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Gundremmingen

30.07.2019

Grünen-Abgeordneter Deisenhofer zu AKW: „Grob fahrlässig“

Das Atomkraftwerk Gundremmingen.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Der Grünen-Landtagsabgeordnete sieht Gefahren für das Personal. Was genau er kritisiert und was die Betreiber sowie das Ministerium dazu sagen.

Eine „drastische Zunahme von undichten Brennelementen“ im Atomkraftwerk (AKW) Gundremmingen sieht Landtagsabgeordneter Maximilian Deisenhofer von den Grünen. In Block C sei die Fallzahl in den vergangenen zehn Jahren von fünf Defekten im Zeitraum zwischen 2000 und 2009 auf 14 (seit 2010) gestiegen. Auch im inzwischen abgeschalteten Block B seien es nach dem Jahr 2010 fast doppelt so viele (zwölf) wie zu Beginn der 2000er Jahre (sieben) gewesen. Das ergebe sich aus einer Antwort auf eine schriftliche Anfrage, heißt es in seiner Mitteilung.

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„Es ist mir schleierhaft, warum der Kraftwerksbetreiber RWE dieses Problem überhaupt nicht in den Griff bekommt, sondern eher immer tiefer hineinschlittert. Dies ist umso erstaunlicher, da die Staatsregierung in ihrer Antwort behauptet, eine Fülle von Verbesserungsmaßnahmen veranlasst zu haben.“

"Betreiber eines gefährlichen AKW lässt die Zügel schleifen"

Undichte Brennelemente verseuchten bei einem Siedewasserreaktor einen großen Teil der Kraftwerksanlage, erklärt der Abgeordnete. Weil Siedewasserreaktoren keinen zweiten Kühlkreislauf hätten, gerieten die radioaktiven Stoffe aus den undichten Brennelementen direkt über das Kühlwasser in das benachbarte Turbinengebäude, in dem der Strom erzeugt wird.

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Deisenhofer warnt, dass undichte Brennelemente die Strahlungsdosis für die Beschäftigten des Kraftwerks erhöhten und die radioaktiven Ableitungen. „RWE kommt hier seiner Fürsorgepflicht für die Beschäftigten nicht nach. Das ist grob fahrlässig. Es geht nicht an, dass der Betreiber eines gefährlichen AKW in den letzten Jahren vor der Stilllegung sicherheitstechnisch die Zügel schleifen lässt.“

Bayerns Umweltministerium erklärt auf Anfrage: „Sicherheit ist beim Betrieb der bayerischen Kernkraftwerke oberstes Gebot. Dies gilt ohne Einschränkung bis zum letzten Tag des Betriebs.“ Das Kernkraftwerk sei für den Betrieb mit Brennelement-Hüllrohrdefekten ausgelegt. Alle Aktivitätsgrenzwerte würden stets eingehalten. „Die Sicherheit der Bevölkerung und des Betriebspersonals ist stets gewährleistet.“

AKW-Betreiber: "Grenzwerte werden deutlich unterschritten"

Und auch die Kraftwerksbetreiber KGG betonen: „Sicherheit hat für das Kraftwerk und für unsere Mitarbeiter oberste Priorität.“ Es sei bedauerlich, „wie die Grünen hier versuchen, die Menschen zu verunsichern“. Brennelement-Defekte im Atomkraftwerk kämen „nach wie vor in sehr geringer Anzahl vor. Das Kraftwerk ist für ihr Auftreten ausgelegt. Der sichere Betrieb ist auch in solchen Fällen gewährleistet.“ Alle derartigen Befunde würden transparent kommuniziert. „Die Grenzwerte der Aktivitätsmessungen in der Anlage und der Umgebung des Kraftwerks werden nicht nur durchweg eingehalten, sondern deutlich unterschritten.“

Die Daten der behördlichen Umgebungsüberwachung durch das Landesamt für Umwelt zeigten weder in der Vergangenheit noch aktuell radiologisch messbare Auswirkungen auf die Umgebung, was man im Internet nachlesen könne. Auch die in der Strahlenschutzverordnung festgelegten Grenzwerte für das Personal „wurden und werden jederzeit eingehalten“. Durch Verbesserungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz sei die Dosis für das Personal in den vergangenen Jahren minimiert worden. „Die Sicherheit der Bevölkerung und unseres Personals ist somit stets gewährleistet“, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung. (zg, cki)

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