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Blindblitzschach

19.07.2011

In 14 Stunden zum Weltrekord

Blindblitzschach: Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar. Marc Lang sieht auf seinem Monitor nur ein total leeres Schachbrett.
Bild: Foto: Helmut Kircher

Der Günzburger Marc Lang lässt eine 50 Jahre alte Bestmarke purzeln. Er spielte „blind“ gegen 60 Konkurrenten und gewann dennoch deutlich

Sontheim/Günzburg Eine defekte Kaffeemaschine verzögerte das frühmorgendliche Wachwerden. Dann nahmen im Laufe des Vormittags hämmernde Kopfschmerzen das Hirn in Beschlag. Und pünktlich zu Beginn des vom Sontheimer Schachklub aufwendig inszenierten Events im Rahmen des Stadtfestes meldete auch noch die mobile Internetverbindung Totalausfall an. Für Marc Lang aus Günzburg nicht gerade die besten Voraussetzungen, den 50 Jahre alten Weltrekord im Blindblitzschach auf eine neue Bestmarke zu setzen. Dennoch gelang es ihm.

Sechs Aspirin eingeworfen (nicht nachmachen, hat eh nichts genützt!), mit einstündiger Verspätung am Wettkampftisch Platz genommen und gegen eine phonstarke Blaskapelle Schalldämpfer auf die Ohren gestülpt: Zwar war es nicht besonders wirkungsvoll, aber okay, man will ja schließlich auch mitkriegen, von wem die Resi abgeholt und wo und wie der Enzian blüht.

Vier mehr als bislang

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Für Lang galt es, gegen 60 „Blitzer“, also Blitzschach-Mitspieler, nacheinander anzutreten, vier mehr als beim bestehenden Weltrekord des Amerikaners George Koltanowski. Sie alle sind „sehend“, sowohl das eigene Schachbrett als auch alle Figuren und jeden Zug des Herausforderers auf einem Monitor. Nicht so Marc Lang: Er spielte „blind“, hatte sein Schachbrett allein im Kopf, auf dem Bildschirm lediglich ein leeres und leer bleibendes. Die Zeitregeln besagten: fünf Minuten für die Gesamtpartie, plus je fünf Sekunden für jeden eigenen Zug. Gut lief es. Bei der 36. Partie bereits konnte er den 31. Punkt einfahren und hatte damit den Sieg schon sicher in der Tasche. Nach dem 40. Spiel verschwanden die Kopfschmerzen und um 3.03 Uhr des folgenden Tages, gut 14 Stunden nach Spielbeginn, war der Weltrekord mit 60 Spielern und 50.5 zu 9.5 Punkten seiner.

Für ein breites Publikum

„Eigentlich eine Nebensache“, wertet der für den Sontheimer Vorzeigeschachklub spielende Günzburger die Angelegenheit. Wichtig sei es gewesen, „Schach auf diese Weise einem breiten Publikum zu präsentieren“, vor allem aber auf das ungleich anspruchsvollere, schwierigere und weitaus gewichtigere Ereignis am 26./27. November dieses Jahres hinzuweisen, das ebenfalls vom „größten und bedeutendsten deutschen Schachklub“ Sontheim/Brenz organisiert wird: den Weltrekordversuch im Blindsimultanschach.

Dabei geht es für Herausforderer Lang darum, gleichzeitig gegen mindestens 46 Gegner zu spielen, „blind“, jede Figur und jeden Zug auf jedem Brett nur im Kopf, über die Dauer von bestimmt mehr als 24 Stunden.

Übrigens: Nach der reichlich bemessenen Bettaufenthaltsdauer von knapp vier Stunden vergangenen Sonntagmorgen konnte der frischgebackene Blind-Blitz-Weltrekordler dem Weckruf seines Sohnes: „Ich hab Hunger“ ebenso blind wie blitz Folge leisten. Behauptet er zumindest.

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