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Burgau

28.11.2017

Gleich knallt’s auf der Bühne

Wo will ich hin? Wer will ich sein? Fragen, die sich die Protagonisten des Jugendstücks „3, 2, 1, Bang“ im Neuen Theater Burgau stellen. Jacqueline Seiler, Katharina Salbaum, Jonas Lang, Emilia Parada, Sophie Reisinger, Lucas Wessely und Leander Thoms (von links) zeigen das ständige Ringen um Antworten.
Bild: Rebekka Jakob

„3, 2, 1 Bang“ im Neuen Theater Burgau gibt Einblicke in die Welt der Jugendlichen, die manchmal weh tun können.

Ein Theaterabend so richtig zum Wohlfühlen – nein, das ist „3, 2, 1 Bang“ im Neuen Theater Burgau nicht. Manchmal tut es sogar richtig weh. Und trotzdem sollte man sich unbedingt anschauen, was die sieben jungen Darsteller im Alter von 14 bis 19 Jahren gemeinsam mit Regisseurin Vera Hupfauer erarbeitet haben. Weil alles einfach so wahr ist, was sie zu erzählen haben.

Jacqueline Seiler, Katharina Salbaum, Jonas Lang, Emilia Parada, Sophie Reisinger, Lucas Wessely und Leander Thoms zeigen, was man als Eltern am liebsten gar nicht sehen will. Da sind die drei, die von Millionen Aufrufen bei Youtube träumen – und sich dazu dabei filmen, wie sie sich auf Bahngleisen vor heranfahrende Züge stellen. Einfach ein Kick. „Es hat noch nie so geschlagen. Mein Herz. Als ob es bis jetzt nur so getan hätte, als ob.“ Da ist der Teenager, der aus lauter Verliebtheit in den Star eine Reality-Fernsehshow zum Stalker wird. Und der Star, der eigentlich gar nicht wirklich einer ist. „Es war eine Reality-Show. Reality. Nichts war echt.“ Da sind die vier, die aus versehen eine Kuh erschießen. Und sie danach zum Entsorgen aufs Bahngleis legen.

Es sind Situationen, in denen alles auf den großen Knall herausläuft. Auf den Zusammenstoß, auf die Explosion, auf die Eskalation. Situationen, in denen man als Erwachsener Stop schreien möchte. Oder die Jugendlichen einfach nur in den Arm nehmen. „Mongo-Lara“ zum Beispiel, die zum Klauen in die Feuerwerksfabrik vorgeschickt wird. Oder Thomas, der so lange gemobbt wird, bis er mal das Küchenmesser und später das Luftgewehr mit in die Schule nimmt, einfach so.

Brutal ehrlich gehen die Jugendlichen mit ihren Themen und mit dem Publikum um. In der Premiere hört man natürlich auch Lachen über die eingestreuten Gags. Aber auch die wissenden Seufzer.

„3, 2, 1 Bang“ ist kein Stück, das sich einfach so verkonsumieren lässt. Und es ist beileibe nicht nur ein Stück für Erwachsene, die mal kurz sehen wollen, wie die Jugend von heute so tickt. Es ist ein Stück, das vor allem Jugendliche sehen – und danach vor allem darüber sprechen sollten. Über die Wahrheit hinter den Szenen, darüber, wie es bei und in ihnen selbst aussieht. Es ist ein Stück für Mutige – von Mutigen. Die sieben Jugendlichen, zum Teil erstmals auf der Theaterbühne, machen einen anstrengenden, dabei aber richtig guten Job. Trotz der aufwendigen technischen Unterstützung mit Projektionen von Vera Hupfauer, Eva Schürßner und Jo Jaitner behaupten sie sich im Bühnenbild von Gebhard Waizmann mit kraftvollem Spiel und nur kleinen Stolperern in der Premiere.

Am Ende stehen sie dann alle da, das Feuerwerk mit seinen bunten Farben auf den beiden Monitoren im Rücken. Der große Knall ist endlich passiert – und jetzt? Ein Hoffnungsschimmer, dass doch noch alles gut werden kann, irgendwie. Staunen über das, was man da fabriziert hat, obwohl es doch alles ganz anders geplant war. Vielleicht ist doch noch nicht alles verloren? Vielleicht ist doch noch was drin – auch wenn es nicht sechs Millionen Aufrufe auf Youtube werden? Großer Applaus lässt die Beklemmung weichen, die sich in knapp anderthalb Stunden gebildet hat. Absolut verdient.

Das Stück „3, 2, 1 Bang“ ist noch am Freitag, 1., Samstag, 2., Freitag, 15., Samstag, 16. und Sonntag, 17. Dezember zu sehen. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, sonntags um 18 Uhr. Tickets unter www.neues-theater-burgau.de

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