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Günzburg

08.02.2019

Ist das Wahl-Lindersche Altenheim zu marode für eine Sanierung?

Soll das Wahl-Lindersche Altenheim saniert oder neu gebaut werden? Und beim Neubau: Wohin kommt er? Eine Vorentscheidung fällt wohl am 18. Februar.

Plus Kritiker wollen sich mit einem Neubau in Günzburg nicht abfinden. Dass sie Erfolg haben, gilt als unwahrscheinlich. Es geht um etwas anderes.

„Nicht das effizienteste und modernste Wohnheim am Stadtrand ist erwünscht, sondern ein Heim mit Atmosphäre und Nähe zur Innenstadt.“ Das sagen nicht nur Gisela und Wolfgang Stang und Ulrich Abmayr. Bewohner und Angehörige sowie ältere Bürger Günzburgs, mit denen sie gesprochen hätten, verträten mehrheitlich diese Meinung.

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Dieses Argument ist eines von neun, das unter anderem Landrat Hubert Hafner bei einer Besprechung im Landratsamt am 23. Januar schriftlich vorgelegt worden ist. Den derzeit geplanten Neubau des Heimes halten die Drei für falsch. Stattdessen, so ihr Vorschlag, sollten die bestehenden Gebäude auf dem Filetgrundstück nahe der Günzburger Innenstadt generalsaniert werden. Aus Sicht Abmayrs und des Ehepaares Stang, die jeweils Angehörige in dem Heim haben, sind „die besonderen Vorzüge der Nähe des Wahl-Linderschen Altenheims zum Stadtzentrum“ (900 Meter) ohne Höhenunterschied gegenüber 1,6 Kilometern von der Dr.-Simnacher-Stiftung in der Heilmeyer-Straße (ein möglicher neuer Standort) über die stark befahrene Augsburger Straße „nicht ausreichend gewürdigt“ worden. Um die Probleme an Ort und Stelle zeigen zu können, organisieren Abmayr und die Stangs am heutigen Freitag eine Begehung. Treffpunkt ist um 16 Uhr am Parkplatz der Simnacher-Stiftung (Ludwig-Heilmeyer-Straße 7-21). Neben den Günzburger Stadträten und den Kreisräten sind auch „interessierte Bürger der Stadt Günzburg“ eingeladen. Martin Neumeier, der Werkleiter der kreiseigenen Altenheime (insgesamt vier mit rund 350 Plätzen), kann einen Teil der vorgebrachten Einwände verstehen. Von Anfang an habe auch die Priorität bestanden, das Heim am jetzigen Standort neu zu bauen.

Grundriss des Altenheims ist nicht mehr zeitgemäß

Doch eine Bebauung des Klingelparks sei selbst bei nachfolgender Aufforstung des Abbruchgeländes von der Stadt Günzburg kategorisch abgelehnt worden. Das benachbarte Gebäude in der Krankenhausstraße 40 werde weiterhin von der Montessori-Schule und der Musikschule benötigt und stehe damit für die Wahl-Lindersche Altenstiftung nicht zur Verfügung. Und eine Bebauung südlich der Montessori- Schule (Richtung Gabelung Krankenhausstraße/Ichenhauser Straße) sei nicht möglich, da der zur Verfügung stehende Platz schlicht nicht ausreiche. „Somit war nach relativ kurzer Zeit klar, dass ein Bau in unmittelbarer Nachbarschaft nicht in Frage kommt“, schreibt Neumeier in seiner Funktion als Geschäftsführer der Wahl-Linderschen Altenstiftung in einer Stellungnahme.

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Eine grundlegende Sanierung anstelle eines Neubaus kommt für Neumeier ebenfalls nicht infrage. Die bauliche Struktur entspreche nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Der Grundriss der Gebäude und die Zellenstruktur wiesen die Häuser als „klassische Altenheime für rüstige Bewohner“ aus. Aber die Menschen, die jetzt einen Heimplatz erhielten, seien wesentlich älter und in der Regel auch nicht mehr so fit. „Wir haben hier jetzt 100 Prozent Pflege – und das mit ganz anderen Vorschriften“, sagt Neumeier, der einen weiteren Grund anführt, warum eine Sanierung oder ein Teilabbruch für ihn keine Alternative zum Neubau an anderer Stelle ist: Denn dies würde nach seiner Darstellung eine Reduzierung des verfügbaren Angebots an Pflegeplätzen im Raum Günzburg von 30 bis 50 Plätzen bedeuten, „was in der aktuellen Nachfragesituation unzumutbare Härten schaffen würde“. Auch das vorhandene Personal müsste Neumeier zufolge in dieser Zeit abgebaut werden, was „für die Betroffenen unzumutbar wäre“. Außerdem würde es dann schwierig bis unmöglich, in Zeiten extremer Personalknappheit die Pflegekräfte wieder zurückzugewinnen.

Und auch der erhebliche wirtschaftliche Verlust aus dem solchermaßen reduzierten Betrieb sei für den Träger nicht vermittelbar. Auf das mit derzeit 110 Plätzen größte der vier kreiseigenen Heime käme mach den Berechnungen des Werkleiters „über den gesamten Bauzeitraum ein Defizit zwischen drei und fünf Millionen Euro“ zu.

Landrat Hafner hat den Kritikern der Neubaulösung in der Besprechung am 23. Januar zugesagt, dass in den kommenden drei Wochen nichts geschehen werde. Die Zusage konnte er gut abgeben in dem Wissen, dass sich der Kreis- und der Sozialausschuss am 18. Februar zu einer Sitzung treffen werden. Dann geht es im nichtöffentlichen Teil um die weitere Vorgehensweise.

Schlummern Fliegerbomben im Boden des möglichen neuen Standorts?

Beobachter halten es für unwahrscheinlich, dass nochmals eine grundsätzliche Diskussion um Neubau oder Sanierung geführt wird. Vielmehr dürfte die Kreisräte interessieren, auf welchem Grundstück tatsächlich gebaut wird. Denn inzwischen drehen sich die Verhandlungen nicht mehr nur um den Grund des Bezirks Schwaben an der Simnacher-Stiftung. In der Rebaystraße, die näher zum Stadtzentrum liegt, bieten Privatleute ebenfalls Boden für das Neubauprojekt an. Das klingt nicht nur interessant, weil die Fläche größer ist als an der Ludwig-Heilmeyer-Straße. Der Kreis könnte das Grundstück kaufen. Der Bezirk würde ihn nur im Erbbaurecht zur Verfügung stellen.

„Der Verlauf ist ganz gut“, fasst Birgit Böllinger, die Sprecherin des Bezirks, am späten Donnerstagnachmittag den Stand der Verhandlungen zusammen.

Das sehen auf Landkreisseite nicht alle so. Denn jetzt kommt offenbar noch dazu, dass der Untergrund nicht optimal ist und die Gebäude auf Pfählen abgestützt werden müssten, um Stabilität zu erreichen. „Technisch ist das möglich, aber entsprechend teurer“, sagt Neumeier. Außerdem wird über mögliche Fliegerbomben im Untergrund spekuliert. Dazu führt die Bezirkssprecherin aus, dass man eine Luftbildrecherche gemacht habe und Fliegerbomben grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden könnten. „Aber es gibt keinen begründeten Verdacht, dass hier Riesenbomben liegen.“

Die Stadt Günzburg hat dazu keine eigenen Erkenntnisse. Auf „Altlasten“ zu untersuchen sei eine „Routineaufgabe im Rahmen einer Baumaßnahme in Städten, die im Krieg bombardiert worden sind“, sagt Friederike Kurtenbach von der Stadt Günzburg.

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