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Günzburg

21.01.2019

Hochwertige Handys abgefangen und verkauft

Um den Betrug mit Handys ist es bei einer Verhandlung im Günzburger Amtsgericht gegangen.
Bild: Ulrich Wagner (Symbolfoto)

Zwei junge Leute mussten sich vor Gericht verantworten. Es geht um fast 11000 Euro.

Das Internet macht es Menschen leicht, betrügerische Geschäfte zu tätigen. Ein (ehemaliges) junges Paar aus dem nördlichen Landkreis musste sich nun für zehn Fälle verantworten, in denen Telefonverträge über das Internet auf den Namen Dritter abgeschlossen worden waren. Die beiden jungen Leute, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, haben die Verträge mit dem Ziel abgeschlossen, die im Vertragsumfang enthaltenen hochwertigen Handys bei der Auslieferung abzufangen und zu verkaufen.

Gleich zu Beginn zeigte sich die 22-jährige Frau geständig. Sie betonte, die Taten alleine geplant und ihren damaligen Lebenspartner über die Herkunft der Handys nicht wahrheitsgemäß informiert zu haben. Sie habe, erklärte sie, damals etwas zum Lebensunterhalt im Haushalt der Mutter ihres Partners beitragen wollen. Da sie keine Arbeit hatte, sei sie auf die Idee gekommen, die Verträge abzuschließen und die Mobiltelefone zu verkaufen. Die Anklageschrift bezifferte den Schaden auf 10786 Euro. Wie Matthias Egger, der Rechtsanwalt der Mutter eines drei Monate alten Kindes, betonte, hatte die junge Frau, als das System aufgeflogen war, sofort wesentlich zur Aufklärung der Taten beigetragen.

Es wurden keine echten Beweise für eine Mittäterschaft vorgelegt

Der junge Mann dagegen versicherte, dass er nicht involviert gewesen sei. Er habe seiner Partnerin zwar beim Verkauf einiger der Telefone geholfen, da es sich um sehr hochwertige Objekte gehandelt habe und er sie damit nicht allein zu den Treffen mit den Käufern gehen lassen wollte, doch habe er nicht gewusst, dass die Geräte nicht rechtmäßig erworben wurden.

Zwar konnte der Eindruck völliger Unschuld durch die Zeugenaussagen nicht bestätigt werden, doch weder die Ermittlungsbehörde noch die geladenen Zeugen hatten echte Beweise für eine Mittäterschaft des Mannes, sodass die Staatsanwaltschaft auf Freispruch plädierte, was vom Gericht übernommen wurde.

Es kam eine systematische Fälschung ans Tageslicht

Die Verträge wurden auf den Namen der Nachbarin oder deren Mann abgeschlossen, deren Familie gut bekannt mit den Angeklagten war und aufgrund ihrer beschränkten Deutschkenntnisse öfter deren Hilfe benötigte. Auch als der Mann einen Handyvertrag abschließen wollte, wandte er sich an den Angeklagten, der ihm weiterhalf. Die anderen Verträge allerdings brachten der Zeugin immer wieder Rechnungen verschiedenster Telefonanbieter ein, die sie sich nicht erklären konnte. Zunächst hatte sie die Anschreiben für Werbung gehalten, dann habe sie ihren Nachbarn, der nun vor Gericht stand, vergeblich um Hilfe gebeten. Doch schließlich sei sie zur Polizei gegangen.

Damit kam die systematische Fälschung ans Tageslicht. Ein Zeuge, der vor Gericht erschienen war, hatte bei Ebay-Kleinanzeigen ein teures iPhone für einige Hundert Euro unter dem Neupreis gefunden und holte es direkt in der Wohnung der Angeklagten ab. Er hatte zuvor telefonisch Kontakt mit dem Mann und auch bei der Übergabe sei er von dem Angeklagten empfangen worden, der den Austausch von Ware und Geld abgewickelt habe.

Die Rechnung lag bei, man erklärte ihm, das Telefon sei aus einer Vertragsverlängerung und werde nicht gebraucht. Auch ein weiterer Zeuge hatte Kontakt mit dem Angeklagten. Man hatte sich auf halbem Weg an einer Augsburger Tankstelle getroffen. Für die Ermittler hatte sich der Angeklagte als der Aktivere in der Geschichte ergeben, während die Frau, so erklärte ein Polizist im Zeugenstand, „schnell raus wollte aus der Sache“.

Der Vorwurf blieb allein an der Frau hängen

Doch Beweise für seine Täterschaft konnte die Polizei nicht vorlegen. Trotz aller Zweifel blieb der Vorwurf allein an der jungen Frau hängen. Insgesamt neun Taten, gewerbsmäßig, weil sie daraus Geld gewinnen wollte, um zu ihrem Lebensunterhalt beizutragen, wurden ihr nachgewiesen. Wegen des hohen Schadens und einer Eintragung im Bundeszentralregister aus ihrer Jugendzeit, forderte die Staatsanwaltschaft eine Gesamtstrafe von einem Jahr und vier Monaten Freiheitsentzug, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung, 800 Euro Geldauflage und Wertersatz.

Anwalt Egger plädierte auf eine Gesamtstrafe von einem Jahr, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung, und den Verzicht auf Wertersatz, da die junge Frau mittellos sei. Richter Martin Kramer schloss sich weitgehend der Staatsanwaltschaft an und verurteilte die junge Mutter zu einem Jahr und vier Monaten Freiheitsentzug, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung, Wertersatz-Einzug in Höhe von 5000 Euro und 60 Stunden gemeinnützige Arbeit.

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