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Bibertal

18.11.2016

In Bibertal soll es künftig zwei Löschzüge geben

Wie müssen sich die Bibertaler Feuerwehren strukturell verändern und welche Neuanschaffungen sind nötig? Darum ging es beim Bedarfsplan, den die Gemeinde in Auftrag gegeben hat.
Bild: Peter Stöbich (Symbolfoto)

Die Maßnahmen haben es in sich – kostenmäßig für die Gemeinde und organisatorisch für die Feuerwehren.

Der fertige Feuerwehrbedarfsplan bescherte dem Gemeinderat Bibertal eine Sondersitzung vor großem Fachpublikum aus den sieben Ortsteil-Feuerwehren. Die Entscheidung mit der Sitzung vom Rathaus in den Traubesaal auszuwandern war richtig. Bürgermeister Oliver Preußner sagte einleitend: „Wir haben uns viele Zuhörer erhofft und sie sind auch gekommen.“

Transparent und im Dialog solle der Feuerwehrbedarfsplan vorangetrieben werden. Denn die Ergebnisse und Maßnahmen des von der Firma Orgakom Analyse und Beratung GmbH aus Waldbronn erstellten Feuerwehrbedarfsplans haben es in sich: Kostenmäßig für die Kommune und organisatorisch für die Feuerwehren. Um die Schutzzielvorgabe, im Falle eines Wohnungsbrands Menschenleben zu retten und den Brand zu bekämpfen, erfüllen zu können, sollen innerhalb von zehn Minuten sechs Feuerwehrleute und ein Löschfahrzeug LF10 mit weiteren drei Männern zur Stelle sein. Als zweites Schutzziel soll dann eine Ergänzungseinheit hinzukommen. Zwischen August 2011 und Dezember 2014 gab es elf Einsätze, die diesem Schutzziel entsprachen, in sechs Fällen wurde die Hilfsfrist gesichert eingehalten.

Viele Ettlishofer Feuerwehrmänner sind bald zu alt

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Besondere Risikoschwerpunkte wurden in der Flächengemeinde nicht ausgemacht, allenfalls die Biogasanlagen. In den Plan flossen auch die zeitliche Entwicklung der Löschzugstärke ein, die beispielsweise ein Defizit der Feuerwehr Ettlishofen von fünf Mann unterhalb der Mindeststärke ergab, und die Altersstruktur. Anhofen und Bühl haben eine junge Mannschaft, während in Ettlishofen rund ein Drittel in den nächsten zehn Jahren ausscheiden wird. Ausbildungsbedarf besteht durchwegs bei den Atemschutzgeräteträgern. Und für die Jugendfeuerwehr wird ein Zusammenlegen empfohlen, da sich die 26 Jugendlichen im Jahr (2015) auf sechs Feuerwehren verteilen, Echlishausen hat gar keine Jugendfeuerwehr. 2011 waren es noch 48 Mitglieder in sieben Jugendfeuerwehren.

Die planerische Erreichbarkeit stellte Orgakom-Geschäftsführer Jens Petri für jede Ortsteilfeuerwehr getrennt vor und zwar innerhalb des Orts und zweitens zur Unterstützung in die Nachbarorte innerhalb der Hilfsfrist von 15 Minuten. Hier konnte vor allem die Feuerwehr Kissendorf punkten, die aufgrund ihrer zentralen Lage das gesamte Gemeindegebiet innerhalb von zehn Minuten Fahrzeit erreichen kann. Die Feuerwehrhäuser hatte Steffen Luther von Orgakom unter die Lupe genommen. Es fiel auf, dass meistens die persönliche Schutzausrüstung in der Fahrzeughalle hängt. Dieselabgase und Rauchrückstände am Auto nach einem Einsatz sollen aber nicht auf Schutzausrüstung übertragen werden können. Ein eigener Raum wäre besser, zumindest aber eine Absauganlage. Manchmal sind die Abstände zwischen Fahrzeug und Gebäude zu eng oder die Schutzausrüstung lagert in den Verkehrswegen oder es gibt gar keine Heizung.

Neue Anschaffungen werden teuer für Bibertal

Gefährlich werden kann es für den Bediener der Schlauchwaschanlage, weil der Bedienstand unmittelbar neben den Druckanschlüssen angebracht ist. Mittelfristig sollte in Anhofen angebaut werden, bei einer Zusammenlegung mit der Feuerwehr Ettlishofen sogar noch etwas größer. Für Bühl und Echlishausen wäre nach einer Kooperation ein gemeinsames neues Feuerwehrhaus für 800 000 Euro angebracht, da der Erhalt beider Standorte 1,15 Millionen Euro für den Umbau kosten würde.

Dass die Tagalarmsicherheit ein großes Problem ist, war keine große Überraschung. Von insgesamt 230 Feuerwehrangehörigen sind tagsüber nur 25 sicher für einen Einsatz vor Ort. Auch hier sprechen die Zahlen für eine Kooperation von Bühl und Echlishausen. Empfohlen wird das Fahrzeugalter, das zurzeit im Schnitt 17,4 Jahre beträgt, auf zehn Jahre zu senken. Geschätzte Kosten: knapp eine Million Euro verteilt auf zehn Jahre. Außerdem soll 2025 mit neun Fahrzeugen eines mehr als bisher vorhanden sein.

Mehr Atemschutzgeräte, mehr Funkmeldeempfänger und ein Schlauchpool gehören zu den kleineren Anschaffungen. Beim Punkt Personal fasste Steffen Lutter am Ende noch einmal zusammen: „Ein federführender Kommandant ist mit Simon Fuchs schon installiert.“ Empfohlen werden jährliche Berichte, die Organisation in zwei Löschzügen Bibertal-Nord und Bibertal-Süd, ein Ausrücken entsprechend der Fahrzeitsimulationen, Umsetzung von Arbeitsschutz, die freiwillige Zusammenlegung der Feuerwehren Bühl und Echlishausen, sowie Anhofen und Ettlishofen und schließlich die Bildung einer gemeinsamen Jugendfeuerwehr.

Nach dieser umfangreichen Präsentation des Feuerwehrbedarfsplans im Gemeinderat bat Bürgermeister Oliver Preußner jede einzelne Ortsteilfeuerwehre um einen Gesprächstermin. Er betonte: „Das Feuerwehrwesen baut auf Freiwilligkeit auf. Richtig ist für Bibertal der Weg, den die Feuerwehren mitgehen.“ Ein Beschluss wurde nicht gefasst.

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