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Landkreis Günzburg

19.02.2021

IHK: Der Unmut der Unternehmen im Kreis Günzburg wächst

Nein – doch nicht geöffnet. Der harte Lockdown trifft viele Unternehmen seit inzwischen über zwei Monaten. Jetzt hat sich die Günzburger IHK-Regionalversammlung zu Wort gemeldet mit einer klaren Botschaft an die Politik.
Bild: Symbolbild: Sven Hoppe/dpa

Die Konjunktur ist erneut eingebrochen. Die IHK-Regionalversammlung Günzburg fordert eine Ende der Lockdown-Strategie und eine Öffnungsperspektive.

Die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben zeigt: Die Wirtschaft steht vor einem weiteren Krisenjahr – auch im Landkreis Günzburg. Angesichts dieser Lage und der erneuten Verlängerung des Lockdown bis 7. März fordert die IHK-Regionalversammlung Günzburg eine konkrete Öffnungsperspektive für die Betriebe, wie sie jetzt mitteilt. „Es ist schwer vermittelbar, dass Unternehmen, in denen praktikable Hygienemaßnahmen bestehen, teilweise monatelang geschlossen bleiben müssen“, sagt Hermann Hutter, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Günzburg. Die Wut in der Unternehmerschaft wachse. Auch weil die Corona-Diskussion inzwischen viele andere wichtige wirtschaftsrelevanten Themen überlagert, so Hutter.

„Die Maßnahmen der Politik zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung waren richtig und konsequent“, betont auch Roland Kober, Vizepräsident der IHK Schwaben. Jetzt aber gelte es, unter Beachtung aller weiteren Hygiene- und Schutzmaßnahmen nach vorne zu schauen. „Wir brauchen Planungssicherheit für die Menschen und alle Unternehmen“, so Kober. „Der Kampf gegen das Coronavirus ist wichtig und richtig. Wir dürfen aber nicht ausschließlich das Virus im Blick haben“, so Kober weiter.

Unternehmen im Kreis Günzburg benötigen verlässliche Perspektive

Hutter und Kober fordern, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Existenzgrundlage als Gesamtsystem wieder stärker in den Fokus zu rücken. Die vielen kleinen und mittelständischen Betriebe, aber auch die Gesundheitsdienstleister, die Gastronomie, der Einzelhandel oder die Hotellerie seien tragende Säulen der Gesellschaft. „Sie brauchen eine verlässliche Perspektive, um Insolvenzen und Existenzverluste zu verhindern“, betonen die Spitzenvertreter der IHK-Regionalversammlung Günzburg.

Die IHK fordert daher eine Diskussion um eine klare Öffnungsstrategie, die sich an verlässlichen Kriterien orientiert und flankiert durch eine zügig umgesetzte Impfkampagne sowie eine effektive Teststrategie Gesundheitsschutz und Wirtschaft in Einklang bringt.

Einige Unternehmen in der Region stehen mit dem Rücken zur Wand

„Die Krise verschärft sich durch den erneut verlängerten Lockdown weiter. Einige Unternehmen in der Region stehen bereits jetzt mit dem Rücken zur Wand“, warnt auch IHK-Regionalgeschäftsführer Oliver Stipar. Auffällig ist die große Polarisierung zwischen den Unternehmen: Während einige Wirtschaftszweige – darunter die Bauwirtschaft oder die Industrie – bislang robust durch die Krise gekommen sind, leiden andere Branchen massiv, vor allem diejenigen Unternehmen, die teilweise seit Monaten geschlossen sind, so Stipar weiter.

Die Lockdown-Strategie der Politik und deren Krisenmanagement sorgt längst für Unmut in der Unternehmerschaft, heißt es in der Mitteilung der IHK. „Die Menschen verlieren zunehmend das Vertrauen in die Politik“, sagt Vorstandsmitglied Stefanie Pröbstle. „Impfchaos und teilweise unverständliche Restriktionen zur Eindämmung von Corona haben zu einer tiefen Perspektivlosigkeit in der Gastronomie und damit auch bei uns und unseren Mitarbeitern geführt.“ Die gelte in gleicher Weise für viele Handelsunternehmen, ergänzt Hutter. Dabei sei der Handel alles andere als untätig gewesen und warte mit kreativen Konzepten auf: „Dank unseres Hygienekonzepts sind alle Vorschriften erfüllt und wir könnten sofort loslegen und wieder aufmachen“, sagt der Familienunternehmer.

Bürokratieabbau und Steuerentlastungen werden in Corona-Diskussion laut IHK vernachlässigt

Längst überfällige Themen in der Corona-Diskussion werden aus Sicht von Hutter und Kober vernachlässigt. Dazu gehört der versprochene Bürokratieabbau oder Steuerentlastungen. Auch das Thema „Energiewende“ bleibe auf der Strecke, betont Josef Brandner, stellvertretender Präsident der IHK Schwaben. „Ich beobachte mit Sorge, dass Corona die politische Aufmerksamkeit verschiebt. Die Energiewende erfolgt nicht in der Geschwindigkeit, wie es notwendig wäre, gleichzeitig scheinen die Bemühungen zum Erreichen der Klimaschutzziele nach Corona nicht mehr im Fokus zu stehen.“

Das könnte, so die Befürchtung, langfristig zu weiteren Belastungen für den Mittelstand führen. „Der Mittelstand war und ist die entscheidende Säule der Wirtschaft. Der Staat ist aufgerufen, die reale Lage der Unternehmen zu sehen und beherzt zu handeln“, so Brandner abschließend. (zg)

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