Newsticker
Bundes-Notbremse: Ausgangsbeschränkungen fallen weniger streng aus
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Günzburg braucht mehr bezahlbaren Wohnraum

Bürgerversammlung

11.11.2019

Günzburg braucht mehr bezahlbaren Wohnraum

In Günzburg sollen mehr bezahlbare Wohnungen entstehen. Das wünschen sich viele.
Foto: Alexander Kaya (Symbolbild)

In der Bürgerversammlung war das eines der Themen. Die ehemalige Behindertenbeauftragte monierte einiges - darunter die neuen Gehwege in der Altstadt.

Oberbürgermeister Gerhard Jauernig schloss mit den Worten: „Unsere Stadt bewegt sich.“ Was sich in Günzburg jüngst bewegt hat und was sich in naher Zukunft noch bewegen muss, das listete das Stadtoberhaupt in einer gut einstündigen Rede auf. Nicht weniger als 42 Seiten umfasste sein Manuskript, vorgetragen am Samstagnachmittag bei der gut besuchten Bürgerversammlung im Forum am Hofgarten. „Wir stehen auch weiter vor großen Herausforderungen“, bilanzierte Jauernig. Breiteren Raum bei der Fragerunde nahm das Thema „Barrierefreies Günzburg“ ein.

Die Zahl der Einwohner nimmt stetig zu. Mit entsprechenden Folgen. Es müsse vermehrt bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden, betonte der Oberbürgermeister, Kindergärten und Schulen müssten mit den nötigen Kapazitäten ausgestattet werden. Gleiches gelte für das Günzburger Alten- und Pflegeheim. Der geplante Um- und Ausbau der Heilig-Geist-Spitalstiftung sei zuletzt ins Stocken geraten, weil der Freistaat seine Förderrichtlinien noch nicht vorgelegt habe.

Am Auweg sollen 60 sozial gebundene Wohneinheiten entstehen

Mit einer Fülle von Projekten seien Verwaltung und Stadtrat erfolgreich bemüht, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. In der Innenstadt werde nachverdichtet, am Auweg sei ein Modellvorhaben mit bis zu 300 Wohneinheiten, davon 60 sozial gebunden, vorgesehen. Auch in den Stadtteilen seien neue Wohngebiete geplant, zur Schonung wertvoller Flächen vor allem auf Gewerbebrachen. Auch neue Ideen seien gefragt, betonte der Oberbürgermeister. So sei man mit den Betreibern von Supermärkten und Discountern in guten Gesprächen mit dem Ziel, auf den Dachflächen der Gebäude zusätzliche und bezahlbare Wohnungen zu schaffen.

Ein seit Jahren fortwährendes Dauerthema in Günzburg sind die (fehlenden) Parkplätze in der Innenstadt. Die Auslastung der Stellflächen oberirdisch und in den Tiefgaragen beweise das Gegenteil, erklärte Jauernig. „Mit dem neuen Parkleitsystem gehören diese Diskussionen der Vergangenheit an.“ Parkplätze seien keine Mangelware.

Rund um das Schloss wird einiges neu gestaltet

Ein architektonisches „Juwel“ erhalte die Stadt durch die millionenschwere Sanierung der Gebäude des Finanzamts am Schlossplatz. In der Folge dessen würden auch der Platz selbst und die verschiedenen Zugänge zu Hof- und Turniergarten neu gestaltet – als grüne und verkehrsberuhigte Zone an einem belebten Ort der Innenstadt. Zur Ehrlichkeit gehöre auch: „Die bisherigen Parkplätze werden wegfallen.“

In der Fragerunde wurde angemahnt, noch mehr für die Radler in Günzburg zu tun. Planer seien für 2020 beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten, um die Situation bei Radwegen, Abstellflächen und Ladestationen für E-Bikes zu verbessern, erklärte Jauernig. Günzburg habe sich zudem um das Förderprogramm „Fahrradstadt 2025“ beworben. Am Schopferler und in Wasserburg seien die Übergänge der Mittelschwabenbahn noch immer unbeschrankt und damit gefährlich, betonte ein Besucher der Bürgerversammlung. Die Stadt sei mit der Bahn im Dauergespräch, erwiderte der Oberbürgermeister, bis dato allerdings leider erfolglos.

Kritik an den neuen Laufbändern in der Altstadt

Doris Schwarz, die ehemalige Behindertenbeauftragte der Stadt Günzburg, verwies darauf, dass für Menschen mit Handicap noch mehr getan werden müsse. In den Stadtbussen müsse mehr Raum für Rollstuhlfahrer geschaffen werden, ebenso bei Veranstaltungen, etwa im Forum am Hofgarten. Die öffentliche Toilette am Landmann-Platz sei für Behinderte noch immer beschwerlich. Und die neuen Laufbänder, die in einem ersten Schritt in der Kapuzinergasse gepflastert wurden, hätten eine zu starke Innenneigung, weshalb Rollatoren oder Rollstühle abrutschen könnten. Oberbürgermeister Jauernig sagte zu, diese Hinweise in den künftigen Maßnahmenkatalog aufzunehmen. (kai)

Lesen Sie dazu auch:

Stadtwerke Günzburg können Wärme für den Auweg liefern

Am Auweg entsteht ein neuer Stadtteil für bis zu 1500 Günzburger

Das sind die nächsten Baustellen in Günzburg

Der Schlossplatz bekommt ein neues Gesicht

Umbau im Stadtschloss: So sieht es jetzt dort aus

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

11.11.2019

Selbst für nicht behinderte Menschen ist der Neigungswinkel des Laufweges in der Kapuzinergasse zu groß und unangenehm zu begehen - Günzburg wieder mal in Schieflage...
Aus dem Leitfaden Barrierefreies Bauen, Bundesministerium des Innern:
"Zur Abführung von Oberflächenwasser ist bei Wegen, neben der Längsneigung, in der Regel eine Querneigung erforderlich. Um ein seitliches Abdriften (siehe die Kritik von Frau Schwarz) von Rollstühlen zu verhindern, sollte die Querneigung vorzugsweise als Dachprofil oder Wölbung ausgebildet werden und bei vorhandener Längsneigung nicht mehr als 2 % betragen.
Je geringer die Querneigung ausgebildet ist, um so komfortabler ist die Nutzung mit Rollstühlen und Rollatoren. Je ebenflächiger der gewählte Belag, um so geringer kann die Querneigung ausgebildet werden, ohne die technisch notwendige Entwässerung zu gefährden - vgl. DIN 18040-3:2014-12, Kapitel 4.3"
Die Problematik ist also durchaus bekannt.
Behindertengerecht (!) Toiletten sind die Nadel im Heuhaufen in der Stadt, und die Begeh- bzw. Befahrbarkeit ist ohne Hilfe fast nicht möglich, vor allem für ältere und schwächere Personen im Rollstuhl.
Schön auch, daß jetzt Rollstuhlfahrer wenigstens bald ohne Barrieren eine Sightseeing-Tour durch die Altstadt (sofern sie problemlos dorthin kommen) machen können, um die Schaufenster zu betrachten - der Zugang zu Geschäften, Gastronomie und Arztpraxen (!) ist ihnen in vielen ja Fällen verwehrt, sie müssen leider draußen bleiben...
Abgesehen davon werden die neuen Laufwege gern von (oft rücksichtslosen) Fahrradfahrern und - es sei ihnen gegönnt- Damen mit elegantem Schuhwerk benutzt: wenigstens ein Erfolg!
Auch läßt die Gestaltung der Laufwege im Hinblick auf das historische Stadtbild sehr zu wünschen übrig, einen Blumentopf gewinnt die Stadt mit dieser unsensiblen Ausführung sicher nicht.
"Barrierefreiheit und Denkmalschutz stellen gleichberechtigte Anforderungen an die Bauaufgaben. Barrierefreiheit in einem historischen Kontext zu erreichen, erfordert die Suche nach kreativen, maßgeschneiderten Lösungen, die nicht zwangsläufig mit den Belangen des Denkmalschutzes in Konflikt treten müssen." So jedenfalls meint es das Bundesinnenministerium (Zitat aus dem Leitfaden Barrierefreies Bauen).


Permalink
Das könnte Sie auch interessieren