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Mountainbike

21.03.2021

Georg Egger stürzt beim Heimrennen in Obergessertshausen

Der Wettkampftag in Obergessertshausen endet schmerzhaft für Lokalmatador Georg Egger. Er stürzt bei extrem schwierigen Bedingungen im Gelände.
Foto: Armin Küstenbrück

Plus Das Cross-Country-Rennen wird für alle Profis zur Frage der Einstellung. Die Sieger kommen aus Dänemark. Als Gewinner dürfen sich aber auch andere fühlen.

Nach einer elenden Plackerei über weit mehr als eine Stunde hatte Georg Egger den angepeilten Platz unter den besten zehn Fahrern bereits in Sichtweite. Plötzlich, in der letzten Runde des Mountainbike-Bundesligarennens in Obergessertshausen, passierte es: Nach einem Fahrfehler geriet der Lokalmatador in einem ungünstigen Winkel auf ein Steinfeld im Wald, rutschte weg und stürzte.

Cut am Auge wird genäht

Von der Schaltung seines Sportgeräts platzte sofort ein Stück ab; an ein Weiterfahren war nicht zu denken. Und weil es ihn eben direkt auf die Steine legte, trug Egger auch noch eine blutende Verletzung oberhalb des Auges davon. Der Cut wurde anschließend im Krankenhaus in Krumbach genäht. Am Abend dieses 21. März 2021 konnte Egger schon wieder sagen: „Im Endeffekt hat das Rennen Spaß gemacht.“

Dabei war Egger nach eigener Einschätzung „mega-schlecht“ vom Start weggekommen. Zwischenzeitlich durfte er dann auf seine gute Form vertrauen und kämpfte sich so Position um Position nach vorne. Mehr und mehr machten ihm jedoch die verrückten Bedingungen auf seiner Hausstrecke zu schaffen. Ein paar Schneeflocken geisterten durch die Luft, ein bisschen windig war es obendrein, schmierig, furchig und elend tief präsentierte sich das Gelände. Stellenweise schlitterten die Profis mehr als sie fuhren und so etwas schmeckt dem Obergessertshauser nicht wirklich.

In Krumbach war Egger noch super drauf

Einen Tag zuvor, beim Auftakt in Krumbach, war der 25-Jährige noch überaus zufrieden gewesen. In der sonnenüberfluteten Altstadt wusste er auf trockenem Untergrund zu glänzen und fuhr in einem Weltklasse-Feld auf den vierten Platz.

Schneeflocken begleiten den Triumph der Dänin Caroline Bohe. Sie gewinnt am Sonntag das überaus anstrengende Cross-Country-Rennen in Obergessertshausen.
Foto: Armin Küstenbrück

Auch aus Sicht seines Bruders Andreas Egger hätte der Sonntag wirklich besser laufen können. Gewertet wurde er als 46. unter 133 Gestarteten. Darüber wollte er nicht meckern, zumal ihn gleich die erste Runde von insgesamt fünf piesackte. „Wenn man zum ersten Mal im Jahr so intensiv fährt und dann bei dieser Kälte, merkt man das. Ich hatte schon ziemlich früh Luftprobleme, aber danach ging es gut voran.“ Auf dieser Vorstellung, meinte Andreas Egger, könne er für den weiteren Saisonverlauf aufbauen.

Gut getan hätte den Egger-Brüdern sicher ein bisschen Heimspiel-Atmosphäre. Zuschauer jedoch waren bekanntlich nicht zugelassen.

Ein sehenswerter Sport

Was in jeder Hinsicht schade ist, denn Mountainbike ist ein harter, ehrlicher, unbedingt sehenswerter Sport. Das Rennen in Obergessertshausen wurde unter anderem zu einer Frage der Einstellung. Und der Fahrtechnik. Undenkbar, auf der am Ortsrand über Wiesen und durch den Wald führenden Piste auch nur mal für einen Moment die Beine hochzunehmen. Anderthalb Stunden lang mussten die Sportler pausenlos treten, treten, treten.

Selbst die Besten schieben ihr Rad

Ungewöhnlich genug: Selbst die Allerbesten, allen voran die amtierenden Weltmeister Pauline Ferrand-Prevot und Jordan Sarrou aus Frankreich, betrieben praktisch von der ersten Runde weg auf einem ekligen Bergauf-Stück über die Wiese Mountainwalken statt Mountainbiken, sie schoben ihr Sportgerät also den Hügel hinauf.

Wenig verwunderlich setzten sich am Ende Fahrer durch, die Experten bereits auf Vorfeld auf dem Zettel gehabt hatten. Bei den Frauen gewann Caroline Bohe. Es war womöglich sogar ihr erster Erfolg in einem internationalen C1-Rennen, so ganz genau erinnerte sich die ebenso überglückliche wie völlig verausgabte Dänin im ersten Moment nach der Zieldurchfahrt nicht. Auch der Sieger bei den Männern kam aus Dänemark: Sebastian Fini. Er gilt als einer, der den Matsch liebt. Entsprechend souverän war sein Auftritt.

Keine Zuschauer erlaubt

Einen Tag zuvor war Krumbach der denkbar geeignetste Austragungsort für das Shorttrack-Rennen. Die Altstadt mit ihren engen Gassen und vielen Ecken, dem von Fahrrinnen gezeichneten Kopfsteinpflaster, den beiden spektakulären Treppenabfahrten bei der Stadtpfarrkirche St. Michael und dem damit kontrastierenden, lauschigen Stadtpark eignet sich einfach wunderbar für ein derartiges Schauspiel. Jammerschade, dass die Fans natürlich auch hier aufgrund der Corona-Vorgaben ausgeschlossen waren. Wobei „keine Zuschauer“ nicht bedeutete, dass die Stadt an diesem Samstagnachmittag menschenleer gewesen wäre. Viele Spaziergänger waren unterwegs und einige von ihnen blieben auch mal kurz stehen, wenn die Könner an ihnen vorbei heizten. Einsatzleiter Claus Schedel von der Polizei in Krumbach boten diese Verstößchen gegen das Zuschauerverbot verständlicher Weise keinen Grund zum Einschreiten. „Alle verhielten sich vernünftig, alle trugen eine Maske“, urteilte er.

Ein bestens aufgelegtes Helferteam

Wären Gäste an der Strecke gewesen, hätten sie außer großartigem Sport auch jederzeit hilfsbereite und bestens aufgelegte ehrenamtliche Helfer des örtlichen Veranstalters MSC Wiesenbach angetroffen. Etwa 60 Radsportfreunde waren dabei, opferten ihr freies Wochenende für den Verein. Mitten unter ihnen, in der Nähe der Start-Ziel-Linie, bewegte sich Janie Schulz den Nachmittag über stets mit der wandernden Sonne, um etwas Wärme abzubekommen. Die Frau aus Neuburg hält es selbst eher mit dem Motocross-Fahren, aber auch dafür bietet der MSC den Sportlern in der Region eine Heimat. Auf die Frage nach ihrer Motivation musste sie nicht nachdenken: „Es ist ein toller Verein. Alle helfen zusammen.“

Anton Sieber bedankt sich

Genau diesen Sachverhalt bestätigte im Rückblick Anton Sieber. Der Vorsitzende des MSC Wiesenbach freute sich riesig, dass organisatorisch wirklich alles wie am Schnürchen geklappt hatte. Und er bekräftigte auch, dass er lauter Sieger in seinem Helferteam habe. „Ich kann mich nur bei allen tausend Mal bedanken. Das ist toll, wie die Leute das machen.“

Übrigens: Nach Siebers Angaben wurden vor Ort 150 Corona-Schnelltests abgenommen. Keiner war positiv.

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