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Justiz in Günzburg

17.05.2015

Hat ein Landwirt eine Elfjährige missbraucht?

Ein 31-jähriger Landwirt soll ein elf Jahre altes Mädchen mehrfach missbraucht haben. Er muss sich vor dem Günzburger Schöffengericht verantworten.
Bild: Alexander Kaya

Weil er ein Mädchen mehrfach sexuell missbraucht haben soll, steht ein 31-Jähriger vor dem Günzburger Schöffengericht. Ein Urteil ist noch nicht so bald zu erwarten.

„Sie erschrickt schon, wenn der Traktor fährt“, sagt Nebenklagevertreter Rechtsanwalt Reinhard Metzger. Dass in einem Dorf des Landkreises ein elfjähriges Mädchen sich so ängstigen muss, hat laut Staatsanwalt ein 31-jähriger Landwirt zu verantworten, der das Kind mehrfach sexuell missbraucht haben soll.

Das Urteil verzögert sich wohl um ein halbes Jahr

Der Mann stand wegen Nötigung, vorsätzlicher Körperverletzung und sexuellem Missbrauch vor dem Günzburger Schöffengericht. Mit dem Urteil wird es aber noch dauern, ein halbes Jahr nach Einschätzung des Vorsitzenden Richters Walter Henle.

Das Gericht hat nämlich beschlossen, die Schuldfähigkeit des Angeklagten von einem Gutachter beurteilen zu lassen und auch ein Gutachten über die Glaubwürdigkeit der Aussage des Mädchens einzuholen. Um dem Kind beim nächsten Gerichtstermin die Vernehmung und damit „eine weitere Traumatisierung“ (Henle) zu ersparen, könnte auch die Videovernehmung des Mädchens bei der Kriminalpolizei herangezogen werden.

Der Landwirt zeigt sich uneinsichtig

Der Landwirt war nicht begeistert, als er hörte, dass seine Begutachtung womöglich auch einen stationären Aufenthalt erfordern könnte: „Das geht ja gar nicht!“, sagte er. Auch dass künftig jemand anders beispielsweise aufs Feld muss, weil der 31-Jährige auf keinen Fall mehr bei dem im selben Dorf wohnenden Mädchen vorbeifahren darf, empfand der Mann als Zumutung.

„Ich kann doch nicht immer außenrum fahren“, sagte er, „und ich kann doch nicht mit der Gülle durch die Siedlung fahren.“ Der Vorsitzende des Schöffengerichts konterte: „Wer fährt Gülle, wenn Sie in Haft sind?“ Rechtsanwalt Reinhard Kohl, Verteidiger des Angeklagten, redete seinem Mandanten gut zu: „Es geht um Ihren Selbstschutz.“

Henle mahnte den Landwirt eindringlich: „Lassen Sie die Finger von dem Mädchen!“ Auch von Verdunkelungsgefahr und den Voraussetzungen für Untersuchungshaft sprach Henle. Bei weiteren Kontaktversuchen, kündigte Nebenklagevertreter Metzger an, werde er einen Gewaltschutzantrag stellen.

Die meisten Übergriffe sollen auf dem Hof passiert sein

Die heute Elfjährige hatte laut Anklage zwischen ihrem neunten und zehnten Geburtstag mehrfach unter den Übergriffen des ledigen Landwirts zu leiden. Von Zungenküssen über Berührungen im Intimbereich des Kindes, das er gegen dessen Willen bei mehreren Fällen ausgezogen hatte, bis zum versuchten Geschlechtsverkehr war in der Anklage die Rede. Mal habe der Mann das Kind mit beiden Armen festgehalten und es so am Weglaufen gehindert, mal habe er die Hände des Kindes festgehalten und die Ablehnung „Ich will das nicht“ ignoriert.

Die meisten Übergriffe auf das Mädchen hat der Landwirt laut Anklage auf seinem Hof gemacht, mal im Heu oder auf Milchpulversäcken, mal im Wäldchen neben der Maschinenhalle. Außerdem berichtete der Staatsanwalt von einem Vorfall aus dem Herbst 2013, wo der Angeklagte im Haus eines Mannes in der nahegelegenen Stadt versuchte, mit dem Mädchen Geschlechtsverkehr auszuüben. Als das Kind badete, soll der Angeklagte es auch in der Badewanne belästigt haben.

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