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AKW Gundremmingen

15.06.2020

Hunderte Mitarbeiter bei Revision: Erhöhtes Risiko in Corona-Zeiten?

Aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich kommen die Externen nach Gundremmingen.
Bild: Christian Kirstges (Archiv)

Plus 700 Mitarbeiter von Partnerfirmen sind vier Wochen im Atomkraftwerk Gundremmingen. Birgt das höhere Risiken? Das sagen Betreiber und Landratsamt.

Seit dem Wochenende läuft im Atomkraftwerk (AKW) in Gundremmingen die Revision von Block C. In Corona-Zeiten müssen hier noch mehr Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden als sonst. Die Betreiber betonten daher auch, ihr Konzept mit dem Landratsamt abgestimmt zu haben. Dennoch stellt sich die Frage: Wenn hier Hunderte externe Mitarbeiter eingesetzt werden, die auch noch in der Umgebung unterkommen müssen – birgt das nicht ein großes Infektionsrisiko? Unwillkürlich ist der Gedanke bei einem Spargelhof im Landkreis Aichach-Friedberg, wo 95 Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet wurden.

Insgesamt, erklärt Kraftwerkssprecherin Christina Kreibich auf Anfrage unserer Zeitung, werd die Kraftwerksmannschaft in den nächsten knapp vier Wochen von gut 700 Mitarbeitern von Partnerfirmen unterstützt. Doch sie seien nicht alle zeitgleich in der Anlage, da beispielsweise zeitversetzt in Schichten gearbeitet werde und der Rückbau von Block ausgesetzt sei. „Innerhalb der Kontrollbereiche werden in Spitzenzeiten maximal 350 bis 450 Partnerfirmenmitarbeiter zusätzlich zu den eigenen Mitarbeitern gleichzeitig auf der Anlage sein“, erklärt Kreibich.

Externe wohnen in Hotels, Pensionen, Privatzimmern und auf Campingplätzen

Der Großteil der Externen komme aus Deutschland, weitere aus Österreich, der Schweiz und Frankreich. Wo sie untergebracht werden, sei Sache der Partnerfirmen. Wie schon bei früheren Revisionen verteilten sich die Unterkünfte auf Hotels, Pensionen, Privatzimmer und ein paar wohnten auch auf Campingplätzen. Doch die Verantwortung der Betreibergesellschaft „endet nicht am Kraftwerkszaun“. Die Mitarbeiter der Partnerfirmen müssten in der Selbstauskunft ihre Unterkunft sowie den Herkunftsort und Gesundheitszustand angeben. Zudem bestehe bei der Betreibergesellschaft KGG ein umfangreiches Angebot für die Verpflegung wie Kantine, Brotzeitkantine und zusätzliche Kantinenzelte, „sodass Bewegungen in der Öffentlichkeit, zum Beispiel zum Essen, weitestgehend reduziert werden“.

Hunderte Mitarbeiter bei Revision: Erhöhtes Risiko in Corona-Zeiten?

Der bereits seit März im Kraftwerk geltende erweiterte Infektionsschutz sei durch umfangreiche zusätzliche Hygiene- und Vorsorgemaßnahmen intensiviert worden. Dass sie wirken, habe bereits im März nachgewiesen werden können, als die Anlage wegen Wartungsarbeiten kurz stillstand, und auch bei der Revision im Mai im RWE-Kernkraftwerk Emsland.

Die Leute sollen sich bestmöglich in der Kraftwerksanlage verteilen

Das Gesundheitsschutzkonzept sei zudem im Vorfeld mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Günzburg abgestimmt worden. Es gebe deutlich mehr Container mit Büros und Umkleiden und eben die Kantinenzelte, damit sich die Mitarbeiter bestmöglich in der Anlage verteilen. Arbeiten würden in die Spät- und Nachtschicht verlagert, um so eine zeitliche Trennung zu erreichen. Und der Zugang laufe über mehrere Ein- und Ausgänge. „Zu beachten ist auch, dass das Kernkraftwerk Gundremmingen als Doppelblockanlage konzipiert und ausgelegt ist, wodurch ein großzügiges Platzangebot auf dem Gesamtgelände besteht.“

Als weitere Beispiele führt Kreibich eine Körpertemperaturmessung vor dem Betreten der Anlage und eine zusätzliche Belehrung für Personal von Partnerfirmen auf. Auch gelte eine Selbstverpflichtung zum Einhalten der Hygiene- und Verhaltensregeln, die Pflege eines Kontakttagebuchs und es gebe Beauftragte, die überwachen, dass die Vorschriften eingehalten werden.

Das Landratsamt Günzburg ist zufrieden mit dem Konzept

Alle Mitarbeiter, sowohl die eigen als auch die der Partnerfirmen, würden beim Einchecken mit Mund-Nase-Bedeckungen und Info-Material ausgestattet. An stark frequentierten Bereichen wie dem Anlagenzugang, an denen der Abstand von anderthalb Metern nicht immer gewährleistet sei, müssten die ausgehändigten Masken getragen werden. Und bei Arbeiten, bei denen der notwendige Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, werde das Tragen von FFP1-Schutzmasken vorgegeben.

Die Erfahrung von Kollegen in Lingen und vom Sonderstillstand im März habe gezeigt, dass die Mitarbeiter gut mit den Vorkehrungen klarkommen. Außerdem würden die Mund-Nase-Bedeckungen regelmäßig ausgetauscht und gewaschen, sagt die Sprecherin. Sie sagt auch, dass der Rückbau von Block B, der bereits im März während der außerplanmäßigen Wartung ausgesetzt war, nach der Revision fortgesetzt werden soll.

Der Geschäftsbereichsleiter für öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt Günzburg, Christoph Langer, bestätigt auf Anfrage, dass die Betreiber frühzeitig mit dem Gesundheitsamt Kontakt aufgenommen hätten. Die Anzahl der Beschäftigten sei mitgeteilt und ein Hygienekonzept abgestimmt worden. Es sei „für uns so weit schlüssig und ausreichend“ gewesen.

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