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Offingen

09.10.2019

Ist ein schöner Blick vom Aussichtsturm 320000 Euro wert?

Der Aussichtsturm westlich von Offingen ist seit Jahren aus Sicherheitsgründen gesperrt. Die Sanierung würde mehr als 320.000 Euro kosten.
Bild: Bernhard Weizenegger

Für den Wiederaufbau des Offinger Wahrzeichens liegt jetzt eine Kostenschätzung vor. Was der Gemeinderat davon hält

Das war ein Schock für die Offinger Marktgemeinderäte. Die Sanierung des Aussichtsturms könnte den Markt mit über 320000 Euro unerwartet teuer zu stehen kommen.

Im April hatte der Marktgemeinderat den Beschluss gefasst, die Objekt- und die Tragwerksplanung für die Sanierung des Offinger Aussichtsturms an das Büro Hartinger Consult in Thannhausen zu vergeben. In der jüngsten Sitzung wurde seitens des Ingenieurbüros eine Kostenschätzung mit jeweils zwei möglichen Varianten vorgestellt: Zum einen die einer Stahlkonstruktion aus Doppel-T-Profilen oder alternativ aus Quadratrohrhohlprofilen, bei der die intakte Dachkonstruktion erhalten bliebe.

Mit oder ohne neuer Dachkonstruktion

Die anderen beiden Lösungen bestünden jeweils aus dem gleichen Aufbau, das Ganze jedoch mit einer neuen Dachkonstruktion.

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Der Turm werde seine Abmessungen beibehalten, auch was die Etagen und die Plattform betrifft. Die Treppenkonstruktion werde bei allen Varianten neu beschichtet und wiederverwendet. Eine Erneuerung der Fundamentierung wäre nicht notwendig. Ändern würde sich lediglich das Material der Turmkonstruktion, nämlich langlebiger Stahl, anstatt Holz.

Die Kosten dafür bewegen sich je nach Variante zwischen 320000 und 400000 Euro. Rüdiger Zischak (CSU) erkundigte sich nach dem Ablauf und nach der Kalkulation, wollte jedoch eines nicht so stehen lassen: „320000 Euro ohne Ingenieurkosten, das ist ordentlich.“ Diplom-Ingenieur Markus Seitz vom Büro Hartinger verwies auf die relativ vielen Montagearbeiten, die das Ganze verteuerten. Drei bis vier Tage werde der Abbau in Anspruch nehmen, etwa eine Woche der Wiederaufbau.

Der Aussichtsturm westlich von Offingen ist seit Jahren aus Sicherheitsgründen gesperrt. Die Sanierung würde mehr als 320 000 Euro kosten.
Bild: Bernhard Weizenegger

Hanebüchene Preise

Gar nicht verstehen konnte das Michael Süß (FWO): „Wo kommen die Preise her?“ Für ihn sei das hanebüchen. Auch Zweiter Bürgermeister Florian Haupeltshofer (JB) bemerkte: „Vier Seitensäulen und Querstreben, was kann da so teuer sein?“ Seitz dagegen verwies darauf, dass sich der Turm im öffentlichen Bereich befinde.

Was passiere, wenn in zehn Jahren beispielsweise die Treppe zu rosten beginne, stellte er die Frage in den Raum. Man wolle kein Geld verschwenden, sondern etwas Dauerhaftes bieten. Mit dem Vorentwurf sei man von den Kosten her zunächst an der oberen Grenze. Für Monika Schweizer war klar: Der schöne Blick vom Turm sei ihr keine 320000 Euro wert.

Fördermöglichkeiten werden geprüft

Man habe den Vorentwurf in Auftrag gegeben, lenkte Offingens Bürgermeister Thomas Wörz (SPD) ein. Hätte sich das damalige Büro beim Bau mehr Gedanken gemacht, müsste man jetzt nicht wieder investieren. Bereits im Vorfeld hatte er darauf hingewiesen, dass es möglicherweise Fördermöglichkeiten über das europäische Leader-Programm geben könnte. Ferner gebe es eine Richtlinie zur Förderung von öffentlichen touristischen Infrastruktureinrichtungen (Röfe). Die Verwaltung habe bereits mit dem Wirtschaftsministerium und der Regierung von Schwaben Kontakt aufgenommen.

Chancen dafür stufe man jedoch als gering ein. Wörz schlug vor, die Fördermöglichkeiten zu klären. Gleichzeitig solle das Ingenieurbüro nach Lösungen suchen, die es für die Variante eins, die mit 320000 Euro kostengünstigste, gäbe. Immerhin habe der Turm eine gewisse Strahlkraft.

Das Ganze auf Eis gelegt

Das wollte Rüdiger Zischak ebenfalls nicht verneinen: Der Turm habe seine Reize und habe Offingen auch etwas gebracht, für diesen Betrag aber könne der Markt auch in etwas anderes investieren. Georg Bader (FWS) sah das ähnlich: Man könne den Turm den Bürgern nicht für so viel Geld verkaufen. Letztlich stellte sich die Frage: Sollen die Planungen für eine Sanierung weiterverfolgt werden oder nicht?

„Wir legen das Ganze auf Eis, bis die Fördersituation auf Basis der Variante eins geklärt ist“, schlug Bürgermeister Wörz vor. Dann werde man über weitere Planungen entscheiden.

Die Mitglieder des Marktgemeinderats folgten dem einstimmig. Dies bedeutet aber auch: Was die Sanierung des Aussichtsturms betrifft, sind die Planungen bis auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

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