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16.03.2014

Geprägt von den Wendungen der Geschichte

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10 Bilder
Ein Leben geprägt von den Wendungen und Abgründen der deutschen Geschichte: Unser im Jahr 2009 entstandenes Foto zeigt Alfred Hennings in seinem Krumbacher Atelier. Im Hintergrund sind Aquarelle zu sehen, die während des Krieges im Osten entstanden sind: Ein Kamerad, der in den letzten Kriegstagen fiel (links), und ein rumänischer Bauer (1944).
Bild: Peter Bauer

Der Künstler und Grafiker Alfred Hennings ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Mit seinem Werk hat der Krumbacher bleibende Akzente gesetzt

Kunstnacht, November 2013. Alfred Hennings hat wieder sein Atelier geöffnet. Charmant und geduldig gleichermaßen gibt er Auskunft über sein umfangreiches, in vielen Jahrzehnten entstandenes Werk. Was in diesem Augenblick niemand ahnt: Es ist Hennings’ letzte große öffentliche Aktion als Künstler. Im Alter von 94 Jahren ist Alfred Hennings jetzt gestorben. Damit fand ein Leben sein Ende, das beispielhaft für die Wendungen der deutschen Geschichte steht. Auch dafür, was Menschen in extremen Lebenssituationen leisten können. Alfred Hennigs ist am 25. Oktober 1919 in Magdeburg geboren. Er hat drei ältere Brüder und eine ältere Schwester. Einer der Brüder fällt im Krieg, seine Eltern sterben kurz vor Kriegsende 1945 bei einem Bombenangriff. Hennings hatte bereits zwei Semester an der Magdeburger Meisterschule für angewandte Kunst studiert, als er 1939 eingezogen wird. Sechs Jahre ist er (lange bei einer Jägerdivision) Soldat, er ist im Westen eingesetzt, jahrelang erlebt er das Grauen des Ostkrieges. Im Mai 1945 wird er in der Tschechoslowakei unweit der Moldau von Rotarmisten gefangen genommen. Rund viereinhalb Jahre ist er Kriegsgefangener. Er kehrt 1949 in ein Magdeburg zurück, das inzwischen hinter dem Eisernen Vorhang liegt.

Hennings flieht im Dezember 1949 in den Westen. Bei seinem ehemaligen Kriegskameraden Wilhelm Tiemeyer in Minden/Westfalen findet er eine vorläufige Bleibe. Tiemeyer war Holzbildhauermeister, Hennings absolviert bei ihm eine dreijährige Lehre als Holzbildhauer. In Minden lernt er seine spätere Frau Margaretha kennen, die aus Westerlo bei Antwerpen stammt. Die beiden heiraten 1951. Später studiert Hennings an der königlichen Akademie in Mechelen (Belgien) und an der Fachhochschule Bielefeld. Er schließt das Studium als Diplomdesigner ab. 1958 bis 1964 ist Hennings Leiter des Designateliers der Melitta-Werke. 1963 wird Sohn Joris geboren.

1964 kommt er nach Krumbach. Er arbeitet als Grafiker und Kunsterzieher – unter anderem an der Krumbacher Fachoberschule, dem Krumbacher Gymnasium und der Berufsfachschule für Ergotherapie in Günzburg sowie als Dozent für die Krumbacher Volkshochschule. Durch zahlreiche Ausstellungen wird das künstlerische Werk von Hennings einem breiten Publikum bekannt. Als Designer, Gestalter, Maler und Illustrator schafft Hennings ein umfangreiches Werk. Die Themen Licht, Mensch, Form und Farbe ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Arbeit.

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2009 wird sein Lebenswerk in einer großen Ausstellung im Mittelschwäbischen Heimatmuseum gewürdigt. In einem großen Interview gibt er 2009 Einblicke in die Stationen seines wechselvollen Lebens.

Vom Krieg bis hin zur massiven Bedrohung der Umwelt greift Hennings immer wieder heikle Themen auf. Wohl auch das unterscheidet seine Arbeit von der mitunter aalglatten Kunst der Gegenwart. Auch das wird bleiben, über seinen Tod hinaus.

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