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Günzburg

13.07.2019

Gleich zwei Pfarrer nehmen in Günzburg Abschied

Pfarrer Heribert Singer mag dieses Tor der Barmherzigkeit, noch bis Ende August ist er Pfarrer in Reisensburg ist. Seine Ruhestand wird Singer in Kemnat verbringen.
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Pfarrer Heribert Singer mag dieses Tor der Barmherzigkeit, noch bis Ende August ist er Pfarrer in Reisensburg ist. Seine Ruhestand wird Singer in Kemnat verbringen.
Bild: Sandra Kraus

Der Günzburger Pfarrer Ulrich Däubler und der Reisensburger Pfarrer Heribert Singer gehen in Ruhestand. Welche Folgen das für die Gläubigen hat.

Abschied nehmen heißt es im Juli gleich in zwei Günzburger Pfarreien. Stadtpfarrer Ulrich Däubler von der Günzburger Pfarrgemeinde Heilig Geist wird morgen feierlich verabschiedet, vierzehn Tage später Pfarrer Heribert Singer von der Pfarreiengemeinschaft Reisenburg. Beide gehen in Pension und machen damit den Weg frei für die neue Pfarreiengemeinschaft Günzburg, der ab 1. September alle Katholiken im Stadtgebiet und den sieben Stadtteilen angehören werden.

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Stadtpfarrer Ulrich Däubler hat für seine Verabschiedung das Pfarrfest diesen Sonntag gewählt, um 10 Uhr ist ein Festgottesdienst mit einer Schubert-Messe. „Die Musiker haben mit ihrer Wahl einen Wunsch getroffen“, freut sich Däubler und hofft auf schönes Wetter. Ansonsten will er gar nicht so viel an das Abschiednehmen denken.

Der 75-Jährige wird weiterhin in Günzburg wohnen

Der 75-Jährige wird weiterhin in Günzburg wohnen bleiben. Sein Gemüsegarten gleich neben Heilig-Geist-Kirche, in dem sogar Weintrauben gedeihen, wird der Fürsorge anderer übergeben. In der neuen Wohnung wird es nur noch einen Balkon geben.

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Am ersten Adventssonntag 1981 feierte Däubler seinen ersten Gottesdienst in Günzburg. Nach seiner Kaplanzeit in Augsburg war es die erste Pfarrstelle. Es sollte die einzige bleiben. Von seinen Weihekollegen war er der erste Stadtpfarrer, jetzt ist er der letzte der in Ruhestand geht. „Ich hätte schon noch gerne ein paar Jährchen drangehängt“, bekennt Däubler freimütig. Auch künftig sieht er sich in der Pflicht, will den neuen und letzten Lebensabschnitt bewältigen. „Es geht nauswärts. Ja, der Mensch ist immer ein Lernender, im Alter muss man das Altern lernen, sonst scheitert man.“

Seiner Pfarrei wünscht Däubler, dass Jesus weiterhin bei ihr zu Hause sein möge, wenn auch auf andere Weise. Oberbürgermeister Gerhard Jauernig, an den sich Däubler noch gut als Ministrant erinnert, hat sich vom Stadtpfarrer schon verabschiedet, der Landrat hat sich für den Sonntag angekündigt. „Pfüa Gott“ sagen wird Däubler auch im Kinderhort Don Bosco und Ende August im Kindergarten Heilig Geist. Ab 1. September ist dann der Terminkalender ungewohnt leer.

Den Weg frei machen für die Pfarreiengemeinschaft

Das ist auch bei Pfarrer Heribert Singer so. Der 67-Jährige ist nach Kirchen-Usus eigentlich zu jung für die Pension. „Ich habe mit meiner Bitte um Versetzung in den Ruhestand vor meinem 70. Geburtstag den Weg für die Pfarreiengemeinschaft Günzburg freimachen wollen“, schildert Singer. Und vielleicht einer ansonsten drohenden Versetzung in eine andere Pfarrei entgehen wollen.

Erst jetzt am 8. Juli feierte Heribert Singer sein 40-Jähriges Priesterjubiläum. Kein großes Fest, denn gefeiert werden soll am Sonntag, 28. Juli, unter dem Motto „Gott tut uns gut“ mit Dankgottesdienst, einer Feier in der Herrenwaldhalle und einer Segensandacht am Nachmittag.

Den gebürtigen Kemnater führte sein Priesterleben als Kaplan nach Manching und Augsburg, als Regionaljugendpfarrer nach Bühl/Neu-Ulm, als Pfarrer nach Mickhausen, Dasing und 2008 nach Reisenburg. „Manches hat sich verändert in der Kirche. Der Geschäftsbetrieb läuft, doch mutig zu reflektieren ist schwierig. Da sind die Leute, die die Tradition wollen. Und im Alltag, der einen auffrisst, neues zu entwickeln ist schwer.“

Singer sieht sich nicht als Staatsanwalt der Kirche, der über Einhaltung der Pflichten wacht, sondern als Anwalt der Menschen, wie Abraham im Alten Testament möchte er Gott bitten, ein Auge zuzudrücken. Mit den Menschen einen Weg zu finden, der möglich ist, vielleicht auch einen unkonventionellen, ist dem Kirchenmann wichtig, der als Regionaljugendpfarrer mit dem Musical „Ave Eva“ in Kirchenkreisen gehörig aneckte.

Bei Fronleichnamsprozessionen läuft keiner mehr mit

Nie würde er eine Taufe oder eine Hochzeit ablehnen. Irgendein Fünkchen Glaube müsse vorhanden sein, denn heute zwinge kein Elternhaus und keine Oma mehr zu taufen oder kirchlich zu heiraten. „Die Hälfte der Kinder im Reisensburger Schulsprengel gehört nicht dem Christentum an. In Riedhausen und in Leinheim gibt es keine Fronleichnamsprozession mehr, es läuft niemand mehr mit.“ In Reisensburg hat Singer mit den Ministranten ausgemacht, dass sie ein Eis bekommen, wenn am Freitagabend mehr Minis als Gläubige in der Kirche sind. Diesen Monat gab es schon einmal Eis. Und in Riedhausen bat ihn eine ältere Dame, doch die Messfeier unter der Woche einzustellen, wenn außer ihr keiner mehr hinginge.

Ende August wird am Pfarrhaus in Reisensburg der Möbelwagen vorfahren. „Die neue Phase bedarf einer Anstrengung. Es gilt runter zu kommen auf ein Normalmaß.“ In seinem Elternhaus in Kemnat, die Geschwister und ein bekanntes Umfeld in der Nähe, soll das dem engagierten Pfarrer, der die letzten elf Jahre in Reisensburg, Riedhausen, Nornheim und Leinheim wirkte und in vielen engagierten Gottesdiensten Impulse setzte, gelingen. In Kemnat möchte Heribert Singer nach eigener Aussage einfach Mensch sein.

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