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Medizin

10.02.2015

Gedächtnis-Störungen: Vergesslichkeit im Alter ist nicht normal

Vergesslichkeit im Alter ist nicht normal. Am Bezirkskrankenhaus Günzburg werden in der Spezialsprechstunde für Gedächtnisstörungen die Ursachen für eine Demenz geklärt.
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Vergesslichkeit im Alter ist nicht normal. Am Bezirkskrankenhaus Günzburg werden in der Spezialsprechstunde für Gedächtnisstörungen die Ursachen für eine Demenz geklärt.
Bild: Hans Wiedl (dpa)

Am Bezirkskrankenhaus Günzburg gibt es eine Spezialsprechstunde für Gedächtnisstörungen. Warum sich ein Besuch lohnt, wenn das Gedächtnis nachlässt.

Universitätsprofessor Matthias W. Riepe ist Chefarzt der Abteilung Akutgeriatrie und Gerontopsychiatrie am Bezirkskrankenhaus (BKH) Günzburg und leitet außerdem die Sektion Gerontopsychiatrie an der Universität Ulm. Der 52-jährige gebürtige Dortmunder wurde unlängst in Ulm für weitere zwei Jahre zum Präsidenten eines europäischen Vereins von Gedächtnissprechstunden wiedergewählt. Darüber sprachen wir mit ihm.

Herr Professor Riepe, was ist das für ein Verein, dem Sie vorstehen?

Riepe: Er nennt sich European Memory Clinics Association, hat seinen Sitz in Ulm und umfasst etwa 150 Mitglieder, die überwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stammen. Memory Clinics ist der Fachbegriff für Gedächtnissprechstunden. Das sind Spezialsprechstunden, die besonders erfahren sind in der Diagnose und Behandlung von Gedächtnisstörungen und Demenzerkrankungen.

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Gibt es eine solche Gedächtnissprechstunde auch in Günzburg?

Riepe: Ja, eine solche ambulante Spezialsprechstunde mit besonderer Expertise bei der Diagnose und Therapie von Gedächtnisstörungen und Demenzerkrankungen gibt es auch in der Klinik für Psychiatrie in Günzburg und – weil wir als Teil der Psychiatrie II auch zur Universität Ulm gehören – auch im Rahmen der gerontopsychatrischen Hochschulambulanz in Ulm. Beim telefonischen Kontakt reicht es, nach der „Gedächtnissprechstunde“ oder der „Demenzambulanz“ zu fragen.

Wer kann da hingehen?

Riepe: Jeder, der bei sich feststellt, dass die Gedächtnisleistung im Alter nachgelassen hat. Zum Beispiel ist eine Untersuchung sinnvoll, wenn man häufiger als zuvor Dinge verlegt, sich an Termine nicht mehr erinnert oder einfach Zahlen, Namen oder Fakten schneller vergisst. Auch mit zunehmendem Alter ist das nicht normal und muss untersucht werden. Selbstverständlich können auch niedergelassene Fach- und Hausärzte zur Abklärung von Gedächtnisstörungen oder bei Demenzverdacht in die Sprechstunde einweisen.

Hinter jeder Demenz steckt eine Krankheit

Was erwartet die Patienten in der Gedächtnissprechstunde?

Riepe: Zunächst einmal eine ärztliche psychiatrische und neurologische Untersuchung. In aller Regel kommen Blutuntersuchungen und eine Computer- oder Kernspintomografie des Gehirns hinzu. Die weiteren Untersuchungen richten sich dann nach den Symptomen. Sie finden in aller Regel ambulant statt.

Was sind denn häufige Ursachen von Gedächtnisstörungen?

Riepe: Die häufigste Ursache ist sicher die Alzheimer-Erkrankung. Wir können mit unseren Verfahren die Diagnose dieser Erkrankung stellen, selbst wenn noch keine Demenz, also keine schwerwiegende Beeinträchtigung im Alltag mit dem Nebeneinander einer Vielzahl von Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit vorliegt. Gedächtnisstörungen ab etwa Mitte 50 können aber auch bei Depressionen und Stoffwechselstörungen auftreten.

Am Bezirkskrankenhaus Günzburg gibt es eine Spezialsprechstunde für Gedächtnisstörungen. Universitätsprofessor Matthias W. Riepe ist für sie verantwortlich.
Bild: Georg Schalk

Wie oft ist eine Demenz selbst Ursache für ein nachlassendes Gedächtnis?

Riepe: Eine Demenz bezeichnet verschiedene Symptome. Sie ist nicht die Krankheit selbst. Hinter jeder Demenz steckt eine Krankheit, die wir herausfinden wollen und dann behandeln können.

Gilt Demenz nicht als unheilbar?

Riepe: Fast jede Krankheit, die hinter einer Demenz steckt, kann zumindest in irgendeiner Weise positiv beeinflusst werden. Wir haben hier auch die Möglichkeit, Medikamente zu erproben, die ganz neu sind. Dazu braucht es natürlich Vertrauen und Offenheit bei den Patienten.

Sind denn Gedächtnisstörungen nicht ganz normal?

Riepe: Das wissen wir inzwischen besser. Gedächtnisstörungen mit zunehmendem Alter sind nicht normal – sie sind nur sehr häufig. Gedächtnisstörungen im Alter sind etwa so häufig wie ein erhöhter Blutdruck im Alter. Und beides sollte früh und konsequent behandelt werden.

Wie viele Patienten pro Jahr besuchen die Gedächtnissprechstunde?

Riepe: Etwa 250, und das konstant. Sie kommen von überall her. Das Angebot richtet sich vorwiegend an Menschen ab Mitte 50.

Seit wann gibt es dieses Angebot in Günzburg?

Riepe: Seit ich hier bin, also seit 2008.

Wo findet diese Gedächtnissprechstunde statt?

Riepe: In den Räumen der Psychiatrischen Klinik auf dem Gelände des BKH. Die Anmeldung zur Abklärung von Gedächtnisstörungen kann telefonisch unter zwei Nummern erfolgen: 08221/96-28845 (Ilse Keller) oder 08221/96-2355 (Stefanie Vrba).

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