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Leipheim

23.02.2019

Jahrhunderte altes Grab in der Leipheimer St. Veitskirche entdeckt

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3 Bilder
Kirchenvorstandsmitglied Jürgen Mößle und Anja Seidel vom Archäologiezentrum Günzburg begutachten das alte Ziegelgewölbe, das im Chorraum der Leipheimer St. Veitskirche entdeckt wurde.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus In der Leipheimer St. Veitskirche haben Archäologen einen sensationellen Fund gemacht: Im Chorraum wurde eine Gruft entdeckt, die vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammt. Doch wer wurde dort beigesetzt?

Es hat fast den Anschein, als müsste man in Leipheim nur eine Schaufel zur Hand nehmen und schon stößt man auf einen archäologischen Fund. Im vergangenen Jahr wurden bei Bauarbeiten Reste einer Siedlung aus der Jungsteinzeit entdeckt – die Stadt ist damit 4000 Jahre älter als gedacht ( Sensation: Leipheim ist deutlich älter als gedacht ). Jetzt gibt es den nächsten Sensationsfund in der Güssenstadt.

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Bei den Vorbereitungen zur Innenrenovierung in der St. Veitskirche sind Archäologen und Kirchenvorstandsmitglieder auf ein altes Grab gestoßen, das wahrscheinlich jahrhundertelang unentdeckt im Boden des Altarraums verborgen lag. Nach ersten Vermutungen könnte das Grab etwa 700 Jahre alt sein.

Probegrabungen in Leipheimer Kirche

Durch Zufall wurde das Ziegelgewölbe entdeckt. Ein Teil der Kirchensanierung betrifft den Fußboden. Ziegelplatten, die dem historischen Belag nachempfunden sind, sollen die bisherigen Fliesen ersetzen. Auch soll eine Fußbodentemperierung der Kälte trotzen. „Wir hatten damit gerechnet, etwas im Boden zu finden“, sagt Jürgen Mößle vom Kirchenvorstand. Deshalb fanden Mitte Februar, also noch vor der eigentlichen Sanierung, Probegrabungen an bestimmten Stellen der St. Veitskirche statt. An insgesamt elf Stellen wurden die Platten entfernt und geschaut, was sich im Boden der Kirche befindet. Der Großteil der Funde war unspektakulär, bis die Archäologen im Altarraum auf Ziegelsteine gestoßen sind.

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In der Leipheimer St. Veitskirche wurde im Altarraum eine Gruft gefunden. Die Grabkammer neben dem Hochaltar lag unter dem Steinfußboden in etwa 20 Zentimetern Tiefe verborgen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Wie ein Gewölbe lagen diese im Boden. Kurzum wurde beschlossen, weiter zu gegraben. Das Gesteinsgewölbe hat eine Länge von knapp zwei Metern. Mit einer endoskopischen Kamera wurde ein Blick in das Innere geworfen: Die Innenwände sind verputzt, außerdem wurden Holzreste entdeckt. „Diese sind vermutlich 700 Jahre alt“, erklärt Jürgen Mößle. „Wir vermuten, dass es sich bei dem Gewölbe um eine Gruft handelt.“ Dafür sprechen die Holzreste, die an einen Sarg erinnern. „Wir wissen nicht, wer dort begraben liegt, aber es muss jemand Bedeutendes sein.“

Gruft stammt wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert

Es ist anzunehmen, bestätigt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, dass es sich um eine intakte Gruft mit Bestattung in einem Holzsarg handelt. Anja Seidel vom Archäologiezentrum in Günzburg erklärt, dass es schwer zu sagen sei, wie alt das Grab tatsächlich ist, dafür seien weitere Untersuchungen nötig. „Es könnte aber aus der Anfangsphase der Kirche stammen“ – also aus dem 14. Jahrhundert. „Nicht für die Kirchengemeinde, sondern auch für Leipheim ist dieser Fund äußerst interessant“, findet die Archäologin. Im Chorraum wurden außerdem Spuren ehemaliger Stufen entdeckt. Der Fund wirft aber noch etliche Fragen auf: Wie alt ist das Grab wirklich? Wer wurde dort, an solch einer bedeutenden Stelle im Altarraum, bestattet? Gibt es noch weitere Gräber? All das sind Fragen, die bislang noch nicht geklärt sind.

Bei dem Fund handelt es sich wahrscheinlich um eine Gruft, die etwa 700 Jahre alt sein dürfte.
Bild: Bernhard Weizengger

Das Ziegelgewölbe ist noch nicht komplett frei gelegt, es steht auch noch nicht fest, ob die Gruft überhaupt weiter untersucht wird. Das entscheidet der Bauherr, also die evangelische Kirchengemeinde in Leipheim. Doch auch im Bereich des Chorraums soll die Fußbodentemperierung eingebaut werden – eventuell kommen bei den Bauarbeiten dann neue Funde zum Vorschein.

Keine Auswirkungen auf den Gottesdienst

Aktuell klafft ein großes Loch im Altarraum. Die anderen Probegrabungen wurden bereits wieder verschüttet. Nur der Fund des Ziegelbogens ist noch frei gelegt. Auf den Gottesdienst habe dies keine Auswirkungen, betont Pfarrer Gerhard Oßwald. „Es gibt keine Sicherheitsbedenken.“ Doch wie geht es nun mit dem sensationellen Fund weiter? Das kann auch der evangelische Pfarrer noch nicht einschätzen. Ob der Fund weiter untersucht wird oder nicht, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. „Ich würde nicht weiter machen“, gibt Oßwald aber offen zu. „Wir müssten das auch finanzieren.“

Und aktuell stehe mit der Innensanierung der Kirche eine große Investition bevor. Die Kosten werden auf etwa 1,6 Millionen Euro geschätzt. ( In der Leipheimer St. Veitskirche gibt es viel zu tun ) Der Fund im Altarraum beeinträchtigt die Planungen der Innensanierung nicht. Schon nach den Osterfeierlichkeiten könnten die Arbeiten in der Kirche losgehen. So sollen die Wände und Decken gereinigt und ergänzt werden. Außerdem wird das Mittelschiff komplett neu eingerichtet.

St. Veit ist eine Kirche mit Geschichte. Die Pfarrkirche wurde nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege im Jahr 1225 erstmals erwähnt. Während des Bauernkriegs wurde die Kirche zu einem Gefängnis für 700 gefangene Bauern umfunktioniert, später, nach dem Dreißigjährigen Krieg, diente es sogar als Pferdestall. Heute ist die St. Veitskirche die einzige stilechte gotische Kirche im Landkreis Günzburg. Zuletzt wurde sie in den 1950er Jahren saniert. Doch auch damals blieb das Grab im Altarraum unentdeckt. Erst jetzt, mit der Entscheidung, den Fußboden zu erneuern, kam es zum Vorschein.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Der Fund in der St. Veitskirche muss weiter erforscht werden

Welche historischen Funde in Leipheim bereits entdeckt worden sind, erfahren Sie hier: Das sind Leipheims Bodenschätze

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