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Zeitgeschichte

23.01.2019

Günzburgs Stadtpfarrer soll unvergessen bleiben

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Pfarrer Adam Birner wurde nur 43 Jahre alt.

Adam Birner starb am Ostersonntag 1941 als Gefangener der Gestapo. Wie nun in Augsburg an den Domprediger erinnert wird.

Eine Gedenktafel und ein Straßenschild – das sind die sichtbaren Erinnerungen, die es in Günzburg an Pfarrer Adam Birner gibt. Ab dem heutigen Mittwoch wird auch in Augsburg an den Geistlichen erinnert, der an Ostern 1941 als Gefangener der Gestapo ums Leben kam. In der Peutingerstraße, in Sichtweite des Doms, zeugt ab jetzt ein Erinnerungsband vom Leben und Tod des Pfarrers. Zu verdanken ist das dem Realschullehrer Albert Eichmeier. Er wird heute Nachmittag zusammen mit seinen Schülerinnen der Agnes-Bernauer Realschule die kleine Feier zur Enthüllung gestalten. Für ihn hat Adam Birner eine besondere Bedeutung.

Der Günzburger Stadtpfarrer steht in einer Reihe von Menschen, die in Augsburg durch die Gräuel der Nazis ums Leben gekommen sind. Die bürgerschaftliche Initiative Erinnerungswerkstatt Augsburg hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Menschen nicht vergessen zu lassen. Dabei ist es nicht entscheidend, aus welchem Grund sie verfolgt und getötet wurden – ob als „gemeinschaftsfremde“, Homosexuelle, Jenische, Juden, Kranke, politisch Verfolgte, Sinti und Roma – oder wie Pfarrer Birner als streitbarer geistlicher. Nikolaus Hueck, Mitglied des Sprecherrats: „Wir sind kein Verein, sondern eine Initiative, die sich regelmäßig trifft. Menschen, die an die Opfer des Holocaust erinnern möchten.“

In Augsburg gibt es zwei Varianten

Die Form des Gedenkens sei dabei lange diskutiert worden. „Stolpersteine“, also in den Boden eingelassene Gedenksteine, gab es bereits in anderen Städten. „Die jüdischen Gemeinden lehnen diese Form der Erinnerung an Gläubige jedoch ab“, sagt Hueck. Deshalb habe man sich in Augsburg dafür entschieden, zwei Varianten zu ermöglichen: Stolpersteine oder Gedenkbänder, die an Pfosten in Augenhöhe angebracht werden.

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Hueck: „In der Regel entscheiden die Nachfahren über die Form. Wenn es keine Nachfahren gibt, orientieren wir uns an der Gruppenzugehörigkeit.“ Aus diesem Grund wird auch die Erinnerung an Adam Birner in Form des Bandes erfolgen, das Albert Eichmeier und seine Schülerinnen gestiftet haben. Wie die meisten Stifter hat auch Eichmeier über das Leben des Menschen geforscht, an den er nun erinnern möchte.

Birners Konfliktakte ist die einzige mit tödlichem Ausgang

Dass der Lehrer für Mathematik, Geschichte und katholische Religionslehre ausgerechnet den ehemaligen Domprediger Birner ausgewählt hat, liegt nicht nur an seiner Fachkombination. Eichmeier sagt im Gespräch mit unserer Zeitung dazu: „Christen und Juden sollten eine gemeinsame Leidensgeschichte haben, anstatt dass die Leidensgeschichte der einen durch die anderen verursacht ist. Nichts verbindet so stark als eine gemeinsame Leidensgeschichte.“ Aus diesem Grund suche er seit Jahren nach den Lebensgeschichten von Christen, die unter dem NS-System unter die Räder gekommen sind.

Im Staatsarchiv München sind alle Konfliktakten bayerischer Pfarrer in der NS-Zeit aufbewahrt. „Das sind immerhin fast 2000 Akten“, sagt Eichmeier. Die meisten Konflikte endeten jedoch mit Verwarnungen oder Geldstrafen. Die einzige Augsburger Konfliktakte mit tödlichem Ausgang für einen Pfarrer sei die Birners gewesen. Als er vor zwei Jahren als Lehrer nach Augsburg gekommen sei, habe er sich sofort auf die Suche nach Spuren gemacht. Auch Berichte aus der Günzburger Zeitung halfen Eichmeier dabei – „Mord am Ostersonntag ist noch immer ungesühnt“ lautete die Überschrift des Berichts, der für den Religionslehrer und seine Klasse zur Grundlage ihrer Arbeit über Adam Birner wurde.

Ein Vortrag in der Krypta des Augsburger Doms

An der Enthüllung des Erinnerungsbandes für Dr. Adam Birner werden auch Günzburger teilnehmen – der Vorsitzende des Historischen Vereins, Stadtrat und Pfarrgemeinderatsvorsitzender von St. Martin in Günzburg, Stefan Baisch, wird in der Krypra des Augsburger Doms über den ehemaligen Stadtpfarrer sprechen. Schülerinnen der Agnes-Bernauer-Realschule tragen die Lebensgeschichte des Pfarrers vor.Außerdem verlesen sie ein Gedicht zur Leidensgeschichte des Adam Birner, verfasst 2002 vom Günzburger Gymnasiallehrer Josef Baumeister. Was Albert Eichmeier in seinem Bemühen, Christen und Juden zu einen, besonders freut, ist die Tatsache, dass Benigna Schoenhagen, ehemalige Leiterin des Jüdischen Kulturmuseums, an der Enthüllung teilnehmen wird.

Die Lebensgeschichten sind hier nachzulesen.

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