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Handel- und Gastro-Serie (13)

23.12.2020

Helmut Kohl war im Leipheimer Gasthaus "Zur Post" gerne Gast

Rüdiger Greb (links) führt mit seiner Tochter Sabrina Braun (Mitte) das Hotel und Gasthaus „Zur Post“ in Leipheim. Im Unternehmen sind auch Brauns Mann Robert (links neben ihr), ihre Schwester Isabell Fichtl (rechts) und Mutter Dorothee Greb.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Unterhalb des Schlosses und direkt an der Bahnlinie liegt in Leipheim das Hotel und Gasthaus „Zur Post“. Auf ein Ereignis ist der Senior-Chef besonders stolz.

Einzelhändler, Gastronomen/Hoteliers und „Lebensmittelhandwerker“ wie Bäcker und Metzger machen eine Innenstadt und ein Dorf lebendig. Doch schon vor Corona haben viele um die Zukunft gekämpft, vielerorts haben Betriebe mangels Nachfolger schließen müssen. Corona hat die Probleme verschärft. In einer Zeit, in der durch das Virus und seine Folgen Innenstädte und Dörfer weiter auszubluten drohen, will unsere Zeitung einen Kontrapunkt setzen und über die berichten, bei denen die Nachfolge geregelt ist. So heißt unsere Serie auch, der Einfachheit halber auf Überbegriffe fokussiert: „Handel und Gastronomie mit Zukunft“.

Die Lage direkt neben einer Bahntrasse kann von Vorteil sein – Stichwort Verkehrsanbindung. Sie kann aber auch ein großes Problem darstellen – Stichwort Lärm. Und tatsächlich habe es früher nicht wenige Gäste gegeben, die sich über den Krach beschwerten, sagt Sabrina Braun vom Hotel und Gasthof „Zur Post“ in Leipheim. Als sich die Familie auf die Suche nach einem Motto für das Haus machte, fiel die Entscheidung, kein Legoland-Märchenhotel zu werden, sondern ein Eisenbahnhotel – ein guter Kniff, wie sich zeigte. „Die Beschwerden wurden deutlich weniger und seither bekommen wir sogar Anfragen von Eltern, ob wir noch ein Zimmer zur Bahnseite hin frei haben, weil die Kinder so gerne Züge beobachten“, erzählt die 40-Jährige und schmunzelt.

Seit 1957 ist die "Post" in Familienbesitz

Früher war hier das Postamt, es gab auch einen Gastraum und einen Saal. Zusammen mit der Bahnlinie sei das Gebäude errichtet worden, erklärt Vater Rüdiger Greb, 66. Seine Eltern wiederum – die Familie war aus der Slowakei vertrieben worden – hatten es 1957 gepachtet, ein paar Jahre später gekauft und dann nach und nach vergrößert. 1983 übernahmen Greb und seine Frau Dorothee, 64, und ergänzten unter anderem die Konferenzräume. Zunächst lag der Schwerpunkt auf Monteuren und Reisenden der nahen Autobahn, als Legoland kam, wurde umgebaut und modernisiert. Heute sind die Gäste des Freizeitparks eine nicht mehr wegzudenkende Kundschaft.

Es gibt Gasträume für 20 bis 100 Personen, wenn alles belegt ist, können 250 Menschen bewirtet werden, hinzu kommt der Biergarten. Es gibt 42 Zimmer, seit 2012 wurden diese sowie die Gasträume renoviert. Just in diesem Frühjahr war das Projekt abgeschlossen – „und wir mussten wegen Corona schließen“, bedauert Sabrina Braun. Das Mitnehmgeschäft sei da noch besser gelaufen als jetzt, es war neu. Heute ist der Sonntag der Haupttag. Aber es werden auch Schule und Kindergärten beliefert, ein paar Senioren werden ebenfalls versorgt. Und seit April gehören Märkte in Leipheim und Günzburg dazu, wo verkauft wird, was nur noch kurz warm gemacht werden muss – übrigens auch Vegetarisches. Das komme bei den Leuten so gut an, dass es auch nach Corona beibehalten werden soll. „Man sollte eben breit aufgestellt sein“, sagt Sabrina Braun. Und ihr Vater ergänzt, dass man vor der Pandemie dachte, das zu sein mit den vielen Zielgruppen als Gäste, dem Catering, dem gepachteten Zehntstadel, Festen und noch mehr.

Auf die Seniorchefs Dorothee und Rüdiger Greb folgen die Kinder Isabell Fichtl (2. von links) und Sabine Braun mit Ehemann Robert Braun.
Bild: Bernhard Weizenegger

Seit 2012/2013 sind Rüdiger Greb und seine Tochter gleichberechtigte Geschäftsführer des Unternehmens. Seit 2007 ist sie im Betrieb, sie hat eine Lehre als Hotelfachfrau abgeschlossen, ebenso ist sie Hotel-Betriebswirtin und sammelte woanders Erfahrungen. Eigentlich hatten die Eltern geplant, dass ihre Kinder etwas anderes machen sollten, nicht das anstrengende Geschäft der Gastronomie und Hotellerie. Zunächst folgte die Tochter dem auch, doch nach einem Dreivierteljahr des Studierens der Biologie merkte sie: Das Hotel fehlt. „Von klein auf bin ich hier, die Leidenschaft ist zum Beruf geworden.“

Als die Familie alle Hände voll beim Kinderfest zu tun hatte, ließ die Tochter die „Bombe“ platzen. Auch eine ihrer zwei Schwestern, Isabell Fichtl, arbeitet im Betrieb. Die 32-Jährige studierte zunächst Wirtschaftswissenschaften, machte aber auch eine Ausbildung zur Hotelfachfrau und arbeitete in München. Seit 2017 ist sie zurück im heimischen Unternehmen, aus denselben Gründen wie bei der Schwester. Die zweieinhalbjährige Tochter hilft schon im Ausschank. Die Dritte im Bunde lebt in Sardinien und betreibt mit ihrem Mann ein Weingut. Die Erzeugnisse gibt es natürlich in der Leipheimer „Post“ zu kaufen. Außerdem ist Sabrina Brauns Mann Robert, 48, dabei, er ist der Koch.

Zugmotive in den Gästezimmern und ein echter Bahnwagen

Das Eisenbahnhotel ist nicht nur das Motto, weil es an der Bahnstrecke liegt. Die Gast- und Tagungsräume und Hotelzimmer wurden mit Zugmotiven gestaltet, teils gibt es auch an einen Waggon anmutendes Mobiliar. Und im Kinderbereich draußen steht ein echter Bahnwagen. Im ersten, ursprünglichen und gemütlichen Gastraum hingegen sind lokale Motive zu sehen.

Etwas Besonderes hängt an einer Wand gegenüber der Rezeption: Es sind zwei Fotos, die Küchenmeister Rüdiger Greb zeigen – zusammen mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und François Mitterrand, französischer Staatspräsident. Als 1989 der deutsch-französische Gipfel in Reisensburg war, kochte er das Menü, seine Mitarbeiter kümmerten sich um den Service. „Das war mein gastronomisches Highlight.“ Als er nicht mehr Kanzler war, sei Helmut Kohl noch zwei Mal inoffiziell und ohne Voranmeldung zum Essen gekommen, nur begleitet von seinen Personenschützern. Man sei ein bisschen ins Gespräch gekommen, aber, so sagt Greb, er habe Kohl in Ruhe lassen wollen.

Politiker und Schlagergrößen waren Gäste

Auch der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel sei früher öfters zu Gast gewesen, ebenso „mein väterlicher Freund“ Georg Simnacher, unter anderem früherer Bezirkstagspräsident Bayerisch-Schwabens. In den 70ern seien ebenfalls Schlagergrößen wie Freddy Quinn hier gewesen, bewirtet habe man auch Fernsehmoderator Hans Rosenthal. Sänger Jürgen Drews oder die Spider Murphy Gang dürfe man nicht vergessen – denn, so erzählt die Tochter, ihr Vater habe mit einem Freund zwei Jahre lang eine kleine Konzertagentur fürs Kinderfest gehabt. Jahrelang habe man zudem Altenheime, weitere Kindergärten und das Günzburger Forum gastronomisch versorgt, sagt Sabrina Braun.

Nun sind die 25 Mitarbeiter, die schon lange im Haus und teils hier ausgebildet worden seien, in Kurzarbeit. Man wolle sie unbedingt halten, und es werde weitergehen. Damit die Leute die „Post“ nicht vergessen, gibt es eben das Essen zum Mitnehmen – und an den beiden Weihnachtstagen wird es eine spezielle Festkarte „to go“ geben, auch für die Kunden auf den Märkten in Leipheim und Günzburg.

Hoffnung liegt auf der Impfung gegen Corona

Im Sommer hingegen sei das Geschäft fast wie normal gelaufen. Als sie es wieder durften, seien die Stammkunden direkt zum Essen gekommen. Auch Legoland-Urlauber übernachteten, „die Leute wollten einfach wieder was machen“. Und alle hätten sich ohne Diskussion an alle Regeln gehalten. „Umso bitterer ist es, dass es uns jetzt direkt wieder getroffen hat.“ Deshalb, sagt Braun, hoffe man im Haus sehr auf die Impfung gegen Corona – und dass die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, bei den Bürgern groß sei. Denn sonst werde es kein normales Leben mehr geben.

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