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Jettingen-Scheppach

20.12.2015

Isabella Braun: vergangen, aber nicht vergessen

Reliquien aus dem literarischen Nachlass von Isabella Braun präsentien (von links) Bürgermeister Hans Reichhart, Biograf Erich Rueß und Zweiter Bürgermeister Hermann Högel.
Bild: Helmut Kircher

Zu ihrem 200. Geburtstag gedenkt Jettingen-Scheppach der Schriftstellerin mit einer Feierstunde. Nicht nur in der Marktgemeinde wird sie verehrt.

Einst wurde sie als „eine der ernsthaftesten Erscheinungen der Jugendliteratur des 19. Jahrhunderts“ gepriesen. Isabella Braun, geboren am 12. Dezember 1815 in dem schwäbisch-stauffenbergschen Marktflecken Jettingen. Doch was von diesem Lorbeerkranz ist geblieben? Was hat sich literarisch ins 21. Jahrhundert hinüber gerettet? Zu ihrem 200. Geburtstag hat die Gemeinde ihr jetzt jedenfalls eine Feierstunde gewidmet.

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Die Zeit ihres der Romantik und des Biedermeiers anhaftenden, damals als „rothbackiger Lebensmuth“ empfundenen und heute eher als etwas antiquiert anmutenden Schreibstils ist längst vergangen, ihre zahlreichen, hochqualitativ ausgestatteten Werke sind nur noch antiquarisch zu erhalten – bis auf eine modernisierte Neuauflage „Weihnachtsgeschichten“, mit der die zweite der Isabella-Braun-„Gedenkstätten“, Neuburg an der Donau, der Wegbereiterin des christlichen Kinder- und Jugendbuches gedenkt. Insgesamt 17 Jahre, sie gehörten zu ihren glücklichsten, hatte sie dort gelebt und gearbeitet.

Im Englischen Garten der Stadt ehrt sie, seit ihrem Tod 1886 in München, ein drei Meter hohes, marmorsteinernes Denkmal – die Namensgebung einer nach ihr benannten Sprachheilschule für Kinder aber wurde rückgängig gemacht.

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Ein Feierstunde mit vielen Facetten

Nicht so in Jettingen. Hier ist eine Straße nach ihr benannt und ein 1976 eröffnetes Altenheim, in dessen Foyer Bürgermeister Hans Reichhart zu einem kleinen Festakt für „Jettingens große Tochter“ lud. Eine intime Feierstunde, in deren Mittelpunkt die Poesie der Vergangenheit einer Betrachtungsweise der Gegenwart die Hand gab, und eine heimatkundlich historische Rückschau dem galoppierenden Vergessen eine Verschnaufpause gönnte. Von einem Quintett des Bläserverein musikalisch umrahmt, spielten Theaterkids der Bühne 99 die „Heilige Nacht“ aus dem „Theaterbilderbuch“, lasen Martin Weng und Zweiter Bürgermeister Hermann Högel Erzählungen, Erinnerungen und Dorfgeschichten aus dem vielschichtigen Schaffen dieser „jugendbegeisternden Seele“.

Und der ausgewiesene Kenner schwäbischer Dichterbiografien, Erich Rueß (Grafertshofen), gab nicht nur in Wort und Bild einen fundierten, kenntnisreichen und amüsanten Einblick in das literarische Lebenswerk einer mit Orden und Auszeichnungen dekorierten Ausnahmeschriftstellerin, sondern auch in das des weiblichen Rollenbildes jener Zeit, in Lebensbedingungen und Kindererziehung. Von erheblicher Bedeutung, neben Daten aus verstaubten Quellen, war aber das „größte Denkmal“, das Jettingen seiner großen Tochter setzte: Die von Renate Miele verfasste, akribisch recherchierte und lebensnah inszenierte Biografie „Die braune Bill –Aus dem Leben der Jugendschriftstellerin Isabella Braun aus Jettingen“.

Ein Werk, so sagte Rueß, das zum Besten gehöre, was dazu vorliege. Und das allein schon aufgrund seiner von Maria Schneider wissenschaftlich exakt aufgelisteten Anmerkungen, Quellen- und Werksverzeichnisse, „den Status einer Doktorarbeit verdiene“.

Buchtipp Isabella Braun, „Weihnachtsgeschichten“, erstmals veröffentlicht 1880, neu herausgegeben von Claudia, Dieter und Julia Distl, mit einem Umschlagbild von Karikaturist Horst Haitzinger. Erschienen im Verlagshaus Kastner, ISBN 978-3-945296-34-9. Erhältlich zum Preis von 17,90 Euro.

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