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Dorfserie (2)

03.08.2019

Glöttweng ist die Heimat von Barfußpark und Oswald-Braten

Das sind die Glöttwenger. Natürlich nicht alle, sondern nur ein Teil von ihnen. Dort gibt es auch einen Biergarten unter dem Kastanienbaum.
Bild: Peter Wieser

Plus Glöttweng hat nur knapp 300 Einwohner – aber viel zu bieten. Sogar eine Vorstadt gibt es in dem Ort. Wer hier lebt, will nicht mehr weg.

Ist von Glöttweng die Rede, dann bringt man den direkt an der Bundesstraße 10 gelegenen Ort kurz vor der Landkreisgrenze nach Augsburg als erstes mit seinem Barfußpark in Verbindung. Den gibt es seit fast 2006 und er ist seitdem Anziehungspunkt für Familien mit Kindern, aber auch für Schulen und Gruppen. Aber dazu später.

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Glöttweng zählt knapp 300 Einwohner, gehört zur Gemeinde Landensberg und zur Verwaltungsgemeinschaft Haldenwang. Doch woher stammt eigentlich der Name? Dass die Bezeichnung mit der Glött, die am Ort vorbeifließt, zu tun hat, das liegt auf der Hand. Glöttweng ist aus einer keltischen Siedlung entstanden, auf dem nahe liegenden Bachberg zeugt heute noch eine Viereckschanze davon. In alten Urkunden ist die Rede von „Glettheweinch“ und „Glettewinch“. Ein niederer Adeliger habe den Ort Anfang des 12. Jahrhunderts gegründet, erzählt Eugen Fluhr, der seit 36 Jahren Mesner ist. Zwölf Feuerstellen sollen es gewesen sein.

In Glöttweng weiden noch Kühe auf der Wiese

Gut 20 Landwirte gab es in der Gemeinde einmal und in nahezu jedem Haus hatte man nebenher sein „Baurawerk“. Heute sind es nur noch vier, dafür gibt es in Glöttweng noch Kühe, die auf der Wiese weiden, was heutzutage gar nicht mehr so selbstverständlich ist. Früher gab es unter anderem einen Müller, einen Sattler und Polsterer, einen Handschuhmacher, drei Lebensmittelhändler, einen Krawattenmacher und auch einen Käser, der für den „Glöttwenger Stolz“, eine Art Romadur oder Limburger, bekannt war.

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Dafür hat der Ort heute gleich drei Autowerkstätten. „Da kommen sogar die Burgauer hierher“, sagt Karl Ruder lachend, der frühere Bürgermeister von Landensberg. Und einen Fernsehtechniker und einen Supermarkt gibt es auch. Einen Supermarkt? Natürlich nicht. Gemeint ist der kleine Getränkemarkt, Flaschenbierhandlung hätte man früher dazu gesagt, den Martha Hillinger seit 48 Jahren führt. Wenn ein Glöttwenger zu später Stunde noch Durst hat, dann geht er zur Martha.

Eugen Fluhr ist seit 36 Jahren Mesner. In der Kirche St. Oswald gibt es sogar ein Partikelkreuz mit einem Splitter vom Kreuz Jesu.
Bild: Peter Wieser

Eine Vorstadt im 300-Einwohner-Ort

Es gibt auch ein Oberdorf, das ist der westliche Bereich am „Glöttwenger Berg“, ein Unterdorf, rund um die Kirche, und sogar eine Vorstadt. Das ist die in Richtung Landensberg gelegene Siedlung. Und eine „Zentrale“ gibt es auch: Glöttweng hat nämlich eine Dorfwirtschaft, den Landgasthof Adler, mit einem gemütlichen Biergarten unter dem Kastanienbaum, es ist sozusagen der Treffpunkt der Einwohner. Von Zentrale spricht man deswegen: „Da haben wir uns früher als Kinder schon getroffen, bevor wir anschließend mit Pfeil und Bogen gegen die Landensberger gekämpft haben“, sagt Karl Ruder und lacht.

Offenbar waren die Glöttwenger zu damaligen Zeiten ein recht kriegerisch begabtes Völkchen. Die Gastwirtschaft führen Irmgard und Georg Fink, für die Einheimischen der „Schorre“, bereits in fünfter Generation und sie ist seit 1878 in Familienbesitz. Früher sei es eine Herberge und Pferdewechselstation entlang der alten Römerstraße gewesen, erzählt „Schorre“. Die Leute hätten etwas gegessen und die Pferde seien versorgt worden, bevor die Fuhrwerke mit Langholz oder Seegras zum Burgauer Bahnhof weiterfuhren. In Glöttweng wurde früher Seegras gerupft und gesponnen.

Schon die Großeltern spielten Theater

Der Gasthof Adler ist nicht nur Mittelpunkt, dort wird zum Jahreswechsel immer in heimeliger Atmosphäre Theater gespielt und wer möchte, bleibt nach drei Stunden gleich noch in der Wirtschaft sitzen. „Eine richtige Tradition ist das“, sagt Jürgen Steinle von der „Glöttwenger Holzwinkelbühne“. Schon die Großmütter und Großväter hätten Theater gespielt. 1981 habe die Landjugend begonnen, diese Tradition weiterzuführen. Nachwuchs gibt es ebenfalls: Der führt bei den Hügelspielen, einem Open Air-Theater an den beiden Hügeln beim Barfußpark, immer sechs kürzere Sketche auf.

Glöttweng hat auch eine Gastwirtschaft. Irmgard und Georg Fink (vorne) führen den Landgasthof Adler in fünfter Generation. Hinten: Sohn Richard mit seiner Frau Steffi und dem kleinen Leonhard.
Bild: Peter Wieser

„Wir haben eine tolle Dorfgemeinschaft“, sagen Eva Steinle und Valentina Schmid. Sie sei sogar extra von Landensberg nach Glöttweng hergezogen, erzählt letztere lachend. Wenn ein Fest ist, dann seien die Glöttwenger da und helfen zusammen. Früher habe es sogar ein Zipfelfest gegeben. Zipfelfest deswegen, weil das halt im unteren Zipfel vom Dorf stattgefunden habe. Am morgigen Sonntag ist in Glöttweng das Patroziniumsfest, bei dem es den Oswald-Braten gibt, einen Schweinebraten mit Kartoffelsalat oder Spätzle.

"Es ist keine Frauenratschgruppe" - auch Papas sind erlaubt

Der Name kommt daher, weil die Glöttwenger Kirche dem heiligen Oswald geweiht ist, und damit zugleich die passende Bezeichnung für den dazugehörigen Braten gefunden wurde. Die Kirche stammt aus dem Jahr 1726 und wurde von August 2017 bis September 2018 umfangreich renoviert. Etwas ganz Besonderes ist das Wetterkreuz, das sich darin befindet: Bei diesem handelt es sich um ein Partikelkreuz mit einem Splitter aus dem Kreuz Jesu. Jeden Freitagabend und jeden dritten Sonntag im Monat findet eine heilige Messe statt – für einen kleinen Ort wie Glöttweng nicht alltäglich.

Eine Mutter-Kind-Gruppe gibt es auch – diese ist nicht typisch glöttwengerisch –, sie besteht mit den Landensbergern unter dem Dach des Frauenbundes. „Keine Frauenratschgruppe, da kommen auch die Papas, und es wird mit den Kindern gesungen, getanzt, gebastelt und manchmal sogar Pony geritten“, erzählen Alexandra Merk und Martina Page. Eine Freiwillige Feuerwehr hat Glöttweng natürlich auch, und zwar eine mit einem der kleinsten Feuerwehrhäuser im Landkreis, ein neues Gebäude ist in Planung.

Die Freiwillige Feuerwehr Glöttweng hat eines der kleinsten Feuerwehrhäuser im Landkreis, dafür aber einen Backofen, in dem am Vatertag Pizzen gebacken werden. Links Kommandant Josef „Josy“ Joas, daneben Fritz Grasberger.
Bild: Peter Wieser

Dafür verfügt das alte über ein eigenes Backhaus, wo es an jedem Vatertag Pizza nach Wunsch gibt. Also schon wieder ein Grund für die Glöttwenger, zu feiern. Schräg gegenüber befindet sich der eingruppige, heimelige Kindergarten, der vor zwei Jahren sein 25-jähriges Jubiläum feierte. Früher beherbergte das Gebäude, 1906 erbaut, die Schule und sie war eine der ersten im ganzen Landkreis.

Der Barfußpark entstand aus einem Ideenwettbewerb

Jetzt aber zum Barfußpark, der eigentlich aus einer verkrauteten Wiese entstanden ist. Aus einem Ideenwettbewerb heraus und zu der Zeit, als sich der Landkreis in Richtung des Themas Kinder- und Familienfreundlichkeit orientiert hatte, entstand dieser aus ganz wenigen Mitteln und mit viel Eigenleistung von Bürgern und mithilfe von Unternehmen, die Material und Maschinen stellten. Das Schöne sei auch heute noch das Miteinander, erzählt Fritz Grasberger, der damals zu diesem Projekt aufgerufen hatte. Acht Familien kümmerten sich jeweils eine Woche lang im Wechsel um den Barfußpark. Und wenn man sonst jemanden brauche, dann sei der da.

Es gibt sogar einen Einstieg in die kalte Glött und einen Ausstieg gibt es ebenfalls: „Ma geht als Alter nei, und kommt als Junger wieder raus“, findet Grasberger und lacht. Zum Barfußpark kommen nicht nur Gruppen bis weit über die Grenzen des Landkreises hinaus, sondern auch die Glöttwenger Kinder. „Wenn’s Wetter gut ist, dann sind wir dort ganz oft“, erzählen Florentine, Johanna und Magdalena.

Mit einem Einstieg in die und einem Ausstieg aus der Glött lässt es sich beim Barfußpark wunderbar kneippen.
Bild: Peter Wieser

Die Finkenburg gibt es nicht mehr - zum Bedauern der Kinder

Nur eines gibt es nicht mehr und das finden die Glöttwenger sehr schade: die Finkenburg. Kinder und Eltern haben im Wald vor gut 30 Jahren aus Holzstangen eine etwa vier mal vier Meter große Burg gebaut, sogar mit Nebenräumen und Schlupflöchern. Nach und nach wurde sie größer. Unter anderem aus Haftungsgründen musste das Projekt, der Traum aller Glöttwenger Kinder, aufgegeben werden.

Und warum lebt man nun so gerne in Glöttweng? „Weil’s schea isch im Glötttal und weil mir den Bachberg haben“, sagt Kathi Effenberger. „Und weil’s bei uns viele nette Leut’ gibt“, fügt Josef Joas, der Feuerwehrkommandant, hinzu. „Mir sind halt lustig und gut drauf“, sagt Martina Page. „Wir wohnen da, wo die anderen Urlaub machen“, bringt es Alexandra Merk auf den Punkt. Also: Ein richtiger Glöttwenger geht nicht weg, wenn er nicht muss.

Lesen Sie auch den ersten Teil der diesjährigen Dorfserie:

Zehn Mal mehr Kühe als Einwohner: So schön lebt es sich in Marbach

Glöttweng hatte früher auch einen Müller. Die Salger-Mühle ist seit 1877 im Besitz der Familie Salger. Gemahlen wird dort allerdings schon lange nicht mehr.
Bild: Peter Wieser
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