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Landkreis Günzburg

08.07.2020

Glasfaserausbau: Die Mängelliste in Kötz ist lang

Die große Werbetafeln am Ortseingang in Großkötz macht auf den Ausbau des Glasfasernetzes aufmerksam. Kurz vor Abschluss der Tiefbauarbeiten gibt es auch eine sehr lange Mängelliste.

Plus Es gibt mehrere Pilotgemeinden im Landkreis Günzburg, die mit Glasfasertechnologie versorgt werden. Mancherorts gibt es „nicht akzeptable Bauarbeiten“ und es stehen umfangreiche Nachbesserungen an.

Martin Wiedemann fühlt sich wie Don Quichotte bei seinem erfolglosen Kampf gegen die Windmühlen. Wiedemann wohnt in Kötz, wo wie in Bubesheim und Rettenbach im Rahmen eines Pilotprojekts die LEW Telnet die komplette Gemeinde kostenlos mit Glasfasertechnologie versorgt. Doch es gibt Probleme.

Der Großkötzer Wiedemann kämpft seit Wochen, dass Asphalt und Entwässerungsrinne im Fliederweg wieder in einen ordentlichen Zustand versetzt werden. Er erzählt: „Zum Verlegen des Glasfaserkabels wurde die Straße Anfang Mai aufgerissen. Seither diskutiere ich mit der ausführenden Katastrophenfirma und deren Katastrophentrupps, dass es wieder ordentlich zugemacht wird. So wie es gemacht wurde, ist es nicht in Ordnung.“

In Kötz wären die fachlichen Mängel bei Bauarbeiten fast unter dem Asphalt verschwunden

Nur mit knapper Not konnte Wiedemann verhindern, dass die Stelle asphaltiert wurde und die Mängel damit unter dem Asphalt verschwinden würden. „Dann wären nur noch die optischen, aber nicht mehr die fachlichen Mängel sichtbar gewesen. Aber um die Optik geht es bei einer 50 Jahre alten Straße nicht. Was zählt ist die Qualität darunter.“ Und genau die vermisst Martin Wiedemann. Von Beruf Architekt möchte er nicht riskieren, dass die überfahrbare Entwässerungsrinne aus zweizeiligen Granitsteinen in ein paar Jahren Senkungen aufweist.

Mit vielen Fotos und E-Mails hat Wiedemann sich an Firma und Gemeinde gewandt, getan hat sich in seinen Augen nichts. „Warum die Gemeinde nicht schon längst einen Sachverständigen eingeschaltet hat, verstehe ich nicht“, fragt er sich. Wir fragten bei Bürgermeisterin Sabine Ertle nach. „Wir werden jetzt keinen Gutachter beauftragen, weil die Mängel alle festgestellt sind. Für die Bauarbeiten auf öffentlichem Grund, auf den Straßen und Gehwegen, liegt die Bauoberleitung bei der LEW Telnet. Und es ist klar, dass das so nicht abgenommen wird. Für private Schäden hat die LEW-Telnet ein Ticketsystem eingerichtet“, erklärt Ertle.

Die Mängelliste beim Glasfaserausbau in Kötz ist lang

Die Mängelliste von Privaten und von der Gemeinde ist lang und war auch schon mehrfach Thema im Gemeinderat. Bürgermeisterin Ertle ist es wichtig, dass kein Bürger mit seiner Beschwerde zurückgelassen werde. Trotz aller Schwierigkeiten und einem immensen Aufwand in der Verwaltung glaube sie an das Projekt. „Wir sind im Piloten, das heißt wir sind die ersten. Aber dafür sind wir dann fertig und haben Glasfaser in der ganzen Gemeinde. Die ganzen Probleme haben nichts mit dem Produkt der Glasfasertechnik zu tun oder mit der LEW-Telnet, sondern einzig mit den bauausführenden Kolonnen. Es gibt Straßenzüge, die sind kein Thema.“

Seit über einem Jahr laufen die Bauarbeiten in den Pilotgemeinden Bubesheim, Großkötz, Kleinkötz, Ebersbach, Rettenbach, Harthausen und Remshart. Sie begannen Mitte April 2019 am Umspannwerk in Denzingen. Von dort wurden Verteilerkästen in der jeweiligen Gemeinde erschlossen und von diesen wiederum entlang der Straßenzüge Leerrohre bis zu den Grundstücken verlegt. In Rettenbach sind die Tiefbauarbeiten größtenteils abgeschlossen. In Bubesheim sollen die Arbeiten in den nächsten Monaten abgeschlossen werden. Die ersten LEW Highspeed-Kunden in Bubesheim und Kötz sind bereits am Netz.

LEW gibt ärgerliche Situation in Kötz zu

Auch in Kötz sind die Tiefbauarbeiten soweit abgeschlossen, allerdings hat die beauftragte Baufirma Vitronet GmbH noch zahlreiche Nachbesserungsarbeiten durchzuführen, zu denen LEW bereits detaillierte Mängelanzeigen an Vitronet gestellt hat. Die aktuelle Situation in Kötz ist für die Gemeinde und die Anwohner über alle Maßen ärgerlich, gibt LEW auf Anfrage unserer Zeitung ganz offen zu. Als Auftraggeber legt LEW großen Wert darauf, dass die Arbeiten mit hoher Qualität ausgeführt werden.

Jörn Schoof, Geschäftsführer von LEW Telnet dazu: „Ich entschuldige mich bei allen Bürgerinnen und Bürgern in Kötz, der Kommune und der Bürgermeisterin für die absolut nicht akzeptablen Bauarbeiten. Das ist derzeit noch nicht der Standard, für den LEW steht. Wir sind daher mit Hochdruck dran, die Mängel zu beseitigen, wofür wir noch etwas Zeit benötigen.“ LEW befindet sich in engem Austausch mit der Gemeinde und setzt sich dafür ein, dass die Mängel in Kötz so schnell wie möglich behoben werden.

In der Ichenhauser Straße in Kötz werden gerade die Leerrohre für das Glasfaserkabel verlegt. Mit der bauausführenden Firma gibt es Schwierigkeiten.

Um noch ausstehende Arbeiten besser nachvollziehen zu können, bittet LEW Kunden und Anwohner, offene und nicht behobene Mängel auf Privatgrund über die E-Mail-Adresse kundenmail@lew-highspeed.de zu melden. LEW leitet nach eigenen Angaben die gemeldeten Mängel unverzüglich an die ausführende Baufirma weiter und überwacht die Bearbeitung.

Bubesheim ist sehr zufrieden mit dem Glasfaserausbau

Richtig gut läuft es mit dem Ausbau der Highspeed-Datenautobahn dagegen in Bubesheim. „Wir sind sehr zufrieden. Wenn von den Bürgern Hinweise kommen, wird ihnen nachgegangen. Wir haben hier einen vorbildlichen Vorarbeiter, der mit Herzblut seiner Arbeit nachgeht“, berichtet Bubesheims Bürgermeister Gerhard Sobczyk. Klar sei, dass in den Bestand eingegriffen werde und Straße für Straße aufgemacht werden müsse. Da das Glasfaserkabel zumeist im Gehwegbereich verlegt wird und das abschließende Asphaltieren auch wetterabhängig sei, gibt es auf dem Gehweg über längere Zeit Unebenheiten. „An den abgefrästen Kanten gab es schon Stürze. Das bedauern wir, aber letztlich können wir nur jeden Radfahrer raten, die in der Regel drei Zentimeter hohe Kante zum bestehenden Gehweg nicht überfahren zu wollen, sondern sicherheitshalber abzusteigen“, sagt Bubesheims Bürgermeister Gerhard Sobczyk.

Über durchweg positive Erfahrungen berichtet ebenfalls Rettenbachs Bürgermeisterin Sandra Dietrich-Kast. „Wir sind sehr zufrieden. 90 Prozent von den Tiefbauarbeiten im Gemeindegebiet sind abgeschlossen. Die Bauarbeiten wurden von Scoping-Terminen begleitet. Schäden, die die Bürger bei uns gemeldet haben, werden sofort reguliert. Das läuft super.“

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