1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Hunde beißen Hündin tot und verletzen deren Halterin

Günzburg

15.03.2019

Hunde beißen Hündin tot und verletzen deren Halterin

Das Symbolfoto zeigt einen Pitbull-Terrier-Mischling. Zwei Kampfhund-ähnliche Tiere töteten im September 2019 eine Hündin im Landkreis Günzburg. Der Hundehalter wurde nun wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt.
Bild: Jens-Ulrich Koch

Für die Geschädigte sei ihr Hund wie ein Kind gewesen. Wegen fahrlässiger Körperverletzung wird der Halter der Hunde zu einer Geldstrafe verurteilt.

Es war der 19. September 2018 gegen 20.30 Uhr. Eine Frau ging mit ihrer Hündin auf ihrer abendlichen Runde am Garten eines Mehrfamilienhauses im nördlichen Landkreis Günzburg vorbei. Plötzlich rannte vom Garten her ein Hund auf die Spaziergängerin und ihre Hündin zu, dahinter ein zweiter. Die beiden Kampfhund-ähnlichen Tiere griffen die Hündin der Frau an. Diese versuchte, ihren Hund zu befreien und erlitt Bisswunden am rechten Oberschenkel, Handgelenk und Knie. Zudem zog sie sich bei einem Sturz eine Lendenwirbelsäulenprellung zu. Ihre Hündin erlag den Verletzungen.

Vorbestrafter Halter handelte fahrlässig

Wegen fahrlässiger Körperverletzung muss sich nun der 53-jährige Halter der beiden Hunde vor dem Amtsgericht Günzburg verantworten. In der Anklage der Staatsanwältin heißt es zudem, dass die beiden Hunde frei und ohne Aufsicht in dem nicht hundegerecht eingezäunten Garten des Mehrfamilienhauses, in dem der Angeklagte wohnt, herumlaufen seien.

Dem widerspricht der Angeklagte. Er habe sich zusammen mit den Hunden in einem umzäunten Teil des Gartens aufgehalten. Laut Verteidigerin Barbara Buck-Wiedenmann habe ein Hund nur deshalb entwischen können, weil der Gartenzaun ein Loch gehabt habe, was ihr Mandant nicht bemerkt habe. Das lässt Richter Walter Henel jedoch nicht gelten, denn so ein großes Loch hätte auffallen müssen. Der Angeklagte erklärt, er sei dem Tier danach sofort durch das Gartentor hinterher. Dabei sei auch der andere Hund nach draußen gelaufen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ein Hund zeigte sich schon vor zwei Jahren auffällig

Eine Hundeschule hat der Angeklagte, der wegen anderer Delikte bereits mehrfach vorbestraft ist, mit seinen Tieren nicht besucht, obwohl einer der Hunde vor zwei Jahren schon durch eine Beißattacke aufgefallen ist. Laut dem 53-Jährigen sei es das einzige Mal gewesen.

Als der Angeklagte berichtet, wie seine Hündin sich in die Hündin der Geschädigten verbissen hatte, wird seine Stimme leiser und brüchig. Er habe versucht, die Hündin wegzuziehen, was nicht auf Anhieb gelungen sei. „Es tut mir furchtbar leid. Das ist das Schlimmste, was ich bis jetzt erlebt habe“, sagt er. Ein Nachbar, der zu Hilfe geeilt ist, hat die beiden Tiere schließlich in die Wohnung des Angeklagten gebracht.

Die Geschädigte, die als Zeugin auftritt, schildert unter Tränen das Geschehen: „Es war totales Chaos. Die Hunde waren außer Rand und Band.“ Der Angeklagte habe immer nur seinen Hunden zugerufen, sie sollen aufhören. Als sie vom Tod ihrer Hündin spricht, muss sich die 56-Jährige erst sammeln. Einer der Hunde habe ihre Hündin im Maul gehabt und geschüttelt. „Sie war für uns wie ein Kind. Das mit anzusehen“, sagt sie und bricht ab. Der Angeklagte entschuldigt sich daraufhin, wie leid ihm das alles täte.

Hunde dürfen nicht mehr in den Garten

Seither gehe der 53-Jährige mit seinen Hunden nicht mehr in den Garten. Einen Hund habe er nach dem Vorfall abgegeben. „Anders war es für mich nicht mehr möglich“, sagt er betroffen. Zudem habe er mit dem verbliebenen Hund mit einem Hundeführer geübt, was laut Henle lieber im Vorfeld hätte geschehen sollen.

Gegenüber Menschen verhielten sich die Tiere positiv, wie eine als Zeugin geladene Polizeibeamtin und Hundeführerin attestiert. Das Gutachten eines Sachverständigen hat jedoch ergeben, dass der verbliebene Hund gegenüber anderen Hunden ein sehr dominantes Verhalten zeige.

In einem zivilrechtlichen Verfahren hat der 53-Jährige der Geschädigten bereits 1560 Euro gezahlt, davon 1000 Euro Schmerzensgeld, was ihm die Staatsanwältin zugute hält, ebenso wie sein reumütiges Geständnis. Dennoch sieht sie die fahrlässige Körperverletzung als erwiesen an und fügt hinzu, dass der Angeklagte seine Hunde nicht im Griff habe und die Verletzungen der Frau erheblich gewesen seien. Sie fordert eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 60 Euro, das entspricht einer Gesamtstrafe von 7200 Euro, die Verteidigung eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu 60 Euro, das entspricht einer Gesamtstrafe von 4800 Euro. Richter Henel schließt sich der Staatsanwältin an und verurteilt den Angeklagten zu 7200 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Konrad_Barm_Portraet_Mrz19_24.tif
Interview

Burgaus Bürgermeister spricht über Parken und die Stadtentwicklung

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden