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Günzburg/Krumbach

24.01.2019

Immer mehr Menschen suchen bezahlbaren Wohnraum

Sozialarbeiter beklagen, dass der Wohnraum zu knapp ist. Das Landratsamt stellt das Projekt „Mietcafés“ ein, weil zu wenige Vermieter sich melden.
Bild: Christian Kirstges (Symbolfoto)

Das Landratsamt beendet ein Projekt, das Wohnungen vermitteln sollte. Zuletzt meldete sich kein Vermieter. Doch der Jobcenter-Chef sagt, es gibt genug günstigen Wohnraum.

Binnen fünf Jahren ist die Bevölkerung des Landkreises Günzburg um so viele Menschen gewachsen, wie im Markt Offingen wohnen. Die aktuellsten Zahlen stammen aus dem Jahr 2017. Damals lebten 124500 Menschen in der Region. 2012 waren es noch 120100.

Immer mehr Menschen melden sich bei Beratungsstellen

Das scheint sich auf dem Mietwohnungsmarkt bemerkbar zu machen. Der Verein SKM betreibt die Günzburger Wärmestube und berät Obdachlose und Mieter, denen eine Kündigung droht. Zwei Mitarbeiterinnen des Vereins klagen in einer Mitteilung an unsere Zeitung über die Wohnungsnot: „Wer einmal seine Wohnung verloren hat, hat derzeit keine Chance, eine bezahlbare Wohnung zu finden.“ Salma Muschtaki berät Menschen bei drohender Wohnungsnot, Petra Nzirorera arbeitet mit Menschen, die bereits obdachlos sind. Beide Angebote nähmen „immer mehr Menschen, die einen bezahlbaren Wohnraum suchen“, in Anspruch. Bei einer Kündigung würden Menschen nicht nur die Wohnung, sondern mit ihr ihre Beziehungen zu Nachbarn, ihre Lebensplanung, ihr soziales Umfeld verlieren. „Dieser Zustand des Unerwünscht-Seins bringt die Menschen an die Grenze ihrer Lebenskräfte.“ Dabei sei das Problem nicht, dass es zu wenige Wohnung gebe, schreiben die beiden: Aber sie würden oft nicht vermietet, sondern ständen leer.

Asylbewerber müssen Flüchtlingsheime nach der Anerkennung ihres Antrags verlassen

Das Landratsamt Günzburg hatte zwei Projekte ins Leben gerufen, die es hauptsächlich anerkannten Asylbewerbern, aber auch anderen Wohnungssuchenden ermöglichen sollten, eine Wohnung zu finden. Nach der Anerkennung dürfen Asylbewerber nicht mehr in einer Flüchtlingsunterkunft wohnen, sie gelten sonst als „Fehlbeleger“. In einer Wohnraumbörse des Landratsamts können Vermieter ein Angebot eintragen, sagt Landratsamts-Sprecher Thomann. Seit Frühjahr 2018 gab es regelmäßig „Mietcafés“, wo Suchende beraten wurden und möglichst mit Vermietern in Kontakt gebracht werden sollten. Das Problem: In letzter Zeit hat sich kein Vermieter in die Börse eingetragen.

„Nach wie vor sind unzählige Menschen auf der Suche nach geeignetem und bezahlbarem Wohnraum“, schreibt das Landratsamt in einer Mitteilung. Das Mietcafé habe sich bei Wohnungssuchenden „großer Beliebtheit“ erfreut.

Auf manche Wohnung sollen sich mehrere hundert Menschen bewerben

Die Veranstaltungen fanden monatlich in Günzburg und Krumbach stattfinden. Dazu schloss sich die Integrationslotsenstelle mit zwei Partnern zusammen, dem Verein SKM und dem Quartiersmanagement Krumbach. Salma Mustaki spricht ebenfalls von einer guten Resonanz bei den Treffen – jedenfalls auf Seiten der Suchenenden. „Ich sehe, dass Leute verzweifelt Wohnungen suchen.“ Sie habe von Inseraten im Landkreis gehört, bei denen hunderte Bewerbungen eingegangen seien. „Wenn Hartz IV davor steht, ist es schwierig, eine Wohnung zu bekommen.“

Die Krumbacher Quartiersmanagerin Birgit Baumann äußert sich ähnlich: Die Hoffnung sei groß gewesen, potenzielle Mieter an Vermieter vermitteln zu können. Weil sich kaum jemand in der Börse des Kreises eingetragen habe, habe man den Besuchern die üblichen kommerziellen Börsen zeigen müssen. Und auf dem freien Markt könnten sich Menschen, die noch einen Sprachkurs besuchen, kaum gegen andere Bewerber mit Festanstellung durchsetzen.

Job-Center: Sachbearbeiter melden keine Probleme

Ralf Schreyer, Chef des Günzburger Jobcenters, beobachtet hingegen keinen Wohnungsmangel im unteren Preissegment, sagt er. Um zu berechnen, wie viel eine Wohnung eines Hartz-IV-Empfängers kosten darf, werde von einem Dienstleister vierteljährlich eine Statistik erstellt. Normalerweise betrachte man das preismäßig untere Fünftel, um das notwendige Wohngeld zu berechnen. In Günzburg stütze man sich auf das untere Drittel, sodass das Wohngeld etwas höher liegt. „Unsere Sachbearbeiter melden keine Probleme.“

Zwar habe der Zuzug von Arbeitskräften aus dem EU-Ausland und von Asylbewerbern den Wohnungsmarkt beeinflusst. Das wirke sich aber eher im mittleren Preissegment aus, das für Normalverdiener interessant sei. „Pro Jahr werden etwa 1200 Wohnung im Landkreis neu vermietet.“ Aktuell sei es eher ein Problem, dass es nicht möglich sei, neue Arbeitskräfte anzuwerben, weil „adäquater und attraktiver Wohnraum“ im mittleren Preissegment fehle.

Lesen Sie hier: Jobcenter soll Geld für Wohnung nachzahlen

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