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Kötz

06.06.2019

Gibt es Gelbwesten-Protest gegen den neuen Bauhof?

Ein Demonstrant der «Gelbwesten» hat die Jahreszahlen «1789» und «2018» auf seine Weste geschrieben in Anlehnung an die Französische Revolution von 1789. Foto: Claude Paris/AP
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"Die Gelben Westen sind schon bestellt", hat ein Kötzer in der Sitzung des Gemeinderats in Anlehnung an die Proteste in Frankreich angekündigt. In der Gemeinde gibt es Widerstand gegen den Neubau eines Bauhofs.
Bild: Claude Paris/AP (dpa, Symbolfoto)

Gegen den Neubau des Bauhofs von Kötz gibt es eine Unterschriftenliste. Bürger im Ortsteil Kleinkötz sind gegen das Projekt. Jetzt hat der Gemeinderat erneut über das Thema diskutiert.

Wird Kleinkötz demnächst auch ein kleines bisschen Paris? Ist bald mit Gelbwesten-Protesten zu rechnen wie in Frankreich? Die Gemeinderäte hatten in ihrer Sitzung am Dienstag auf Antrag von Alois Gast über die Unterschriftenaktion gegen den Bauhof-Neubau beim Kleinkötzer Friedhof diskutiert, was gut ein Dutzend Zuhörer verfolgten. Ein Kleinkötzer Bürger, dem in der Sitzung – der Bayerischen Gemeindeordnung entsprechend – kein Rederecht eingeräumt worden ist, verließ jedenfalls den Saal mit der Ankündigung: „Die gelben Westen sind schon bestellt.“

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Der Bauhof braucht eine neue Bleibe

Die Gemeinde Kötz braucht dringend eine Unterkunft für ihren Bauhof. Die Lechwerke, wo der Bauhof eingemietet ist, haben laut Bürgermeister Ernst Walter schon 2017 gekündigt. „Die Zeit drängt“, sagte er. Mit Fachbehörden prüfte die Gemeinde fünf Grundstücke auf ihre Tauglichkeit, nur der Standort beim Friedhof hinter dem Kleinkötzer Feuerwehrhaus komme demnach in Frage, sagte Walter im Gemeinderat, deshalb habe man einen Bebauungsplan für das Areal aufgestellt. Die Gemeinde habe zudem ein hinterliegendes Grundstück mit etwa 3500 Quadratmetern gekauft.

Kleinkötzer Bürger sind gegen den Neubau

Kleinkötzer Bürgern jedoch passen die Pläne für den Neubau eines Bauhofs beim Friedhof nicht. Es sei „völlig deplatziert“ heißt es in dem Aufruf, zu dem 405 Unterschriften gesammelt worden sind. Lärm und Dreck störten die Friedhofsruhe, der innerörtliche Verkehr nehme zu, ein Bauhof gehöre nicht in den Ortskern, so lauten einige der Argumente. Das Grundstück hinter dem Feuerwehrhaus diene als Parkplatz und als Übungsgelände für die Feuerwehr, als Festplatz für die Vereine und nicht zuletzt als Spiel- und Bolzplatz. Die Bebauung wäre in den Augen der Bauhof-Gegener „eine unwiderrufliche Hypothek für die nächste Generation“.

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Bürgermeister Ernst Walter (rechts im weißen Hemd) konnte die Zuhörer überzeugen, dass ein Bauhof-Neubau beim Kleinkötzer Friedhof sinnvoll ist.
Bild: Lorenz

Auf Antrag des Kleinkötzer Gemeinderats Alois Gast wurde die Unterschriftenaktion zum Thema in der Gemeinderatssitzung, auf Antrag von 2. Bürgermeister Reinhard Uhl wurden aber Themen wie Flächenbedarf und Kosten eines Bauhof-Neubaus im nichtöffentlichen Sitzungsteil besprochen.

Der Gemeinderat will mit dem Bauhof nicht mehr in Miete gehen

Alois Gast wies mehrfach darauf hin, dass in Kleinkötz ein etwa 4800 Quadratmeter großes, passendes Grundstück mit Hallen und Büroräumen zur Miete ausgeschrieben sei. Allerdings haben die Gemeinderäte vor etwa einem Jahr beschlossen, mit dem Bauhof nicht mehr in Miete zu gehen. „Die Unterschriftenaktion kommt einen Tick zu spät“, sagte deshalb Michael Mairle. Bürgermeister Walter wies mehrfach auf den rechtsgültigen Bebauungsplan hin und darauf, dass die Anlieger auf ihren Grundstücken Baurecht haben.

Sollten sie davon Gebrauch machen, müsse die Gemeinde eine Erschließungsstraße bauen, so Walter, „dann ist ein Großteil der Fläche weg.“ Er versicherte, dass der Bolz-und Spielplatz bleiben sollen, sagte aber auch, dass man das Grundstück für den Bauhof „nicht aus der hohlen Hand raugesucht habe.“ Gemeinderat Norbert Ritter wies darauf hin, dass in den Grundstücken, die der Gemeinde gehören, Kapital stecke und man die Flächen deshalb auch nutzen müsse. Von Thomas Wöhrle bekam er Unterstützung: Man könne das Areal nicht brachliegen lassen. „Es wird nicht lang eine Wiese bleiben oder ein Fußballplatz“, prophezeite Wöhrle.

Gemeinde kündigt Informationsveranstaltung an

Alois Gast, der in der Diskussion keinen leichten Stand hatte, war von all diesen Argumenten nicht überzeugt. Die Kleinkötzer wollten die Fläche hinter dem Feuerwehrhaus so erhalten, wie sie jetzt ist, sagte er. Gemeinderat Michael Seitz lenkte den Blick dann wieder auf die 405 Unterschriften, von denen 14 aus verschiedenen Gründen nicht gewertet wurden, und sagte: „Wenn 400 Leute gegen etwas sind, dann muss man das in Betracht ziehen.“ Das will die Gemeinde Kötz in absehbarer Zeit tun. Am Tag nach der Sitzung teilte Geschäftstellenleiterin Sabine Ertle mit, dass es in Kleinkötz eine Informationsveranstaltung zum Thema Bauhof geben wird. Der Termin steht aber noch nicht fest.

Lesen Sie dazu auch: Protest in Kötz ist (fast) aller Ehren wert

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