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Tag der Tropenwälder

13.09.2020

Günzburger Verein und Schauspieler kämpfen unermüdlich gegen Zerstörung des Urwalds

Bernhard Lohr (links) und Michael Mendl vor sieben Jahren bei Dreharbeiten zum zweiten gemeinsamen Dokumentarfilm über Regenwälder. Damals waren der Günzburger Biologe und der in Berlin lebende Schauspieler auf Borneo. Jetzt ziehen sie Bilanz – nach zuletzt aufrüttelnden Berichten der Leopoldina und des WWF.

Plus Seit 1989 wird am 14. September auf die Zerstörung der Tropenwälder hingewiesen. Das tut ein Günzburger Verein ständig. Was Bernhard Lohr und Schauspieler Mendl sagen.

Um die biologische Vielfalt war es noch nie so schlecht bestellt wie heute. Das ist das alarmierende Fazit des sogenannten Living Planet Report, den die Naturschutzorganisation WWF vor wenigen Tagen veröffentlicht hat. Danach gibt es in einem Zeitraum von 46 Jahren (die Werte beziehen sich auf die Jahre von 1970 bis 2016) 68 Prozent weniger Säugetiere, Reptilien, Vögel oder auch Fische.

Bernhard Lohr, der Vorsitzende des Vereins Faszination Regenwald, warnt schon lange vor der Zerstörung der Tropenwälder, auf die seit über 30 Jahren am 14. September besonders hingewiesen wird.

Im Schatten der Corona-Krise steigen die Abholzungsraten in Amazonien „leider dramatisch weiter an“, bedauert er. Und auch in den Diskussionen um den Klimawandel, die vor Corona verstärkt geführt worden sind, „kommt das Artensterben zu kurz. Dabei hängen Artenvielfalt, Klimawandel und Abholzung der Regenwälder ja unmittelbar zusammen“, sagt Lohr.

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Günzburger Verein erhält Unterstützung von Schauspieler Michael Mendl

Mit dem befreundeten Schauspieler Michael Mendl macht er zum Tag der Tropenwälder am 14. September darauf aufmerksam, „dass sich der Planet durch den Artenschwund deutlich schneller verändern wird als durch ein sich wandelndes Klima.“

Der Wissenschaftler und Arzt Dr. Dr. Bernhard Lohr setzt sich seit Jahren für den Erhalt des Regenwaldes ein.
Bild: Xxx

Der promovierte Biologe und Arzt Lohr und Charakterdarsteller Mendl fordern, das Artensterben zu stoppen – regional und global. Es müsse einen radikalen Kurswechsel im Umgang mit der Natur geben. Sie berufen sich dabei auf ein Diskussionspapier der Nationalen Akademie der Wissenschaften, Leopoldina, vom Mai. Darin werden für Deutschland eklatante Versäumnisse beim Artenschutz beschrieben.

Mendl wird emotional, als er feststellt: „Seit knapp 20 Jahren setze ich mich gemeinsam mit dem Günzburger Verein Faszination Regenwald dafür ein, dass endlich wahrgenommen wird, dass mit der Vernichtung der tropischen Regenwälder ein bisher nicht gekanntes Artensterben einhergeht.“

Bernhard Lohr und Michael Mendl drehten 2003 den ersten gemeinsamen Film

2003 bereits haben Lohr und Mendl in ihrem ersten gemeinsamen Film thematisiert, dass Deutschland durch den Import von Soja-Futtermitteln für die Massentierhaltung indirekt für die Rodung von einer Million Hektar tropischen Regenwaldes mit verantwortlich ist. Bestätigt sieht sich Mendl durch den Bericht der Leopoldina, der ein düsteres Bild über den Zustand der Erde aufzeigt.

Im August wüteten viele Brände im brasilianischen Regenwald. Auch nach dem Verbot des Abbrennens von Flächen registriert das brasilianische Amazonas-Gebiet immer noch eine hohe Zahl an illegalen Bränden.
Bild: Andre Penner/dpa

Demnach sind rund eine Million der acht Millionen auf der Erde vorkommenden Arten in ihrer Existenz bedroht. Das Artensterben betrifft aber bei Weitem nicht nur die Tropen, zeigt sich der Schauspieler bestürzt: „Auch hierzulande befinden sich 69 Prozent der Lebensräume in einem beklagenswerten Zustand.“

Bei seinen Besuchen in Günzburg falle ihm immer wieder auf, „dass es kaum noch blühende Wiesen gibt. Auf den meisten Flächen wird intensive Landwirtschaft betrieben.“ Dies gelte natürlich nicht nur für Bayerisch-Schwaben, sondern für große Teile Deutschlands.

Verlust an Insekten und Vögeln geht auf intensive Landwirtschaft zurück

Da sei es kein Wunder, dass die Biomasse an Insekten und in Folge die Zahl und Vielfalt an heimischen Vögeln immer weiter abnehme, so der Schauspieler weiter. „80 Prozent des Biodiversitätsverlustes gehen auf die intensive Landwirtschaft zurück“, zitiert Lohr aus dem Bericht der Leopoldina.

Blick auf ein abgeholztes Waldstück in der Mitte eines Waldgebietes im Amazonasgebiet.
Bild: Victor R. Caivano/dpa

Medien produzierten in den vergangenen Wochen und Monaten als Reaktion auf die wissenschaftlichen Beobachtungen vermehrt Schlagzeilen. „Mehr als 500 Landwirbeltiere akut bedroht“ und „Umweltschützer beklagen massiven Urwaldverlust“, waren, wie Lohr erwähnt, zwei Berichte auf Spiegel online am 3. Juni überschrieben. Am selben Tag verlieh die Bild-Zeitung dem tropischen Regenwald den Titel „Verlierer des Tages“.

Wenige Tage zuvor hatte der Günzburger Grünen-Stadtrat und Kreisrat Lohr am Bahnhofs-Kiosk die Ausgabe von National Geographic gekauft, die auf ihrer Titelseite ein Potpourri an unterschiedlichen Insekten zeigt und in großen Lettern feststellt: „Wir werden sie vermissen, wenn sie alle gegangen sind.“

Bernhard Lohr und Michael Mendl drehten zwei Regenwald-Filme

„Wenn es nicht viel zu traurig wäre, könnte ich sagen: Endlich wird das wahrgenommen, was wir seit vielen Jahren in Vorträgen, Filmen und Veranstaltungen immer wieder versucht haben, deutlich zu machen: Nämlich dass mit dem durch Menschen verursachten globalen Massensterben von Tier- und Pflanzenarten das verspielt wird, was unsere kleine Erde so einzigartig macht. Und diese Einzigartigkeit ist nun mal die Vielfalt des Lebens! Mit dem Schauspieler Michael Mendl habe ich zwei Regenwald-Filme gedreht, einzig mit dem Ziel, zu veranschaulichen, dass mit der Vernichtung der tropischen Regenwälder ein wahnsinniger Verlust an Artenvielfalt einhergeht.“

2013 fand die erste Regenwald Nacht im Kongress am Park statt, von links. Bernhard Lohr, Diana Damrau, Michael Mendl.
Bild: Silvio Wyszengrad (Archivfoto)

Bernhard Lohr stellt sich die Frage, warum die ganze Mühe von ihm, seinen Stellvertretern im Verein, Birgit Fahr und Kurt Schweizer, und Michael Mendl überhaupt betrieben wird? „Birgit ist Lehrerin, Kurt Personalmanager, Michael Schauspieler und ich Arzt. Wir verdienen unsere Brötchen mit oder ohne Regenwald, könnte man meinen. Was uns eint, ist der Gedanke, dass die Menschheit derzeit Unwiederbringliches vernichtet, dessen Entwicklung Jahrmilliarden gedauert hat. Eine einmal ausgestorbene Art kann durch keine Macht des Universums wieder zurückgeholt werden.“

Schauspieler Michael Mendl ist hoffnungslos

Michael Mendl zieht eine ernüchternde Bilanz: „Früher war ich hoffnungslos. Ich bin es noch zum größten Teil“, sagt er am Telefon zu unserer Zeitung. Wenn man erlebe, wie der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro mit den Regenwäldern in seinem Land umgehe, bleibe nur noch Furcht und Ohnmacht.

Ein Waldstück im Amazonas-Gebiet steht in Flammen.
Bild: Fernando Souza/dpa

„In vier Jahren werde ich 80, dann habe ich mehr als zwei Drittel meines Lebens hinter mir – und die Folgen der Zerstörung könnten mir egal sein“, sagt er und fährt fort: „Aber weinen darf ich bis zu meinem Tode und die Tränen meinen Kindern weitervererben.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Till Hofmann: Zerstörung des Regenwalds trifft natürlich auch uns

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