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Günzburg/Oxford

14.04.2018

In Harry Potters Klassenzimmer lernen

In diesem Gebäude finden in Oxford Tutorien statt. Diese sind die Standardunterrichtsform der Universität, bei der sich maximal drei oder vier Studierende mit einem Professor treffen, um über ein fachspezifisches Thema zu diskutieren oder die Essays zu besprechen, die sie regelmäßig schreiben müssen.
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In diesem Gebäude finden in Oxford Tutorien statt. Diese sind die Standardunterrichtsform der Universität, bei der sich maximal drei oder vier Studierende mit einem Professor treffen, um über ein fachspezifisches Thema zu diskutieren oder die Essays zu besprechen, die sie regelmäßig schreiben müssen.

Jonas Bozenhard aus Gundremmingen studiert in Oxford. Wie er das Studium an der Kaderschmiede erlebt und wie es sich von dem in der Heimat unterscheidet.

Noch immer schallt Stephen Hawkings Name durch die Medien. Wahrscheinlich wird er es noch viele Jahre tun. Ein Mann – halb Naturwissenschaftler, halb Popstar. Und Jonas Bozenhard aus Gundremmingen hat zumindest eines mit ihm gemeinsam: Hawkings hat bis 1962 in Oxford studiert, der Gundremminger lernt dort seit 2017.

Nach seinem Abitur im Jahr 2012 am Albertus Gymnasium Lauingen hat Bozenhard in Tübingen Philosophie studiert. Nach der Schule hätte er nicht erwartet, einmal eine Eliteuni zu besuchen, doch sein Bachelor mit der Note 1,0 ermöglichte es ihm. Seit vergangenem September lebt Bozenhard auf dem Campus einer der bekanntesten Universitäten der Welt. Sein Masterstudiengang heißt „Modern languages“, aber im Grunde beschäftige er sich weiterhin überwiegend mit Philosophie, sagt er.

Am Telefon spricht er von Begriffen, die außerhalb der Universitätsmauern niemand nutzt: „sub fusc“ zum Beispiel, das ist das akademische Gewand Oxfords. Es besteht aus Anzug, Talar und einer weißen Fliege. Zum ersten Mal hat Bozenhard das getragen, als er und die anderen Neuankömmlinge von der Universitätspräsidentin mit dem Satz „Willkommen an der besten Universität der Welt!“ begrüßt worden sind. Doch auch bei „Bops“ trägt er die Kleidung. Das ist in Oxford das Wort für Partys. „Englische Muttersprachler kennen diese Begriffe auch nicht“, sagt der 25-Jährige, das teilten sie mit den ausländischen Studenten aus der ganzen Welt.

Hier ist so manches anders als daheim

Auch das Studium selbst läuft anders ab als hierzulande. Quetschen sich in manchen deutschen Universitäten hunderte Studenten in einen Vorlesungssaal, findet der Unterricht in Oxford in Tutorien statt, bei denen auf einen Professor drei bis vier Studierende kommen, sagt Bozenhard. Dadurch wachse der Anspruch, aber man nehme auch mehr mit. Die Professoren seien zudem nicht irgendwelche Forscher, sondern meist Koryphäen auf ihrem Gebiet.

Zu Beginn der zweiwöchigen Tutorien bekommen die Studenten eine Liste mit Büchern, die sie lesen müssen – meist sind sie „schier endlos“, sagt Bozenhard. Dann schreiben sie einen Essay, geben ihn ab und besprechen ihn tags darauf mit dem Professor. Zuletzt hat sich Bozenhard mit der Philosophie Friedrich Nietzsches und den Werken des zeitgenössischen Medientheoretikers Friedrich Kittler beschäftigt.

Wie er in den bisherigen Tutorien abgeschnitten hat, weiß er nicht. All seine Noten bekommt er erst, wenn das Studium, das aus drei Trimestern besteht, abgeschlossen ist. „Theoretisch könnte ich auch schon durchgefallen sein“, sagt er, wobei er sich recht sicher ist, dass dem nicht so ist.

Auch prominente Studenten tummeln sich hier

Er lebt in einem der rund 40 Colleges, aus denen Oxford besteht. Bei den „Undergrads“, wie Studenten ohne Abschluss dort heißen, spielt sich das gesamte Leben und Studium im einzelnen College ab. Bei den „Grads“ – das sind Studenten, die schon mit einem Abschluss nach Oxford kamen – sind die Tutorien über den ganzen Campus verteilt. Neben all den Forschern tummeln sich dort aber auch prominente Studenten. So studiert auch die jüngste Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai auf demselben Gelände wie Bozenhard. „Sie ist aber ständig umgeben von Leibwächtern“, erzählt der Gundremminger.

Der Besuch der Eliteuniversität bringt normalerweise erhebliche Kosten mit sich. Doch Bozenhards Studiengebühren zahlt die Universität Oxford selbst. Er erhält sogar einen Zuschuss für seinen Lebensunterhalt aus Mitteln der EU. Als er beschlossen habe, Philosophie zu studieren, habe er sich viel anhören müssen. Einige sagten, danach sei er mit Sicherheit arbeitslos. „Es tut gut, jetzt in Oxford zu sein“, sagt er.

Ein Abschluss dieser Universität öffne viele Türen. Doch welche er nutzen will, ob in der freien Wirtschaft oder der Forschung, weiß er noch nicht. Seinen Doktor machen möchte er jedenfalls – möglicherweise wieder in Deutschland, vielleicht aber weiterhin im Ausland.

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