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Kino

11.01.2019

Großes Kino für Film über Leo Wagner in der Heimatstadt Günzburg

Volles Haus im Günzburger Kino BiiGZ: Der größte Saal war mit knapp 200 Besuchern am Mittwochabend ausverkauft. Vor der Präsentation des Films führte GZ-Redaktionsleiter Till Hofmann in die Thematik ein. Neben ihm steht Regisseur Benedikt Schwarzer. Der Filmemacher kommt am 23. Januar (20 Uhr) noch einmal nach Günzburg – weil der Andrang größer war als die Zahl der Sitzplätze.
Bild: Bernhard Weizenegger

Der Dokumentarfilm über den Politiker löst ein großes Interesse in Günzburg aus – und wühlt viele Menschen auf.

Die Zuschauer halten sich mit Applaus zurück, als am Mittwochabend der Abspann gegen 21.45 Uhr läuft. Nicht etwa, weil ihnen das, was sie die 80 Minuten zuvor auf der Kinoleinwand des Günzburger BiiGZ mitverfolgt haben, missfallen hat. Aber es ist schwer verdaulich, was ihnen da Benedikt Schwarzer aufgetischt hat über einen, der aus Günzburg kam. Der 31 Jahre alte Regisseur nähert sich in der Filmdokumentation „Die Geheimnisse des schönen Leo“ seinem Großvater Leo Wagner an, einem der einflussreichsten CSU-Politiker aus der Region in der Nachkriegszeit.

Wagner war einer, der etwas zu sagen hatte, er machte die Anliegen der Menschen zu seiner Sache, war Strauß-Intimus. Aber er hatte auch permanente Geldsorgen, verschuldete sich wegen seines süßen Lebens mit Champagner und hübschen Frauen immer mehr. Teuer wurde es vor allem nach dem Ende eines Arbeitstages in Bonn, wenn er die Bühne des Bundestags gegen Separees in Kölner Animierlokalen tauschte und zu einem „anderen Menschen“ wurde, wie es sein inzwischen verstorbener Fahrer in dem Film formulierte.

Die Familie zu Hause diente allenfalls als Staffage. Die 1944 geschlossene Ehe zwischen ihm und seiner Frau Elfriede stand auf dem Papier, wurde aber nicht gelebt. Wagner hatte nicht gezählte Affären. Seine Frau, die sich scheiden lassen wollte, suchte Trost im Alkohol. 1980 starb sie an Gebärmutterhalskrebs. Und die damals 15 Jahre alte Tochter Ruth hat beinahe ihrem Leben ein Ende gesetzt, als der Papa mit seiner Geliebten einige Wochen nach der Beerdigung im Haus in Günzburg erschien, als ob nichts gewesen wäre.

„Ein sehr eindrucksvolles und aufrichtiges Porträt“

Von einem „sehr eindrucksvollen und aufrichtigen“ filmischen Porträt spricht Rudolf Köppler, der frühere Oberbürgermeister von Günzburg. Die Dokumentation habe ihn „in dem bestätigt, was mir schon damals recht fragwürdig erschien“. Der Alt-OB spielt vor allem auf das Finanzgebaren des früheren parlamentarischen Geschäftsführers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion an. Als Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse sei er Mitte der 70er-Jahre von Leo Wagner um einen Kredit im fünfstelligen Bereich gebeten worden. Zwei Sicherheiten bot der an: sein Auto mit einem Satz neuer Winterreifen und er wollte seine Ansprüche als Schulrektor a. D. abtreten. „Dabei sind Ruhegehaltsansprüche gar nicht pfändbar“, sagt Köppler (SPD).

Wagners Parteifreund Hans Reichhart kann sich nach über 45 Jahren noch gut an die Begegnungen mit ihm erinnern. „Ich habe 1972 Plakate für ihn geklebt“, führt der CSU-Bürgermeister von Jettingen-Scheppach aus. „Wir haben aufgeschaut zu ihm.“ Hat sich das Bild von seinem Vorbild geändert? Wagners Verfehlungen vor allem als Familienvater seien in diesem Umfang nicht bekannt gewesen, antwortet Reichhart. Und jetzt, nach dem Film? „Ich kann das alles noch nicht einordnen.“

„Keine einfache Sache“ für Leo Wagners Tochter

Für Ruth Schwarzer ist der Besuch in Günzburg am Mittwoch „keine einfache Sache“. In Sichtweite zum Kino liegt ihr Elternhaus, in dem sie als Tochter so viele schreckliche Szenen einer Ehe miterleben musste. „Ich habe die Emotionen des Publikums gespürt und mich gefragt, was die Leute wohl denken. Und ich habe das Gefühl gehabt, als ich in die Augen der Kinobesucher geschaut habe, dass Leo Wagner viele Menschen hier enttäuscht hat.“ Sie und ihr Sohn werden beklatscht, als sich die beiden nach der Vorpremiere (Bundesstart: 17. Januar) den Fragen der Günzburger Zeitung und des Publikums stellen.

"Die Geheimnisse des schönen Leo" von Benedikt Schwarzer zeigte das Günzburger Kino BiiGZ vor ausverkauftem Saal. Der Enkel des CSU-Politikers Leo Wagner recherchierte fünf Jahre lang dessen Leben und politisches Wirken im Zentrum der Macht. Mit seiner Mutter Ruth beantwortete er Fragen von GZ-Redaktionsleiter Till Hofmann und den Besuchern.
10 Bilder
Filmpremiere in Günzburg über den Politiker Leo Wagner
Bild: Bernhard Weizenegger


Als „Frage und Feststellung“ qualifiziert ein Besucher seine Bemerkung an die Adresse des jungen Filmemachers, ob er sich wohlfühle, seinen Großvater „in die Pfanne zu hauen und zu vermarkten“. Benedikt Schwarzer sieht das nicht so. Die intensive Beschäftigung mit der eigenen Familiengeschichte sei für ihn ein Privileg und bereichernd gewesen, wenngleich dieser Prozess „durchaus schmerzvoll war“. Außerdem tauge ein Dokumentarfilm über einen bayerischen Politiker nicht unbedingt dazu, sich die Taschen mit Geld zu füllen. Hat Ruth Schwarzer ihrem Vater verziehen? „Zwischenzeitlich schon“, sagt sie. Seit 2005 ist der Bruch aber endgültig, nachdem Wagner immer häufiger darauf gedrängt hatte, Schwarzers Familie solle ihm bei der Begleichung seiner Schulden helfen. Ein Jahr später stirbt der „schöne Leo“ – inzwischen dement – im Alter von 87 Jahren in Günzburg.

Die vielen Ämter des Leo Wagner

Orts- und Kreisebene 1946 wurde Wagner Vorsitzender des CSU-Kreisverbandes Günzburg, den er mit Unterstützung des ersten bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer 1945 mitbegründet hatte. 1948 übernahm er das Amt des stellvertretenden Landrats. Dem Stadtrat von Günzburg gehörte er zwischen 1949 und 1964 an. 1956 wurde er Zweiter Bürgermeister.

Bezirksebene Dem CSU-Bezirksverband Schwaben stand er von 1961 bis 1973 vor. Leo Wagner war außerdem im Bezirkstag Schwaben (von 1954 bis 1962), wobei er dort auch Fraktionsvorsitzender war.

Bundesebene Von 1961 bis 1976 gehörte Wagner dem Deutschen Bundestag an. Er war zwischen 1963 und 1975 parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe. Von 1971 bis 1975 war Wagner einer der fünf parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, davon ab 1972 der erste. Nachdem Wagner 1965 die Deutsch-Koreanische Parlamentariergruppe mit ins Leben gerufen hatte, gründete er 1966 mit Max Adenauer und dem Bonner Verleger Hermann Pfatteicher die Deutsch-Koreanische Gesellschaft, deren Präsident und später Ehrenpräsident er wurde.

Lesen Sie hier mehr über den Politiker Leo Wagner und seine Intrigen.

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11.01.2019

Der 32 Jahre lang bis 2002 amtierende Günzburger Oberbürgermeister Dr. Rudolf Köppler hat sich in diesem Bericht der Günzburger Zeitung nach der gestrigen Uraufführung des Kinofilms zum Fall Leo Wagner zu straftatverdächtigen Aussagen hinreißen lassen und wir zitieren aus dem Pressebericht:

Von einem „sehr eindrucksvollen und aufrichtigen“ filmischen Porträt spricht Rudolf Köppler, der frühere Oberbürgermeister von Günzburg. Die Dokumentation habe ihn „in dem bestätigt, was mir schon damals recht fragwürdig erschien“. Der Alt-OB spielt vor allem auf das Finanzgebaren des früheren parlamentarischen Geschäftsführers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion an. Als Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse sei er Mitte der 70er-Jahre von Leo Wagner um einen Kredit im fünfstelligen Bereich gebeten worden. Zwei Sicherheiten bot der an: sein Auto mit einem Satz neuer Winterreifen und er wollte seine Ansprüche als Schulrektor a. D. abtreten. „Dabei sind Ruhegehaltsansprüche gar nicht pfändbar“, sagt Köppler (SPD).

Diese Aussagen von Herrn Dr. Köppler könnten strafrechtlich relevant sein, da er nämlich aufgrund seiner Verschwiegenheitspflicht und weiteren datenschutz- und bankrechtlichen Bestimmungen die ihm als damaligen Verwaltungsratsvorsitzenden der Sparkasse zugetragenen bankinternen Informationen nicht an Dritte, wie z.B. die Presse weitergeben darf.

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