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Podiumsdiskussion

27.04.2012

Grundschultag von 8 bis 16 Uhr mit gemeinsamem Mittagessen

„Gerade bei Migrationshintergrund und schwierigen Familien hat sich der Ganztag bewährt.“Karl Landherr, ehemaliger Schulleiter in Thannhausen

Auch in Günzburg wird es in Zukunft die Ganztagsklasse geben. Jedoch noch nicht im kommenden Schuljahr, sagt Schulrätin Seitz. Das Ziel sei 2013/14

Günzburg Erstklässler, deren Schultag um 8 Uhr beginnt, ein gemeinsames Mittagessen im Klassenverband beinhaltet und um 16 Uhr endet, wird es in absehbarer Zeit auch in Günzburg geben. Darin waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion „Ganztagesklasse – Zukunft für Günzburg?“, zu der der Unabhängige Wählerblock (UWB) Günzburg eingeladen hatte, einig. Überrascht von der hohen Besucherzahl – gekommen waren Rektoren und Lehrer der vier Günzburger Grundschulen, Elternbeiräte, Eltern und viele Stadträte – nahmen auf dem Podium im Panoramasaal der Volksbank Oberbürgermeister Gerhard Jauernig, Schulrätin Ursula Seitz und Karl Landherr, ehemaliger Schulleiter in Thannhausen, Platz. Thannhausen ist die bisher einzige Grundschule mit Ganztagsklassen im Landkreis.

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Im Fokus der nach einleitenden Worten von Hausherr Volksbankvorstand Johann Mayr und UWB-Vorsitzenden Hans Kaltenecker von UWB-Mitglied René Mick geführten Diskussion stand die Grundschule, also die 1. bis 4. Klasse. Dort hat eine Ganztagsklasse an mindestens vier Wochentagen eine grundsätzliche Unterrichts- und Betreuungszeit von 8 bis 16 Uhr im festen Klassenverband. Der Pflichtunterricht ist auf Vormittag und Nachmittag verteilt, es gibt Zeiten für individuelle Förderung und Intensivierung, man isst gemeinsam zu Mittag. Dafür bekommt die Ganztagsklasse zwölf zusätzliche Lehrerstunden und 6000 Euro Jahresbudget für Honorarkräfte, wobei 5000 Euro des Jahresbudgets von der Kommune bezahlt werden.

„Per Gesetz ist festgelegt, dass die Eltern Wahlfreiheit zwischen Ganztagsklasse und einer Klasse mit Vormittagsunterricht haben müssen“, stellte Schulrätin Seitz klar. Die Anmeldung für den Ganztag sei freiwillig. „Mit der jetzigen Generation der Krippenkinder wachsen die Ganztagsschüler von morgen heran“, ist sich Oberbürgermeister Jauernig sicher. Probleme macht in Günzburg bei der Einführung der „Ganztagler“ die gewachsene Schulstruktur mit vier relativ kleinen Grundschulen mit meist nur zwei Parallelklassen. Zum Vergleich wurde Dillingen genannt, mit einer einzigen Grundschule mit 700 Kindern. Denn neben der Wahlfreiheit der Eltern schreibt das Ministerium vor, dass keine Klassenmehrung erfolgen dürfe.

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„Werden 53 Kinder angemeldet, dürfen zum Beispiel keine Ganztagsklasse mit 17 Kindern und zwei normale Klassen mit jeweils 23 Kindern gebildet werden. Es muss bei insgesamt zwei Klassen bleiben, sonst kommt das zu teuer“, schildert Schulrätin Seitz das Dilemma. Zudem fehlen an den Schulen noch die Räumlichkeiten, insbesondere für das Mittagessen. Mit großer Offenheit begegnet der Rathauschef dem Ganztagsangebot für Grundschulen: „Familie und Beruf lassen sich besser vereinbaren. Es bleibt mehr Zeit für Pädagogik, individueller, auch sprachlicher Förderung und sozialer Integration. Bildungschancen werden gerechter.“

„Gerade bei Migrationshintergrund und schwierigen Familien hat sich der Ganztag bewährt“, stimmt Karl Landherr zu, um dann hinzusetzen: „Die Zusammensetzung der Klasse muss ausgewogen sein, um für alle das Beste herauszuholen.“ Sachaufwandsträger und Lehrer hoffen auf bessere Rahmenbedingungen durch den Freistaat. „Eine finanzielle Begleitung des Staates, die Bereitstellung von mehr Lehrern und letztlich mehr kommunale Mittel“, fordert nicht nur Jauernig.

In der Diskussion mit dem Publikum wurde gefragt, ob wirklich jede Grundschule Ganztagsklassen braucht oder die Kinder aus allen Sprengeln zu einer Art Ganztagsgrundschule kommen, was beides denkbar wäre. Oder ob es möglich ist, dass Kinder im Klassenverband ein Gedicht auswendig lernen, oder wie eine typische Woche eines Erstklässlers aussieht.

Auf dem Podium wurde nicht verschwiegen, dass manche Kinder nicht in den Ganztag bis 16 Uhr wollen, wenn Geschwister oder Freunde in der Parallelklasse um 11.20 oder 12.05 Uhr freihaben. Auch ist es laut Landherr „sehr schwer, Leute zu finden, die sich im Ganztagsschulbetrieb engagieren“. Noch mache die Schule den Ganztag freiwillig. Und er bedeute eine erhebliche Mehrarbeit. Schon jetzt seien viele Lehrkräfte am Limit. Demgegenüber stehen die Wünsche der Eltern.

Schulleiter Gerhard Hackel präsentierte die neusten Zahlen der Grundschule Südost: „Von 56 Erstklässlern wünschen etwa 25 Eltern eine lange Betreuung im Hort oder Mittagsbetreuung, weitere neun möchten in die kurze Mittagsbetreuung.“ „Kommendes Schuljahr wird es in Günzburg keine Ganztagsklasse an Grundschulen geben: Unser Ziel ist 2013/14“, wagt Schulrätin Seitz einen Blick in die Zukunft.

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