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Günzburg muss den Straßennamen ändern

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Kommentar Von Rebekka Jakob
14.02.2019

Was über Ludwig Heilmeyer bekannt geworden ist, kann nur dazu führen, dass die nach ihm benannte Straße in Günzburg einen anderen Namen bekommt.

„Heilmeyer war kein Vorbild.“ Dieses Resümee von Florian Steger ist eigentlich schon alles, was man wissen muss, um zu entscheiden, ob nach de Gründungsrektor der Uni Ulm eine Straße, ein Saal, oder auch nur irgendetwas im öffentlichen Raum benannt werden sollte. Die Umbenennung dieser bedeutenden Günzburger Straße ist nicht einfach. Sie kostet Geld, sie kostet Nerven, und sie betrifft sehr, sehr viele Menschen. Aber genau Letzteres macht sie unumgänglich. Unter der jetzigen Adresse Ludwig-Heilmeyer-Straße firmieren Kliniken und Mediziner, es spielen und lernen dort aber auch Kleinkinder in Betreuungseinrichtungen, wohnen Menschen dauerhaft oder auf Zeit. Das Arbeiten, Leben und Aufwachsen tausender Menschen unter einen Namen zu setzen, der mit Karrierismus um jeden Preis, mit rassistischen Einlassungen in Gutachten der Nachkriegszeit, mit einem Netzwerk von Medizinern des Nazi-Regimes in Verbindung steht, ist vorsichtig ausgedrückt keine gute Idee. Lesen Sie dazu auch: Für die Karriere schreckte Heilmeyer vor nichts zurück

Vor einigen Jahren hat die Stadt Günzburg den Christian-Frank-Weg umbenannt, nachdem neue Forschungsergebnisse den in Günzburg geborenen Geistlichen und Heimatforscher als überzeugten Nationalsozialisten und geistigen Wegbereiter der Euthanasie entlarvt hatten. Waren es in Günzburg nur wenige Anlieger, die von dieser Umbenennung betroffen waren, betraf die kurz zuvor in Kaufbeuren vorgenommene Änderung der Kurat-Frank-Straße deutlich mehr Anwohner und Firmen. Doch auch sie haben den „Umzug“ in die jetzige Heilig-Kreuz-Straße gemeistert.

Auch in Günzburg wird das gelingen. Alle, die jetzt noch unter dieser Adresse firmieren, sollten ein großes Interesse daran haben, den Ungeist Heilmeyers nicht länger in ihren Briefköpfen, auf Visitenkarten und Ausweisen zu tragen. Die Erinnerung an die grausamen Tage der „„Aktion T4“ in Günzburg, als Patienten der Heil- und Pflegeanstalt in Tötungsanstalten verlegt wurden, und den grausamen Taten eines Josef Mengele liegt bereits ein Schatten auf Günzburg und seine Medizinische Vergangenheit. Mit der Entfernung Heilmeyers aus dem Stadtbild kann es vielleicht ein wenig heller werden. Am kommenden Montag in der Stadtratssitzung kann es deshalb nur eine Entscheidung geben.

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