist eine gute Einstellung. In Deutschland ist das nicht so.“ Aber nur so würde der Staat wie im Fall der Fridays for Future-Bewegung zuhören und reagieren.

Jana muss eine Rede vor dem französischen Generalkonsul halten

Jetzt steht aber erst einmal die Preisverleihung am Montag, 27. Januar, im Maria-Ward-Gymnasium an, bei der Jana eine Urkunde und Geld erhält. Etwas nervös ist sie schon. Vor allem deshalb, weil sie eine kurze Rede auf Französisch halten muss, auch vor dem französischen Generalkonsul Pierre Lanapats. Darin spricht Jana etwa darüber, was sie an Frankreich mag. Französisches Essen zum Beispiel.

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