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Bühne

02.10.2013

Geschichten aus dem Leben

Die Allgäuer Mundart-Dichterinnen Johanna Hofbauer (links) und Waltraud Maier gastierten in der Burgauer Kapuzinerhalle.
Bild: Gah

Ein schwäbischer Mundartabend zum Gründungsjubiläum der Volkshochschule Burgau in der ausverkauften Kapuzinerhalle

Burgau Brechend voll war die Burgauer Kapuzinerhalle bei der zweiten Veranstaltung zum 60. Geburtstag der Volkshochschule Burgau. Auf Einladung der Volkshochschule und der Buchhandlung Pfob standen vier Allgäuer Originale bei einem schwäbischen Mundartabend auf der Bühne. „Wir hand dia gleiche guate Sprüch drauf“, so beschreibt Johanna Hofbauer, was sie mit ihrer Bühnenpartnerin Waltraud Maier verbindet. Die Mundart-Dichterinnen sind die erfolgreichsten Autoren des Franz-Brack-Verlags Altusried. Beide sind begabt darin, alltägliche Begebenheiten in lange, gedrechselte „Versepen“ zu verwandeln.

Das überwiegende Thema bei Waltraud Maier sind Ehescharmützel. Zum Beispiel als sie ihn zu einem Tanzkurs überredet: „All Tag fang i des Thema a, bis er´s nemme heara ka“. In der Tanzschule leistet er von Anfang an Widerstand. Er verweigert schon die Verbeugung und das „Darf ich bitten?“: „Verbeugung des gibt´s bei mir it, i han no allad her dau gsait“!

Und die große Verweigerung geht weiter. Auf der Tanzfläche bewegt er sich mit Absicht so langsam, dass sie nicht in Fahrt kommen kann. Der Mann der Nachbarin, der ebenfalls von seiner Frau zum Tanzkurs überredet wurde, wählt die gegenteilige Strategie: „Der Martä macht so groaße Schritt, da kommt dia Zenzl nemme mit.“

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Johanna Hofbauers Geschichten beginnen meist damit, dass sich die Heldin aus einer Verlegenheit heraus lavieren will. Aber dadurch kommt sie nur in eine immer größere Verlegenheit. Zum Beispiel im Gedicht vom Fronleichnamstag. Am Morgen des Feiertages sucht Hofbauers lyrisches Alter Ego auf dem kalten Dachboden, nur mit Unterhose und BH bekleidet, die Festtagshose auf der Wäscheleine, wird aber nicht fündig. Beim Verlassen des Dachbodens geschieht das Malheur: „I lang an d´ Türschnalla, will naus, do ziag i dia Schnalla raus. Dußa schepprat´s klarer Fall, do flackat jetzt die andr Schnall.“ Also ist sie eingesperrt, und die Familie ist für fünf Stunden aus dem Haus. Um auf dem Dachboden nicht zu frieren, zieht sie ein Affenkostüm aus der Faschingskiste an. Mit dem Affenkostüm klettert sie beim Dachfenster raus. In diesem Moment kommt die Fronleichnamsprozession am Haus vorbei: „Beim Nachbar, direkt neabadett, handse da Altar aufg´stellt ghett. Und i hock doba brettlesbreit in meim scheana Affakleid. A Rauna goht Reih na, Reih nauf, ond alla Leit, dia gaffat rauf.“

Hinter den Dichterinnen nicht zu verstecken brauchen sich die musikalischen Umrahmer des Abends: „Quetsche, Gitarr und a saubleeds Gschwätz“, das ist das Motto der Bärlauch Buaba. Seit 1999 stehen Marco Kustermann aus Durach (Akkordeon) und Matthias Heinz aus Lenzfried (Gitarre) zusammen auf der Bühne. Mit schmissigen Polkas und gemütlichen Walzerliedern behandeln sie Allgäuer Themen. Mit dem Walzer „Allgäu-Sehnsucht“ vertonen sie ein Gespräch zwischen einem Allgäuer Bauern und einem preußischen Feriengast: „Berge und Seen überall – keiner wärmer als fünf Grad“. Außer den Preißn kommen weitere Feinde der Allgäuer aus Württemberg. Mit der Schnellpolka „D´Schwoba send do“ werden die Stuttgarter Schwaben bedacht, die im Sommer und Winter ins Allgäu einfallen: „Ob Ochsahausa, Balinga oder Rottweil, ma kennt se glei am Gschrei“. Bei der Betrachtung sparen die Bärlauch Buaba nicht mit Selbstironie: „A jeder hat an rota Grent, weil wir dia allerschenschta send“ heißt es im Lied vom „wunderscheana Allgei“.

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