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Günzburg

22.04.2016

Hier hängt die am besten gesicherte Ausstellung

Eine moderne Justitia begrüßt die Besucher im Foyer des Günzburger Amtsgerichts. Das Gemälde von Ralf Strassner gehört zur Kunstausstellung, die am Sonntag in den neuen Räumen eröffnet wird. Wer die Ausstellung besuchen möchte, muss sich jedoch erst anmelden.
Bild: Gertrud Adlassnig

Das neue Amtsgericht in Günzburg wird zur Galerie. Was Besucher wissen müssen, die die mehr als 100 Werke sehen wollen – und warum sich der Aufwand lohnt.

Das dürfte die am besten gesicherte Kunstausstellung werden, die die Stadt jemals gesehen hat: Ab Sonntag sind im neuen Günzburger Amtsgericht mehr als 100 Kunstwerke. Doch bevor Besucher ein Urteil über die Bilder und Skulpturen fällen können, müssen sie zum Sicherheitscheck.

Das neue Amtsgericht ist ein sicherheitsrelevantes Gebäude – wer hinein will, muss sich deshalb erst einmal anmelden. Egal, ob er zu einer Verhandlung oder in die Kunstausstellung will. Doch der Aufwand lohnt sich, findet der veranstaltende Verein Off Art. Die Kunstfreunde haben deshalb die Einladung von Amtsgerichtsdirektor Walter Henle gerne angenommen, der die Türen im neuen Haus für die schöpferische Kreativität geöffnet hat. Auf vier Etagen sind hundert Gemälde von 40 Malern und acht Skulpturen von sechs Bildhauern zu sehen, ausgewählt aus zweihundert Einsendungen.

Im Januar hatte die Ausschreibung des Kunstvereins Kunstschaffende aus ganz Bayern dazu ermuntert, Werke einzureichen. Immerhin müssen die Eigentümer über viele Monate auf ihre Werke verzichten, denn die (Verkaufs-)Ausstellung soll bis Ende des Jahres dem neuen Justizgebäude künstlerisches Flair verleihen. Unter den Werken sind einige bereits bekannte Namen, aber ebenso ist Neues zu entdecken. Ralf Strassner, Brigitte Weber, Rolf Eichelmann und Karen Steifensand ließen sich vom Aussstellungsgebäude inspirieren und haben sich auf ganz unterschiedliche Art mit dem Thema Recht und Gerechtigkeit auseinandergesetzt.

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Justitia im Businesskostüm 

Im Foyer zieht Strassners durch die Ereignisse von Köln angeregte „Justitia oder die Gewalt gegen Frauen“, eine moderne Justitia im Businesskostüm mit unverbundenen, intensiven Augen, den Blick des Betrachters auf sich. Ihr zur Seite im Diptychon ein aggressiver Ritter mit Schwert, begleitet von grimmigen Hunden auf mörderischer Frauenjagd. Der vielseitige Rolf Eichelmann zeigt Collagen im Stil von Matisses Scherenschnitten: Menschen hinter Gittern. Unversöhnliche Parteien stehen sich auf dem Werk von Brigitte Webers Interpretation der Justitia gegenüber. Und Karen Steifensand macht Seiten aus dem titelgebenden „Schönfelder“, einer der wichtigsten Gesetzessammlungen der Bundesrepublik, zur Basis ihrer Auseinandersetzung mit dem Recht: darüber warten Menschen im schematischen Linolschnittstil – worauf? Die Antwort muss sich der Betrachter selbst geben.

Doch auch Überraschungen außerhalb des „Rechtsraums“ warten auf den Betrachter. So zeigt sich Franz Meckl von einer neuen Seite: kein fotorealistisches Gemälde mit extrem glatter Oberfläche hängt im Amtsgericht, sondern ein Blumenstück mit pastos aufgetragenen, vom Künstler selbst angerührten Ölfarben, die dem Bild eine enorme Tiefenwirkung verleihen.

Strenge Holzschnitte 

Ein Bummel durch die fünf Raumeinheiten auf vier Etagen des Justizpalastes macht Entdeckungen möglich: spannende abstrakte und stark abstrahierende Malerei in den verschiedensten Farbzusammenstellungen sind zu sehen. Werke im Stil der Arte povera mit sehr zurückgenommener Farbgebung und minimalistischen Darstellungen laden zum genauen Hinschauen ein und wollen vom Betrachter entschlüsselt werden. Natur findet Eingang ins Amtsgebäude: üppige florale Stilleben, farbintensive Stillleben im Garten, Landschaften in Aquarell, aber auch strenge Holzschnitte sprechen die Seele an.

Selbst Textilkunst der Augsburgerin Turid Schuszter wurde von Off Art in die Präsentation integriert. Somit bietet sich dem Ausstellungsbesucher eine sehr breite Palette der bildnerischen Kunst, die ein spannendes Schlaglicht auf die schöpferische Kraft im Landkreis und Bayern wirft.

Wie Off Art-Vorsitzender Ralf Strassner darlegt, sind imposante Kunstausstellungen des Vereins längst zur Tradition geworden. Immerhin werden sie seit 23 Jahren regelmäßig angeboten. Lange Zeit im Krankenhaus mit dem Titel „Artik“. Wer weiß, vielleicht entwickelt sich mit dem neuen Standort eine neue Tradition, eine „Artiag“ im Amtsgericht.

Schließlich ist es das erklärte Zeil des Vereins, Kunst einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen. Mit dem neuen Standort erhalten die Interessierten einen doppelte Besichtigungschance: zum einen steht da das neue elegante Amtsgericht, das mit seinen lichtdurchfluteten Foyers und rhythmischen Flurgestaltungen spannende Architektur zeigt. Und dann ist da jetzt die Kunstausstellung, die dem Haus die Strenge des Rechts nimmt und die Hemmschwelle für die Eintretenden deutlich absenkt.

Strassner hofft, dass sich über das Jahr viele Besucher einfinden, vielleicht auch in kleinen Gruppen ins Amtsgericht kommen und gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen oder sich von einem Off Art-Mitglied die Ausstellung zeigen lassen.

Die Ausstellung kann nach der Vernissage (24. April, 11 Uhr) werktags von 8 Uhr morgens bis 15 Uhr (letzter Einlass) besucht werden. Da es sich beim Amtsgericht um ein sicherheitsrelevantes Gebäude handelt, müssen sich die Besucher am Eingang informell anmelden. Am Sonntag findet auch der Tag der offenen Tür im Amtsgericht statt.

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