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Zusammenschluss

03.09.2013

„Gemeinsam sind wir stärker“

Schon seit 1997 haben die Sudetendeutschen Landsmannschaften von Großkötz und Kleinkötz eine gemeinsame Standarte. Im Frühling haben sich die beiden jeweils 1955 gegründeten Vereine zur Sudetendeutschen Landsmannschaft Kötz unter Führung von Ingeborg Amiridse, Michael Dörner und Wolfgang Stolle (nicht auf dem Bild) zusammengeschlossen.
Bild: Irmgard Lorenz

Sudetendeutsche Landsmannschaften von Klein- und Großkötz fusionierten

Kötz Mit einer gemeinsamen Weihnachtsfeier vor ein paar Jahren hat es begonnen, dann kamen Kaffeenachmittage und Ausflüge dazu und schließlich war den Sudetendeutschen Landsmannschaften (SL) von Kleinkötz und Großkötz klar: Gemeinsam sind wir stärker. Die beiden Vereine fusionierten im Frühjahr, zusammen hat man jetzt rund 65 Mitglieder, davon knapp zwei Drittel aus Großkötz und ein Drittel aus Kleinkötz.

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Es ist wie in so vielen Vereinen. „Auch die Landsmannschaft kämpft um Mitglieder“, sagt der Großkötzer Michael Dörner, der seit 1994 Kreisobmann der Sudetendeutschen ist und jetzt als zweiter Vorsitzender zusammen mit der Kleinkötzerin Ingeborg Amiridse (1. Vorsitzende) den Kötzer Verein leitet, „Wir brauchen nicht zwei Landsmannschaften.“ Das jüngste Vereinsmitglied ist Jahrgang 1984, die beiden Ältesten sind jeweils 90 Jahre.

Erinnerung an die jüngere Generation wachhalten

„Gemeinsam sind wir stärker“

Dabei betrachten Dörner (52) und Amiridse (64) den Verein nicht nur als Angelegenheit für die Heimatvertriebenen. Die Erinnerung an deren Schicksal wachzuhalten und weiterzugeben an die jüngere Generation, das ist ihnen wichtig. „Es war ein Verbrechen“, sagt Dörner über die Vertreibung. Der aus Rumänien stammende 52-Jährige selber hat dieses Schicksal nicht erlitten, Ingeborg Amiridse ist 1948 geboren, zwei Jahre nach der Vertreibung ihrer Eltern. Es habe sie immer interessiert, wenn Mutter und Vater aus der alten Heimat erzählten, sagt sie, und nun ist es ihr wie auch Dörner ein Anliegen, Kultur und Brauchtum an die Jüngeren weiter zu geben.

Dazu gehört, dass die Sudetendeutsche Landsmannschaft nach wie vor Bräuche wie den Kathreintanz, die Kaiser-Kirmes oder Erntedankfeste pflegt, auch Gedichte aus der alten Heimat werden bei Treffen gern vorgetragen. Manche Feste finden zusammen mit den Ortsvereinen von Leipheim und Günzburg statt, denn nicht nur in Großkötz und Kleinkötz schrumpfen die Landsmannschaften.

Dennoch wollen die Kötzer auch ihre eigene Identität pflegen. Und so bekommt die Fahnenabordnung, zwei Frauen und fünf Männer, eine einheitliche Halbtracht. Zu schwarzen Hosen werden dann rotbraune Jacken mit eingesticktem Wappen und einer Weste getragen. „Das war ein jahrelanger Wunsch“, sagt Ingeborg Amiridse, bei Beerdigungen, Gedenktagen oder bei der Fronleichnamsprozession die Gemeinsamkeit mit der Tracht auch nach außen hin zu demonstrieren.

In Kleinkötz sorgen die Sudetendeutschen abwechselnd mit dem Kleingartenverein – der hinsichtlich der Mitglieder fast mit der SL identisch ist – für den Blumenschmuck am Maibaum. Außerdem, so sagt Dörner stolz, kümmere man sich um das Begrüßungsschild an der Großkötzer Ortseinfahrt aus Richtung Oxenbronn. Im vergangenen Jahr haben die Kötzer außerdem die Pflege der Gedenkstätte bei der Wallfahrtskirche Allerheiligen übernommen und freuen sich, dass der jährliche Gedenktag am letzten Sonntag des Juli wachsenden Zulauf findet. Sie kümmern sich um das Steinkreuz und den Blumenschmuck und haben vor, den Holzbelag am Platz an der Gedenkstätte durch Pflaster zu ersetzen.

Damit die Sudetendeutsche Landsmannschaft Kötz auch in Zukunft bestehen kann, wird auf Vorschlag des dritten Vorsitzenden Dr. Wolfgang Stolle über eine Partnerschaft mit Jugendlichen nachgedacht. Auch der Zusammenschluss der beiden Ortsvereine von Großkötz und Kleinkötz soll ein Schritt in eine lebendige Zukunft sein. Dass die Idee zur Fusion im vergangenen Jahr auf fruchtbaren Boden gefallen ist, freut die Vereinsvorsitzenden. „Das Echo war sehr positiv“, sagt Michael Dörner, „es hat keine einzige Gegenstimme gegeben.“

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