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Günzburg

19.09.2019

Günzburg, seine Bürger und die Kultur

Museumsleiter Raphael Gerhardt und Kulturamtsleiterin Karin Scheuermann haben sich auf Spurensuche in ihrer neuen Wirkungsstätte Günzburg begeben: „Bürger machen Kultur“ heißt die Veranstaltungsreihe, die daraus entstanden ist. In der Ausstellung, die demnächst im Museum eröffnet wird, stehen dabei die Menschen im Mittelpunkt, die im 19. Jahrhundert in Günzburg gelebt haben.
Bild: Rebekka Jakob

Unter dem Titel „Bürger machen Kultur“ geht es in Günzburg um die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Stadt. Das 19. Jahrhundert spielt dabei eine zentrale Rolle.

Es wird noch kräftig gebaut an der Günzburger Kultur – noch befindet sich zumindest die Ausstellung „Bürger machen Kultur“ im Heimatmuseum im Aufbau, Eröffnung ist erst am 13. Oktober. Was hier schon in den Vitrinen und Schaukästen liegt, lässt aber erahnen, worum es gehen wird: Menschen, die im 19. Jahrhundert in Günzburg lebten, bilden den Mittelpunkt. Zumindest rechtlich gesehen waren die damals etwa 4000 Einwohner des Städtchens nicht alle Bürger, erklärt Museumsleiter Raphael Gerhardt. „Etwa 500 Menschen hatten dieses Privileg und dafür auch bezahlt.“

Wer sind eigentlich diese Günzburger Bürger?

Wer waren sie also damals, diese Günzburger Bürger, und wer sind sie heute? Gerhardt und Kulturamtsleiterin Karin Scheuermann, die beide im vergangenen Jahr mit der Arbeit in Günzburg begonnen haben, stellten sich diese Frage zu Beginn ihrer Tätigkeit. „Wir wollten wissen, wie die Günzburger Kultur tickt, welche Rolle Stadt, Vereine und ehrenamtlich tätige Bürger dabei spielen“, sagt Karin Scheuermann. Das neue Projekt „Bürger machen Kultur“, das aus diesen Fragen entstanden ist, dient also gleich mehreren Zwecken: Die beiden „Neuen“ im Günzburger Kulturbetrieb fühlen sich in ihr Umfeld ein – und die Menschen, die bereits mitten drin sind, kommen zusammen, um das Kulturangebot in der Stadt noch weiter zu entwickeln. Und natürlich kann man eine Reihe von Angeboten – als Günzburger Bürger, aber natürlich genauso als Zugereister – einfach genießen.

Video-Projektionen beim Forum und im Brunnen

Zum Start der Reihe meldet sich der Kunstverein Off-Art zu Wort – mit einer Ausstellung im Forum am Hofgarten, die am Donnerstag, 26. September, (19 Uhr) Vernissage feiert. Frische Werke der Mitglieder, zum Teil zu gesellschaftskritischen Themen, werden gezeigt. Eine Besonderheit sind zwei Lichtinstallationen: Videoclips werden auf die Wand des Hotels neben dem Forum, aber auch auf den Pusteblumen-Brunnen auf dem Platz davor projiziert.

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Einen Tag nach der Vernissage, am Freitag, 27. September, befasst sich der renommierte Wissenschaftler Manfred Hettling von der Martin-Luther-Universität Halle mit der Frage: Wollen wir überhaupt noch Bürger sein? Der gebürtige Ulmer skizziert in seinem Vortrag (ab 19 Uhr im Forum am Hofgarten) die Entstehung des bürgerlichen Lebensmodells.

„Wir machen Kultur!“ heißt es dann am Samstag, 28. September, von 14 bis 17 Uhr bei einem Workshop im Forum. Die Stadt hat dazu Vertreter von Kultur- und Bildungseinrichtungen zum Austausch eingeladen. Karin Scheuermann: „Wir wollen dabei auch Themen herausfiltern, die in weiteren Workshops vertieft werden können.“

Stadt Günzburg zeichnet erstmals Kulturschaffende aus

Eine Reihe Günzburger Kulturschaffender werden dann am 9. Oktober besonders in den Mittelpunkt rücken: Erstmals zeichnet die Stadt Menschen für außerordentliche Leistungen im Kulturbereich aus. Die Preisträger werden noch nicht verraten, Karin Scheuermann sagt aber: „Es wird sehr musikalisch werden.“

Ihre Premiere feiert die Ausstellung „Bürger machen Kultur. Günzburg im 19. Jahrhundert“ dann am 13. Oktober. Ein Zeitraum, der aus mehreren Gründen gewählt wurde, sagt Raphael Gerhardt: „Aus dieser Zeit gibt es sehr viele Objekte im Bestand des Museums – und dazu sehr viele spannende Geschichten.“ Als Jahrhundert des Bürgertums ist diese Phase ebenfalls wie geschaffen für die Ausstellung, die aus dem Leben der Günzburger jener Zeit erzählt – von den Mitgliedern des Theatervereins über den Kunst sammelnden Arzt Albert Haug, der DaVincis Madonna mit der Nelke in seinem Haus aufgehängt hatte bis hin zum komponierenden Pfarrer.

Um 1860 eröffnete in Günzburg das erste Fotostudio

Begrüßt werden die Besucher der Ausstellung von gemalten Porträts – aber auch von zeitgenössischen Fotografien. Gerhardt: „Um 1860 machte in Günzburg das erste Fotoatelier auf – und ermöglichte damit auch den Bürgern, sich porträtieren zu lassen.“ Die Fotografien sind ebenso Ausdruck des aufsteigenden Bürgertums wie die Städtischen Anlagen, jener vor einigen Jahren wieder zu Glanz gebrachter Bürgerpark, der ebenfalls im 19. Jahrhundert entstanden ist.

Flankiert wird die Ausstellungseröffnung von der Stadtführung „Orte der Kultur“ mit Stefan Baisch zu historischen Orten in der Stadt. Drei Sonderführungen durch die Ausstellung sind ebenfalls während des Öffnungszeitraums bis April 2020 vorgesehen: Raphael Gerhardt befasst sich mit den Bürgerinnen und ihrer Rolle im Stadtleben, Rudolf Kombosch beleuchtet die Wohnkultur der Epoche und wiederum Stefan Baisch greift die Kunst der Nazarener auf.

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