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Bubesheim

27.06.2019

Grundversorgung: Bubesheim fehlt es an Wasser

Dunkle Wolken ziehen sich über dem Bubesheimer Wasserhaus zusammen. Noch hält sich der Gemeinderat bedeckt, wie groß die Schäden dort wirklich sind. Das Gesundheitsamt verbietet nach wie vor die Nutzung.
Bild: Sandra Kraus

Das Interesse der Bubesheimer Bürger am aktuellen Stand zum Thema Wasserversorgung ist groß. Doch eine Lösung der Probleme liegt offenbar noch in weiter Ferne. In der Gemeinderatssitzung werden Schuldvorwürfe laut.

Die Verlegung der Gemeinderatssitzung in das Bubesheimer Bürgerhaus hatte sich gelohnt. 30 Zuhörer kamen. Und ihr Interesse galt wohl dem Sachstandsbericht Wasserversorgung. Spätestens seit dem 22. Mai, als Günzburger Trinkwasser ins Bubesheimer Netz eingespeist wurde und die bestehende Notversorgung durch Leipheim ablöste (wir berichteten), waren die Auswirkungen der Wassernot spürbar. Mit wenig Druck floss das Wasser aus den Hähnen, der Bürgermeister hatte in einem Flugblatt zum Wassersparen aufgerufen, das Befüllen von Pools und das Gießen im Garten wurde verboten. Viele waren sauer.

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Keime im Brunnen, Keime im Leitungsnetz

„Sauberes Wasser war da“, suchte Bürgermeister Walter Sauter der Lage etwas positives abzugewinnen. Seit Weihnachten kauft Bubesheim das komplette Trinkwasser aus Leipheim zu, dank einem Notwasserverbund aus Fliegerhorst-Zeiten war das zunächst ohne Aufwand machbar. Im Dezember ging es um Keime in den Brunnen, dann um Keime im Leitungsnetz, im Frühjahr machte das Gesundheitsamt das Bubesheimer Wasserhaus dicht. Es darf bis heute nicht genutzt werden. Das aus den Bubesheimer Brunnen geförderte Wasser muss in den Bubesheimer Bach abgeleitet werden.

Wie ernst die Lage ist, schilderte ganz chronologisch Gemeinderat Georg Zeiser: „Bis zur nichtöffentlichen Sitzung am 8. April dachte der Gemeinderat, das Wasserhaus ließe sich mit der Sanierung von Kleinigkeiten hinkriegen. Doch nach der Präsentation der Mängel durch das Ingenieurbüro gingen wir schockiert nach Hause.“ (Lesen Sie dazu auch: Das Thema Wasser wird nicht öffentlich beraten)

Grundversorgung: Bubesheim fehlt es an Wasser

Einen Monat später bereitete Donauhochwasser den Bubesheimern weiteres Ungemach. Denn sobald Leipheim seine Brunnen an der Donau abschalten muss, ist Schluss mit der Notversorgung. „Von der Stadt Günzburg gab es die Zusage, Wasser zu liefern. In welchen Rohren? Mit welchem Druck?“, so Zeiser. Zweiter Bürgermeister Rainer Finkel (Amtsinhaber Sauter war zu der Zeit im Urlaub) hatte die schwierige Aufgabe, ohne ein Notfallkonzept innerhalb weniger Stunden die Wasserversorgung der 1500 Einwohner Gemeinde sicherzustellen.

Die Wasserwerker der Stadtwerke Günzburg haben eine Notwasserversorgung für Bubesheim aufgebaut. Vom nahegelegenen Stadtteil Wasserburg führt nun eine etwa 500 Meter lange Verbindungsleitung zum Bubesheimer Sportplatz. Dort wird Trinkwasser aus Günzburg ins Trinkwassernetz von Bubesheim eingeleitet. Die Notversorgung wurde aufgrund des Donau-Hochwassers nötig. Die Stadt Leipheim versorgt seit einiger Zeit die Gemeinde Bubesheim mit Trinkwasser. Wenn Leipheim jedoch aufgrund von Überflutung die Flachwasserbrunnnen abstellen muss, fällt auch die Bubesheimer Versorgung trocken.
Bild: Bernhard Weizenegger

Mitarbeiter der Stadtwerke Günzburg brachten Fachwissen und Tatkraft ein, die Feuerwehr verlegte die aus dem Württembergischen eilends besorgten Rohre, das Gesundheitsamt stimmte zu. Für halbwegs Druck im Netz sorgte eine Anlage, die vom THW über den ganzen Zeitraum von vier Wochen betrieben worden war. Mittlerweile hat Bubesheim eine eigene Druckerhöhungsanlage gekauft, die aber letztlich nicht zum Einsatz kam. Welche Auswirkungen das Hochwasser im Mai in der Region hatte, lesen Sie hier: Und wieder steigen die Pegel

Wasserversorgung: Schuldvorwürfe gegen den Bürgermeister

In einer über einstündigen Diskussion arbeiteten die Gemeinderäte die vergangenen Wochen auf, Schuldvorwürfe wurden an den Bürgermeister adressiert, manche Wortmeldung scharf und persönlich formuliert. Auch die Gemeinderäte hatten sich in den letzten Wochen viel von erbosten Bürgern anhören müssen.

Zweiter Bürgermeister Rainer Finkel sprach Klartext: „Ohne Unterstützung von Günzburg hätte Bubesheim kein Wasser gehabt. Danke!“ Für den Dritten Bürgermeister Gerhard Sobczyk zählt nur eines: „Unsere Brunnen müssen schnellstmöglich wieder ans Netz. Sogar der Brandschutz war ja nicht mehr gegeben. In unserem Wasserhaus ist nicht alles Schrott!“

Thema Wasserhaus wird streng geheim behandelt

Noch unterliegt das Thema Wasserhaus strengster Geheimhaltung. Offiziell bekannt ist, dass Bubesheim einen Antrag an die Stadtwerke Günzburg gestellt hat, Wassergast zu werden. „Das wäre eine vertraglich gesicherte Notfallversorgung“, erklärte Sauter. Die dafür nötige, fest verlegte Leitung wird gerade vom Ingenieurbüro Degen geplant. Außerdem arbeitet das Büro an Varianten für eine Lösung der Wasserhaus-Problematik, die zwischen den Extremen „absoluter Schrott“ (Rainer Finkel) und „das kann nicht sein“ (Gerhard Sobczyk) liegt, erarbeitet werden.

Gemeinderat Harald Schaich wünscht sich in jedem Fall eine verbesserte Informationspolitik: „Der jeweils aktuelle Stand gehört doch auf die Bubesheim-Homepage!“ Um das Wasser-Thema am Ratstisch im Fluss zu halten, beantragte Gerhard Sobczyk vierzehntägige Gemeinderatssitzungen: „Wir treffen uns alle zwei Wochen und reden über das Wasser!“ Nächster Sitzungstermin wäre damit der 8. Juli.

„Aktuell sind die Brunnen okay, das Wasserhaus gesperrt, in Günzburg ein Antrag auf Wassergast gestellt. Wir haben wieder Wasser aus Leipheim und hoffen, dass kein Donau-Hochwasser kommt“, fasste Bürgermeister Walter Sauter den Stand Ende Juni zusammen.

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