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Mundart

09.02.2015

Gscheits Schwäbisch statt verhunzts Hochdeutsch

Karl Weichenmeier ging in seinem amüsanten Vortrag „Schwäbische Wortklaubereien“ auch auf die Anatomie des Schwaben ein.

Heimatforscher Karl Weichenmeier liebt seinen Dialekt, erzählt amüsant von seinem Wissen und testet auch gerne Zuagroiste

Muttersprachler aufgepasst: Kommat Se dau mit? „I han amal oin kennt kett / Der hat oina kennt kett / Dia hat a Kend kett / Des Kend hat se aber et vom Sella kett / Der hat nemme kennt kett / Sie hat no en andra kennt kett / Der hat no kennt kett / Von dem hat se des Kend kett / Und wenn se den net kennt kett hett / Nau hett se au des Kend nett kett.“ Na, alles verstanden? Glückwunsch, Se kennat oz guat Schwäbisch!

Mit solchen, durchaus nicht immer jugendfreien „schwäbischen Wortklaubereien“ wartete der Heimatforscher Karl Weichenmeier im Reisensburger Pfarrsaal auf. Etwa 100 Schwaben und Beuteschwaben kamen zu seinem Vortrag.

Hintergründiger Humor, gewitzte Geschichte und „Gschichtla“, liebenswürdige Lebenslyrik – mit dieser Mischung unterhielt und unter-richtete der Freihalder, der seit bald 50 Jahren in Reisensburg lebt, sein Publikum in seiner gewohnt ver-schmitzt-geistreichen Weise. Neu-deutsch würde man sagen: Es war Infotainment at its best!

Das dürften die jüngeren Leser checken – aber wissen sie auch, was sich hinter dem Wort „Dogganantl“ verbirgt oder was mit einem „saube-ra Mensch“ gemeint ist? Auch für Zuagroiste und Reigschmeckte ist die schwäbische Mundart mitunter ein Buch mit sieben Siegeln. Karl Weichenmeier testete Johannes Brocks, den Vorsitzenden des Reisensburger Pfarrgemeinderats, der in Kevelar an der holländischen Grenze aufgewachsen ist. Auch nach 53 Jahren im Schwabenland biss er sich an folgendem Satz die Zähne aus: „Dr Katzabaule flaggat auf’m Feaschtersemsa und foiggat mit dr Gaarabobbel.“ Auflösung: Der Kater liegt auf dem Fenstersims und spielt mit dem Garnknäuel.

Weichenmeier räumte ein: Das schwäbische Idiom „ist verwirrend und für einen Fremden auch kaum erlernbar, weil man die Feinheiten einfach nicht schreiben kann“. So hat zum Beispiel das schwäbische Wort „Maus“ gleich vier verschie-dene hochdeutsche Bedeutungen: 1. das Tier Maus 2. das Metermaß 3. eine Maß Bier und 4. ein Klecker-fleck, etwa auf der Krawatte.

Weichenmeier stellte auch Reisensburgs Pfarrer Heribert Singer auf die Probe: „Was isch a Gugg?“ Doch Singer, ein waschechter Kemnater, ließ sich nicht auf dem falschen Fuß erwischen: „A Gugg isch a Gschtaddl“, gab er schlagfertig zurück. Also eine Tüte.

Wie Pfarrer Singer sich seine Muttersprache bewahrt hat, so sollten auch die Eltern und Lehrer nicht krampfhaft versuchen den heimischen Dialekt zu unterdrücken, appellierte Weichenmeier: „Schwätzat Se bitte, bitte mit de Kendr liabr a gescheits Schwäbisch als a ver-hunzts Hochdeitsch!“ Was er damit meint, verdeutlichte er an einem Beispiel, dessen Ohrenzeuge er geworden ist. So sagte eine Mutter zu ihrem Kind: „Ich hab dir wollen einen Schoklad geben, aber du hast ihn nicht gemechtet.“

Und die Lehre aus der Gschicht? Weichenmeier: „Der Schwabe, der sich seine Mundart abgewöhnt, der verarmt!“

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