Newsticker

Börsengang des Tübinger Biotechunternehmens CureVac erwartet
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Gedanklich steht das neue Rathaus schon

Umbau

01.12.2016

Gedanklich steht das neue Rathaus schon

Den Komplex aus Jettinger Rathaus, Schrader- und Zeinerhaus wird es so bald nicht mehr geben. Bis 2018 soll ein neues Ensemble entstehen.
2 Bilder
Den Komplex aus Jettinger Rathaus, Schrader- und Zeinerhaus wird es so bald nicht mehr geben. Bis 2018 soll ein neues Ensemble entstehen.
Bild: Architekturbüro Numrich Albrecht Klumpp

Der siegreiche Architekt stellt im Jettinger Gemeinderat seine Pläne vor. Bis auf wenige Details können sich alle damit anfreunden. Wie es jetzt weitergeht.

Der nächste Schritt für den Umbau des Rathauses ist gemacht: Der Jettinger Gemeinderat hat sich nach längeren Debatten hinter verschlossenen Türen dann auch in der öffentlichen Sitzung einstimmig dafür entschieden, die Entwürfe des Architekten, der den Wettbewerb gewonnen hatte (wir berichteten) weiterzuverfolgen. Arthur Numrich, der extra aus Berlin angereist war, stellte dem Gremium seine Pläne vor und betonte: „Es muss richtig gut werden, das liegt uns am Herzen.“ Geht es nach Bürgermeister Hans Reichhart, soll im nächsten Jahr mit dem Umbau und der Erweiterung begonnen werden, 2018 soll alles bezugsfertig sein.

Reichhart betonte, dass die Gemeinde, die erstmals in ihrer Geschichte einen Wettbewerb, ausgeschrieben habe, genau den richtigen Weg gegangen sei. „Überall stoße ich auf große Zustimmung.“ Er selbst habe es als große Bereicherung empfunden. Schließlich sei es auch ein herausragendes Projekt für die Gemeinde, das eine „Initialzündung“ für die Stadtsanierung sein soll. Und es sei nicht leicht umzusetzen, da beim Umbau vieles bedacht werden müsse: Es handelt sich beim Rathaus um ein denkmalgeschütztes Gebäude, das Schraderhaus, das die Gemeinde dazu erwarb, muss abgerissen werden, darf beim Neubau aber nicht zum Mittelpunkt werden, „das Rathaus darf nicht zum Nebenbau werden“. Der Komplex soll behindertengerecht und vom Bau her bürgerfreundlich sein, soll sich harmonisch in den Ort einfügen, aber trotzdem modern sein. Von den teilnehmenden Architekten hatten sich die Räte zudem Ideen erhofft, wie das alte Zeinerhaus in den Umbau integriert werden könnte. Reichhart war wichtig, dass die Papierentwürfe „mit und ohne Zeinerhaus“ umgesetzt werden können. Wobei er selbst bis zur Siegerverkündung das Traditionsgebäude „mit Klauen und Zähnen“ verteidigt hätte, aber er sei eines Besseren belehrt worden.

Und das ausgerechnet von einem Berliner, wie Reichhart scherzhaft anmerkte. Denn Arthur Numrich, der vom Preisgericht einstimmig den Zuschlag bekommen hatte, hat sein Büro in der Hauptstadt. Reichhart gab zu, skeptisch gewesen zu sein. Dass Numrich jedoch seine Wurzeln in Bayern hat, in Landshut geboren sei und in Passau seine Maurerlehre gemacht habe, sei durchaus ein Pluspunkt gewesen. Reichhart habe schnell gemerkt, dass der Architekt kein kleines Licht sei. Denn wie Numrich selbst in der Sitzung anmerkte, hat sein Büro, das aus 25 Architekten besteht, schon viele Preise eingeheimst und seine Aufträge überwiegend über Wettbewerbe akquiriert. Das Jettinger Projekt sei kein riesiges, „es ist klein und fein“ und müsse dafür umso sensibler angegangen werden. Bereits im Rahmen des Wettbewerbs hat sich der Architekt vor Ort ein Bild gemacht und eine „besondere Struktur“ festgestellt. Typisch für die Marktgemeinde seien giebelständige Langhäuser, eine beeindruckende Kirche und ein imposantes Rathaus, „das gewissen Respekt verdient“. All das sowie ein großer Platz im Zentrum, den es in der Historie gegeben habe, hätten ihn inspiriert. In seinen Plänen sollen Erweiterungsbau und Rathaus eine Linie bilden, bisher springe das Schraderhaus hervor. Außerdem müsse eine Höhendifferenz von circa 1.40 Meter überwunden werden.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

In einem ersten Bauabschnitt will Numrich ein lang gestrecktes Ensemble erstellen, mit einer eher konischen Zuspitzung, angepasst an das Ortsbild. Ein Schrägdach sei dafür unumgänglich. Beide Häuser sollen durch eine Treppe verbunden werden, im Erdgeschoss des Erweiterungsbaus ist ein Veranstaltungsraum geplant, im Untergeschoss soll das Archiv untergebracht werden, im ersten Obergeschoss sind Sozialräume und Büroflächen zu finden, ganz oben das Standesamt. In einem zweiten Schritt könnte das Zeinerhaus abgerissen werden. Wie Numrich erklärte, würde sich dadurch die Möglichkeit ergeben, einen großen Platz zu schaffen. „Es würde den Stadtkern stärken.“ Außerdem würden sich völlig neue Blickwinkel zwischen Rathaus und Kirche ergeben, „das Kirchliche und Weltliche würden zusammenkommen“. Numrich denkt auch an ein Kulturhaus mit Ausstellungsflächen und sogar ein Café.

Aber das ist noch Zukunftsmusik. Bürgermeister Reichhart betonte, dass dieser Entwurf der Gemeinde Luft und Zeit für Ideen lasse. Vier oder fünf Jahre müsse man schon rechnen. In der jüngsten Sitzung wurde über anderes debattiert: Wo soll der künftige Aufzug hin, wie soll das Treppenhaus aussehen? Nicht so gut gefiel CSU-Rat Raimund Strobl der Plan, dass die Fassade des Erweiterungsbaus zur Straßenseite hin ohne Fenster bleiben soll. Die Fläche erschien ihm zu groß und zu leer. Numrich, der der Rathausfassade mit seinen vielen Fenstern und Fensterläden bewusst eine ruhige Fläche entgegensetzen wollte, bot prompt eine zweite Alternative mit Fenstern im ersten Obergeschoss an. Möglich sei auch eine arkadenartige Öffnung im Erdgeschoss. Lob bekam Numrich von Hans Reichhardt (FW), der es toll fand, dass sich das Büro nach dem Wettbewerb nicht auf seinen Lorbeeren ausgeruht, sondern weitergearbeitet habe.

Am Ende waren sich die Räte einig, dass das Berliner Büro den Entwurf weiterverfolgen soll. Zudem wurde die Anregung aufgegriffen, dass sich künftig nicht immer der gesamte Rat mit jedem Detail befassen soll, sondern ein achtköpfiges Komitee, das auch schon im Vorfeld zusammengearbeitet hatte.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren