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Handball
10.10.2021

Der VfL Günzburg zeigt Angsthasenhandball

Der Schmerz sitzt tief: Fassungslos reagieren die Günzburger Handballer auf die soeben erlittene, unnötige Heimniederlage.
Foto: Ernst Mayer

Ohne Not verliert der VfL Günzburg das Drittliga-Heimspiel gegen den TSV Neuhausen. Trainer Gábor Czakó spricht vom „schwärzesten Tag“. Nicht nur er ringt um Worte.

Lange musste Gábor Czakó überlegen, was er zu diesem in jeder Hinsicht missglückten Auftritt seiner Handballer sagen sollte. Die 60 Minuten im Drittliga-Heimspiel gegen den TSV Neuhausen hatten den Trainer des VfL Günzburg sprachlos zurückgelassen. Nie zuvor lag der erste Sieg in der laufenden Runde in derart greifbarer Nähe, doch nie zuvor boten die Weinroten eine derart mutlose Vorstellung. Das 23:26 (15:13) gehört auf jeden Fall in die Schublade der unnötigen und ärgerlichen Pleiten. Als er seine Worte wiedergefunden hatte, sagte Czakó, dieser 9. Oktober 2021 sei „der schwärzeste Tag, seit ich hier in Günzburg bin.“

Ein Plan, der im Moment nicht aufgeht

Leid tat es ihm für seine Spieler, die diesmal, warum auch immer, ihre gewohnte Leistung nicht einmal ansatzweise abrufen konnten. Das Team wirkte zudem wie ein Mischmasch aus Einzelteilen, denen jegliche Struktur abgeht. Mit einer Unmenge an Personal- und Positionswechseln trug Czakó womöglich seinen Teil bei, innere Strukturen oder gar ein festes Gerüst erst gar nicht aufkommen zu lassen. Er selbst argumentierte, die pausenlosen Rochaden seien Teil des Günzburger Plans, stets ein hohes Tempo zu gehen. Er räumte freilich ein: „Vielleicht ist das ein bisschen zu hoch für uns im Moment. Aktuell können wir das leider nicht mit weniger Fehlern darstellen.“

Wäre dies das einzige Manko geblieben, hätten es die Weinroten womöglich kompensieren können. Körpersprache, Abschlussqualität, Abwehrkompetenz – nichts davon passte in diesem Heimspiel gegen einen Kontrahenten, der bei aller Wertschätzung auf gar keinen Fall bessere Handballer in seinen Reihen hat als der VfL Günzburg.

400 enttäuschte Fans in der Rebayhalle

Leid tat es Czakó auch für die ohnehin nur 400 Fans in der Rebayhalle, denen der Schreck derart in die Kehlen fuhr, dass von echter Heimspiel-Atmosphäre diesmal nur in Spurenelementen die Rede sein konnte.

Was in keiner Weise als Vorwurf ans Günzburger Publikum gedacht ist. Fans müssen schon einen Anlass finden, um sich für eine Sache zu begeistern. Und dieser oft entscheidende Funke fehlte diesmal. Mehr noch: Die Weinroten boten ihrem Anhang diesmal keinen wirklichen Grund, schon bei der allernächsten Gelegenheit, dem Kellerduell gegen den TSV Blaustein am 23. Oktober, wiederzukommen.

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Ursachenforschung

Zu den maßlos Enttäuschten zählte VfL-Abteilungsleiter Torsten Zofka. Wie so viele andere rang er mit versteinerter Miene um Erklärungen, ehe er mangels vorhandener Fachbegriffe das Wort „Angsthasenhandball“ verwendete. Über das Warum konnte auch er nur spekulieren, machte aber deutlich, er hoffe geradezu, dass die Ursache in den Köpfen der Spieler steckt, die trotz guter Vorstellungen im bisherigen Saisonverlauf einfach keine Ernte in Form von sportlichen Erfolgen einfahren konnten. Und wenn nicht? „Dann müssten wir im personellen Bereich nach Ursachen suchen, obwohl wir da keine Probleme haben dürften. Vom Kader her sind wir in dieser Dritten Liga eine Mittelfeldmannschaft. Aber wir bringen es einfach nicht auf die Platte.“

Drei Spieler zeigen gute Leistungen

Dabei schien es zunächst gar nicht mal so schlecht zu laufen. Nach einem Durchhänger in der Anfangsphase – bis zum 0:3 (8.) hatten die Hausherren keinen einzigen gezielten Abschluss hingekriegt – machten sich die VfL-Jungs immerhin halbwegs munter ans Werk. Gestützt auf einen überragend haltenden Torwart Patrick Rösch, einen vom Siebenmeterstrich tadellosen Sergi Alá Sánchez und einen beinahe nach Belieben aus dem Rückraum treffenden Manuel Riemschneider holten sie den Rückstand nicht nur auf, sie wandelten ihn sogar in einen Zwei-Tore-Vorsprung zur Pause.

Dumm nur, dass sie in den zweiten Durchgang ähnlich lethargisch starteten und diesmal keine Wende mehr herbeiführen konnten. Aus dem schönen 15:13 wurde während einer bitterbösen Viertelstunde ein 18:20. Ja, die Weinroten holten den Rückstand noch einmal auf und das Resultat blieb bis in die Schlussminute knapp, doch den Fachleuten im Publikum war bereits kurz nach Wiederbeginn klar, dass aus dem ersten Saisonerfolg für diesmal wieder nichts werden sollte. Czakó sagte später an diesem tristen Samstagabend noch: „Mit einer guten, nicht einmal überragenden Leistung hätten wir diesen Gegner schlagen könne. Das haben wir verpasst.“

Trainer verhehlt seine Ratlosigkeit nicht

Eine gewisse Ratlosigkeit konnte und wollte Czakó weder in seiner Mimik noch in seinen Worten verhehlen. Der konkreten Frage, wie er seine Zukunft als Chefcoach sieht, wich er aus. Das muss nichts heißen; im ersten Moment nach sportlichen Tiefschlägen sind schon viele unüberlegte, gar dumme Dinge gesagt und getan worden. Dass sich etwas ändern muss beim VfL Günzburg, liegt aber spätestens jetzt auf der Hand. Andernfalls müssen die Macher demnächst mit den Planungen für die Bayernliga beginnen.

So haben sie gespielt

VfL Günzburg Bieber, Rösch, Langhans – Pfetsch (1), M. Jahn, S. Jahn (1), Buck, Tóth, Hermann (1), Meye (2), Jensen (1), Alá Sánchez (6/4), Köppel, Jäger (2), Alves (3), Riemschneider (6)

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