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Günzburg

12.09.2019

Höher hinaus beim Wohnungsbau

Wo ist in Günzburg noch Platz für neue Wohnungen – vor allem für solche, die auch bezahlbar sind? Statt nach unbebauten Flächen zu suchen, möchte die Stadt jetzt mit dem Wohnungsbau in die Höhe gehen. Zum Beispiel im Obergeschoss von Discountern, aber auch über Parkflächen im Stadtgebiet.
Bild: Ulrich Wagner

Wohnraum ist knapp in Günzburg, freie Flächen sind es auch. Die Stadt möchte deswegen neue Wege gehen. Welche Rolle dabei Discounter und Parkplätze spielen.

Günzburg ohne Baukräne und Bagger – in den vergangenen Jahren gab es eigentlich nicht eine Woche, in der das der Fall gewesen wäre. Doch aller Bautätigkeit und Aktivitäten zum Trotz sind zwei Dinge weiterhin Mangelware im Stadtgebiet: Wohnraum, den sich auch Menschen mit kleinerem Geldbeutel leisten können, und freie Flächen, auf denen solche Wohnungen entstehen könnten. Wo also können noch dringend benötigte Räume entstehen? Dazu gibt es zwei neue Ansätze, welche die Stadt jetzt mit Nachdruck verfolgen will. Beide gehen vom gleichen Prinzip aus: Wer höher hinaus geht, bekommt den doppelten Nutzen.

Günzburger Idee: Unten Parken, oben Wohnen

Ein Vorschlag kommt von den Freien Wählern im Stadtrat, deren Antrag am Dienstagabend in der nicht öffentlichen Sitzung des Bauausschusses behandelt wurde. Die Freien Wähler haben dabei die Parkflächen in der Innenstadt ins Auge gefasst. Ihre Idee: Ohne die dringend benötigten Parkplätze wegzunehmen, könnte man an einigen dieser Stellen Wohnungen bauen – indem man Gebäude baut, unter denen weiter geparkt werden kann. „Der Vorschlag hat im Bauausschuss einen breiten Konsens gefunden“, sagt Oberbürgermeister Gerhard Jauernig, der den Vorschlag ebenfalls interessant findet. Die Ratsmitglieder haben deshalb beschlossen, dass die Stadtverwaltung die öffentlichen Parkflächen darauf untersucht, ob dort so etwas möglich ist. Parkplätze gibt es zum Beispiel in der Ichenhauser Straße (zwischen Agentur für Arbeit und Amtsgericht), an der Kapuzinermauer oder auch Am Weiher. Untersucht werden nach Angaben des Oberbürgermeisters dabei die Lage der Flächen, ihre Beschaffenheit und natürlich die baulichen Vorgaben in diesem Gebiet.

Wohnungen könnten über Discountern entstehen

Einen anderen Vorstoß verfolgt die Stadt schon etwas länger – im Gespräch mit unserer Zeitung hatte der Oberbürgermeister Anfang des Jahres die Idee vorgestellt, auch an anderer Stelle mit der Wohnbebauung hoch hinaus zu gehen: Gebäude von Discountern oder Getränkemärkten beispielsweise nimmt die Stadt hier in den Blick. Auch hier könnten Wohnungen im Obergeschoss entstehen – während unten weiter eingekauft werden kann. Dabei müssten dann nicht einmal weitere Flächen für die Parkplätze der Bewohner vorgesehen werden – denn die gibt es ja bei den Einkaufsmärkten schon.

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Wohnen über dem Supermarkt: Elf Gebäude kommen dafür infrage

„Die Verwaltung hatte nach geeigneten Liegenschaften geschaut und elf Objekte ausgemacht, die sich hierfür eignen würden“, so Jauernig im Gespräch mit unserer Zeitung. Der OB hatte die Gebäudebesitzer und Nutzer daraufhin angeschrieben und seinen Vorschlag erläutert. „Die Reaktionen waren sehr positiv.“ Knapp drei Viertel der angeschriebenen Hausbesitzer seien zu einem Gespräch ins Rathaus gekommen, weitere hätten schriftlich ihr Interesse bekundet, freut sich Jauernig. „Die Vertreter der Discounter sehen auch eigene Vorteile einer solchen erweiterten Nutzung: Sie kommen durch Wohnungen über ihren Läden noch näher an ihre Kunden.“ Die Gebäudebesitzer sähen vor allem dann eine Chance, solche Projekte zu verwirklichen, wenn ohnehin ein Auslaufen oder eine Verlängerung des Mietvertrags ansteht – und damit auch bauliche Veränderungen für die Läden im Raum stehen. Dann komme auch ein Abriss des Flachbaus und Neubau eines Gebäudes infrage, wenn eine reine Aufstockung statisch nicht möglich ist.

Potenzial für neue Wohnungen in Günzburg ist riesig

Die Nachfrage an Wohnungen und die Bereitschaft der Gebäudebesitzer, sich für die Idee zu begeistern, sind also vorhanden. Damit sind für den Oberbürgermeister bereits zwei sehr wichtige Voraussetzungen erfüllt – zusammen mit dem wachsenden Bewusstsein der Menschen dafür, auch mit der Ressource Grund und Boden schonend umzugehen. Um die Idee „unten einkaufen oder parken, oben wohnen“ in die Tat umsetzen zu können, fehlen eigentlich nur noch rechtliche Vorgaben, erklärt Jauernig.

„Bislang stehen vor allem Fragen des Lärmschutzes bei vielen solchen Objekten einer Wohnnutzung im Wege – beispielsweise, ob zuschlagende Autotüren auf den Parkplätzen oder Lieferverkehr die Bewohner beeinträchtigen.“ Der Gesetzgeber sei jedoch derzeit bereits dabei, mit einer entsprechenden Änderung des Planungsrechts den Weg frei zu machen. Das Potenzial für neue Wohnungen, die über Supermärkten, Getränkehändlern oder großen Matratzengeschäften entstehen könnten, ist riesig. Jauernig zitiert aus einer Studie der Technischen Universität Darmstadt: „Demnach könnten in Deutschland 1,2 Millionen Wohnungen entstehen, wenn Supermärkte oder Parkhäuser aufgestockt und mit Wohnungen überbaut werden.“

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