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22.06.2009

Jesus als Superstar der Wilhelmsburg

Ulm Im Tod sind Jesus Christus und sein Freund Judas wieder vereint, umarmen einander, bis der erlöste Judas ganz in Weiß Christus´ Leichnam in einen Strahlenkranz aus Licht trägt: Nach 28 ausverkauften Vorstellungen im Großen Haus präsentiert das Theater Ulm Werner Pichlers Inszenierung von Andrew Lloyd Webbers legendärer Rock-Oper "Jesus Christ Superstar" mit einem veränderten und sehr anrührenden Schluss beim Open Air auf der Wilhelmsburg.

Zwar muss sich der Zuschauer auf der Wilhelmsburg Christi Kreuz selbst hinzudenken, die Sterbeszene verzichtet auf den berührenden Schatten-Effekt, der bei den Aufführungen im Großen Haus entstand, aber diese gegenüber den Aufführungen im Großen Haus völlig veränderte Schlussszene ist in sich so viel beeindruckender, dass das Publikum auf der Wilhelmsburg zu fast schon mitternächtlicher Stunde und trotz großer Kälte minutenlange Standing Ovations gab.

Vielleicht enthält die "Jesus Christ Superstar"-Interpretation Andrew Lloyd Webbers manches, was in den historischen Ereignissen gut vorstellbar ist: Judas, der verzweifelt, weil er Jesu Stern sinken sieht, weil er seine Hoffnungen enttäuscht sieht, Christus von den permanenten überhöhten Forderungen und Heilserwartungen der Menschen ausgebrannt und erschöpft, die Apostel mit sich selbst und über ihre Position so zufrieden, dass sie trunken Christus in seiner Not alleine lassen.

Beeindruckender Abschied

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Judas, der Freund, der in Gottes Heilsplan die schwere Aufgabe bekommt, den Verrat auszuüben und der an sich selbst verzweifelt, und Jesus, dessen Liebe zu Maria Magdalena den Neid, das Unverständnis und die Eifersucht der Apostel auslöst - so haben auch andere die Situation der letzten Tage Christi schon interpretiert. In Werner Pichlers Inszenierung sind Kaiphas, Annas und die Priester graue, undurchsichtige Gestalten, skrupellose Strippenzieher. Henrik Wagner und Frank Felicetti als Jesus und Judas überzeugen auf der Wilhelmsburg mindestens so sehr wie im Großen Haus, Hélène Lindqvist gibt als zärtlich liebende und geliebte Maria Magdalena einen beeindruckenden Abschied von Ulm. Hans-Günther Dotzauer, so großartiger Schauspieler wie Sänger, macht die Figur des selbstverliebten, geckenhaften Lebemanns Herodes - umgeben von den leicht bekleideten Tänzerinnen des Balletts - zu einer greifbaren Gestalt, Girard Rhoden die des Simon Zelotes zu einem optischen und stimmlichen Magneten.

Das Wetter - vom ersten Moment an drohten dunkle Wolken, die ganze Aufführung über, und ab und zu fiel ein einzelner Tropfen, doch hielten die dicken Wolken dicht, keine Unterbrechung war nötig.

Für die Musiker der Band unter Leitung von Gordian Teupke wäre eine Regenunterbrechung wahrscheinlich nicht so schlimm gewesen, sie spielten aus der Wilhelmsburg heraus, wohl aber für die Schauspieler, fürs Ballett und für die Sängerinnen und Sänger des Theaterchors und von Girard Rhodens Gospelchor Hope. Die große Bühne der Wilhelmsburg, die Möglichkeit, das hohe, dunkle Gebäude in die Aufführung einzubeziehen, sie tun der Inszenierung der Rockoper so gut, wie Zuschauer es am Ende, im Hinausgehen befanden: dass "Jesus Christ Superstar" bereits im Großen Haus ein großer Abend, auf der Wilhelmsburg aber faszinierend sei.

Weitere Aufführungen am 2., 4., 7., 9. und 11. Juli, jeweils um 21 Uhr.

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