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Jettingen-Scheppach

20.07.2019

Hier wurde Hitler-Attentäter Stauffenberg geboren

Am 15. November 1907 wurde Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Jettinger Schloss geboren. Anlässlich des 75. Todestags des Widerstandskämpfers findet am 26. Juli ein großer Staatsempfang für geladene Gäste an seinem Geburtsort statt. Im Anschluss tritt das Heeresmusikkorps Ulm im Schlossgarten zu einer Serenade auf, zu der auch die Bevölkerung eingeladen ist.
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Am 15. November 1907 wurde Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Jettinger Schloss geboren. Anlässlich des 75. Todestags des Widerstandskämpfers findet am 26. Juli ein großer Staatsempfang für geladene Gäste an seinem Geburtsort statt. Im Anschluss tritt das Heeresmusikkorps Ulm im Schlossgarten zu einer Serenade auf, zu der auch die Bevölkerung eingeladen ist.

Plus Eine Spurensuche im Schloss Jettingen: Die Gemeinde möchte ihrem Helden Claus Schenk Graf von Stauffenberg ein Denkmal setzen.

Jettigen-Scheppach Bürgermeister Hans Reichhart hat es 2007 schon gewusst. Eine Wiederholung des Großen Zapfenstreichs mit 3000 Gästen, den die Gemeinde Jettingen-Scheppach damals anlässlich des 100. Geburtstags von Claus Schenk Graf von Stauffenberg an dessen Geburtsstätte im Schloss auf die Beine gestellt hat (Lesen Sie dazu in unserem Archiv: "Menschliche Größe bewiesen"), würde es nicht geben.

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„Eine solche gewaltige Veranstaltung können wir kein zweites Mal stemmen. Es soll einmalig bleiben“, findet der Rathauschef. Dafür wird der 75. Todestag des Widerstandskämpfers, der sich morgen jährt, nicht weniger gewürdigt, aber anders und in etwas kleinerem Rahmen. Diesmal ist nicht die Gemeinde Veranstalter, sondern die Bayerische Staatsregierung. Aus Termingründen findet der Empfang durch Bau- und Verkehrsminister Hans Reichhart erst am 26. Juli statt.

"Einer der wenigen deutschen Helden des 20. Jahrhunderts"

150 bis 170 Ehrengäste stehen auf der Liste für den Staatsakt, mehr hätten nicht Platz im Ballsaal, den Schlossherr Hieronymus Graf Wolff Metternich für diesen Abend extra wieder öffnet. Für ihn und seine Frau Marynic sei es eine Selbstverständlichkeit, ihr Haus für einen solch besonderen Anlass zur Verfügung zu stellen. Das Wort Schloss vermeidet er, für ihn und seine Familie ist es seit 2003 der ganz alltägliche Wohnsitz. Auch wenn das Gebäude als Geburtsstätte Stauffenbergs natürlich eine besondere Aura mit sich bringe. „Er war ein bedeutender Mann, einer der wenigen deutschen Helden des 20. Jahrhunderts“, findet der Graf.

Geboren wurde Stauffenberg am 15. November 1907 im zweiten Stock des Schlosses, „vormittags um ein Uhr“, als erster der beiden Zwillinge, wie es im Geburtenbuch der Gemeinde heißt. Sein Zwillingsbruder Konrad Maria wurde „vormittags um fünf ein halb“ geboren, allerdings starb er nur 21 Stunden später. Das dicke Geburtenbuch der Jahre 1901 bis 1912 steht sonst sicher verschlossen in einem Stahlschrank im Rathaus. Der Bürgermeister hat es erst jetzt angesichts des Todestags wieder ausgepackt. „Es ist ein unglaublich wichtiges Zeugnis“, findet er und wundert sich, dass über Jahrzehnte niemand einen Blick hineinwerfen wollte. „Stauffenberg war eine Lichtgestalt des Widerstands, ein wichtiger Teil der Geschichte“, findet er.

Der deutsche Offizier und spätere Widerstandskämpfer Claus Graf Schenk von Stauffenberg.
Bild: Archiv/dpa

Die verschnörkelte Schrift ist schwer zu entziffern, mit vormittags ist laut Reichhart „in der Früh beziehungsweise nachts“ gemeint. Dass Claus mit „K“ geschrieben wurde, sei ungewöhnlich und nirgendwo sonst zu finden. Reichhart vermutet, dass es sich um die alte Schreibung handelt, nach der alle Namen mit K statt mit C geschrieben wurden. Neben seinem Namen ist übrigens ganz klein das Todesdatum 20. Juli 1944 vermerkt. An diesem Tag wurde er in Berlin nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler standrechtlich erschossen. Der Leichnam wurde von den Nazis exhumiert, verbrannt und seine Asche verstreut, ein Grab gibt es nicht.

Im Jettinger Schloss selbst erinnert auch nichts mehr an den Hitler-Attentäter. Als es die Familie Wolff Metternich im Jahr 2000 erworben hat, war es weitgehend leer, bis auf ein paar Geweihe an den Wänden. Die Metternichs sanierten den Komplex mit den vier Türmen über Jahre hinweg aufwendig, richteten es mit Gegenständen aus eigenem Familienbesitz ein. „Man hat dabei kein Heldenzimmer oder Ähnliches kreiert“, sagt Hieronymus Graf Wolff Metternich. Lediglich eine Bronzetafel außen an einem Eckturm der Schlossanlage, die die Gemeinde Anfang der 90er Jahre anbringen ließ, weist auf den Widerstandskämpfer hin. Der Schlossbesitzer selbst halte den Ort in Ehren, auch wenn er nur entfernt verwandt mit dem Adelsgeschlecht der Stauffenbergs sei und betont: „Ich möchte mich nicht mit fremden Federn schmücken.“

Schlosseigentümer Hieronymus Graf Wolff Metternich öffnet die Türen für geladene Gäste des Staatsempfangs am 26. Juli.

Die Serenade in Jettingen-Scheppach findet für die Öffentlichkeit statt

Für den Staatsakt am 26. Juli stellt er den geladenen Gästen wie schon 2007 den Ballsaal zur Verfügung. Die Festrede wird der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel halten, wie vor zwölf Jahren werden auch Stauffenbergs Nachfahren anwesend sein. Im Anschluss daran werden auch die Tore zur Parkanlage für Jettinger Bewohner geöffnet. Denn dort marschieren bei Einbruch der Dunkelheit Fackelträger auf, das Heeresmusikkorps Ulm spielt eine Serenade.

Und die Gemeinde will mit einer Überraschung aufwarten: Nachdem Bürgermeister Hans Reichhart seit vielen Jahren von einem Denkmal zu Ehren Stauffenbergs träumt und sogar ein Modell im Büroschrank stehen hat, sei der 75. Todestag ein guter Zeitpunkt, um die „Herzensangelegenheit“ endlich zu verwirklichen. Aus finanziellen Gründen war das Projekt laut Reichhart bisher immer hinten angestellt worden, jetzt habe der Gemeinderat die Entscheidung für einen Gedenkstein mitgetragen. Öffentlich abgestimmt wurde bisher allerdings nicht, über die Kosten herrscht auch Stillschweigen.

Hinter dieser halbgeöffneten Tür im zweiten Stock wird der Staatsakt stattfinden. Die Festrede wird Theo Waigel halten.
Bild: Bernhard Weizenegger

Ein 40 Zentimeter großes Weizenkorn

Trotzdem steht schon genau fest, wie das Denkmal einmal aussehen soll. Den Entwurf geliefert hat der aus der Gemeinde stammende Künstler Hermann Bigelmayr, der das Werk auch erstellen soll, jedoch erkrankt ist. Seine Idee war, auf einen ein Meter großen Kubus aus rotem Sandstein ein etwa 40 Zentimeter großes Weizenkorn zu setzen. Dieses stehe für ein Leben, das für die Freiheit geopfert wurde und für das Aufkeimen der Demokratie. Eine Inschrift soll das Ganze abrunden. Ein kleines Modell hat der Bürgermeister bereits in Händen, am 26. Juli möchte er den Original-Rohling im Schlosspark enthüllen. Nach der Fertigstellung soll das Denkmal neben der Schlosseinfahrt aufgestellt werden.

Bürgermeister Hans Reichhart zeigt ein Modell des geplanten Stauffenberg-Denkmals. Da der Künstler erkrankt ist, ist das Werk noch nicht vollendet. Zumindest eine Rohfassung des Steins soll beim Staatsempfang gezeigt werden.
Bild: Bernhard Weizenegger

Und noch etwas verrät der Bürgermeister: Wenn alles nach Plan läuft, soll noch heuer an der A8 bei Jettingen-Scheppach eine Hinweistafel mit dem Konterfei Stauffenbergs auf ihn und seinen Geburtsort aufmerksam machen. Den Antrag dazu hatte Hans Reichhart junior 2014 in seiner Funktion als Jettinger Gemeinderat gestellt. Fünf Jahre später, in seiner Funktion als Staatsminister, könnte es mit der Umsetzung klappen.

Staatsempfang Am Freitag, 26. Juli, findet aus Anlass des 75. Todestages des Hitler-Attentäters im Schloss Jettingen ab 19.30 Uhr ein Empfang der Bayerischen Staatsregierung statt. Die Serenade in der Schlossanlage, zu der ab 21.15 Uhr Einlass ist, ist öffentlich.

Im vergangenen Jahr ist die Cousine von Claus Schenk Graf von Stauffenberg in Jettingen gestorben. Mehr dazu lesen Sie hier: Gräfin von Stauffenberg mit 103 Jahren gestorben

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